Die letzte Börsenwoche stand ganz im Zeichen des Coronavirus. Die Börsen brachen weltweit ein. Selbst sogenannte sichere Häfen wie Gold bescherten Anlegern deutliche Verluste. Am letzten Freitag verlor allein der Dax zeitweise mehr als 5 Prozent. Mit einem Minus von rund 13,5 Prozent seit dem vergangenen Freitag erlebten Anleger die schwärzeste Woche seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008. Ein solcher Ausverkauf an den Aktienmärkten kommt glücklicherweise selten vor. Genauso wie ein schwarzer Schwan in der Natur. An den Finanzmärkten steht deshalb der Begriff des „Schwarzen Schwans“ für ein unerwartetes, plötzlich auftretendes Szenario. Der „Schwarze Schwan“ Coronavirus sorgte für Panik an den Märkten.

Die Geschwindigkeit des Kurssturzes überraschte

Auch erfahrene Börsianer waren überrascht von der Geschwindigkeit des Kurssturzes. Es dominierte teilweise die Angst, dass das Coronavirus die Welt in eine schwere Wirtschaftskrise stürzt. Weltweite Lieferketten könnten unterbrochen werden. Es herrschte eine extreme Nervosität an den globalen Finanzmärkten. Langfristig orientierte Privatanleger sollten sich jedoch keineswegs von der Nervosität am Finanzmarkt anstecken lassen. Niemand kann derzeit vorhersagen, wann die aktuelle Korrektur vorbei ist. Aber wie so oft neigt die Börse zu Übertreibungen und ein wesentlicher Treiber der starken Volatilität (Schwankung) der letzten Woche ging von institutionellen Investoren aus. Diese sind häufig kurzfristig orientiert und nutzen Strategien, die in solchen Marktphasen die Kursbewegungen verstärken.

Risk-Parity-Strategien

Viele Marktbeobachter sehen vor allem in der verbreiteten Anwendung der sogenannten Risk-Parity-Strategien eine Ursache für die heftigen Marktbewegungen. Der Einsatz dieser Strategie bei institutionellen Investoren hat in den letzten Jahren sehr stark zugenommen. Diese Strategien basieren darauf, dass die Aufteilung des Kapitals auf unterschiedliche Anlageklassen anhand des Risikos bzw. der Volatilität bestimmt wird. In guten Börsenphasen, wenn die Volatilität niedrig ist und die Kurse steigen, investieren die Risk-Parity-Anleger einen größeren Teil ihres Kapitals in Aktien, sie kaufen also dann Aktien, wenn die Kurse ohnehin steigen. In schwachen Börsenphasen, wenn die Volatilität steigt und die Kurse sinken, wird dann wieder in weniger riskante Anlageklassen wie Anleihen umgeschichtet. Das führt dazu, dass die Anwender dieser Strategie durch ihre Transaktionen Kursveränderungen noch verstärken. Steigen die Kurse, wird gekauft, fallen die Kurse, wird verkauft.

Computergesteuerte Systeme handeln in Nanosekunden

Risk Parity Strategien haben ihren Ursprung aus dem angloamerikanischen Raum. Obwohl das Konzept seit 50 Jahren existiert, wurde es erst durch den bekannten Hedgefonds Anbieter Bridgewater 1996 mit seinem All-Weather-Fonds etabliert und zunehmend populärer. Vor allem einige der Robo-Adviser in Deutschland nutzen solche Strategien. Vor allem weil die computergesteuerten Handelsprogramme mittlerweile den Handel dominieren. Diese Systeme machen ihre Arbeit. Schneller als jeder Mensch handeln könnte, emotionslos, ohne krank zu werden und das 24 Stunden am Tag. Dabei fand im Markt in den letzten Jahren ein regelrechter Aufrüstungswettbewerb statt. Mittlerweile reagieren diese Systeme in Nanosekunden.

Künstliche Intelligenz dominiert den Handel immer stärker

Viele Systeme operieren schon auf Basis der „AI“, der „Artificial Intelligence“ (künstlichen Intelligenz). Sie können selbstständig lernen und handeln noch schneller. Mitunter wissen die Bediener dieser Systeme nicht mehr, worauf sie eigentlich reagieren. Mittlerweile mehren sich auch kritische Stimmen. Es gibt erste Bestrebungen den computergesteuerten Hochfrequenzhandel stärker zu beschränken oder sogar ganz zu verbieten. Denn der Privatanleger kann im Wettbewerb gegen solche Systeme nur verlieren. Umso wichtiger ist es, dass man als Anleger ins solchen extremen Marktphasen die Füße stillhält. Oder die aktuelle Schwächephase zum Einstieg nutzen. Denn die Systeme können ihre Wirkung auch in die andere Richtung entfalten. Deutet sich ein Rebound an, können Kursgewinne auch stärker ausfallen, als es eigentlich angemessen wäre.

Die Notenbanken werden aktiv

Eine erste Erholung zeichnete sich schon zum Start der neuen Woche ab. Denn die Notenbanken wurden langsam aktiv. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Willen bekundet, die europäische Volkswirtschaft angesichts der Bedrohung durch das neue Coronavirus zu stützen. Die US-Notenbank hat wegen des Coronavirus überraschend heute den Leitzins gesenkt. Er liege nun in der Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent, wie die Fed mitteilte. Das ist ein halber Prozentpunkt weniger als zuletzt. Für die Finanzmärkte ist dabei vor allem die psychologische Wirkung wichtig. Die Notenbanken würden signalisieren, dass sie die Märkte für die Dauer der Krise stützen wollen.

Statt Crash kommt die Hausse

Optimisten argumentieren sowieso, dass die Epidemie bereits in wenigen Wochen abgeklungen sein wird. In der Folge könnte ab Sommer, wenn Grippewellen typischerweise abflauen, eine überraschend positive Entwicklung einsetzen. Zurückgestaute Geschäfte würden dann nachgeholt. Statt Krise und Crash käme es zu Aufschwung und Hausse. Die nächsten Wochen, soviel ist bei aller Unsicherheit derzeit sicher, bleiben spannend und an den Börsen volatil. Anleger sollten entspannt sein. Den Einfluss des Virus auf das globale Wirtschaftswachstum lässt sich derzeit noch nicht seriös abschätzen. Es ist aber derzeit davon auszugehen, dass noch viel Übertreibung in den Kursen steckt. Wer freie liquide Mittel und einen ausreichend langen Anlagehorizont hat, sollte die Rücksetzer jetzt nutzen und nachkaufen. Wer weiß, ob sich in diesem Jahr noch viele Gelegenheiten dazu bieten. Eine Regel gilt allerdings für alle. Immer gut die Hände waschen und in die Armbeuge niesen.

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