Das neue Jahr beginnt, wie das Alte endete. Das Jahr 2021 setzt den Trend des Jahres 2020 fort. Immer mehr Banken führen Negativzinsen ein. Fast 200 Banken und Sparkassen erheben für Privatkunden nach einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox inzwischen Negativzinsen. Allein zum Jahreswechsel führten den Angaben zufolge 24 Kreditinstitute ein Verwahrentgelt ein oder verschärften bestehende Regelungen. Eine Trendwende ist nach Einschätzung von Beobachtern vorerst nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil. Es sind schon lange nicht mehr nur die hohen Guthaben, die belangt werden. Mittlerweile ist auch bei vielen Instituten der „Normalsparer“ betroffen. Einige Banken langen bereits ab dem ersten Euro zu. Geschäftsbanken müssen derzeit 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Zwar mindern Freibeträge die Belastung für die Geldinstitute etwas, aber immer mehr Geldhäuser sehen sich gezwungen die Kosten ganz oder teilweise an ihre Kunden weiterzugeben.

Die Sparquote steigt

Zeitgleich wachsen die Sparguthaben der Bundesbürger immer weiter an. Seit Ausbruch der Pandemie legen die Deutschen immer mehr Geld zur Seite. Noch nie hatten die Bundesbürger so viel Geld auf der hohen Kante. Die Schließungen im Einzelhandel und der Gastronomie bremsen den Konsum. Durch die staatlichen Rettungsschirme und das Kurzarbeitergeld werden für eine breite Mehrheit der Arbeitnehmer die negativen finanziellen Auswirkungen des wirtschaftlichen Lockdowns größtenteils aufgefangen. Nach Berechnungen der DZ Bank dürfte das Geldvermögen der privaten Haushalte im Jahr 2020 um 393 Milliarden Euro auf den Rekordwert von 7,1 Billionen Euro zugenommen haben. Allerdings verbleibt das Geld größtenteils einfach auf den Girokonten stehen und wird nicht angelegt.

Wohin mit meinem Geld?

Viele Investoren befinden sich im Anlagenotstand. „Wohin mit meinem Geld?“ ist die derzeit am häufigsten gestellte Frage von Investoren. Dabei ist die Anzahl der Deutschen, die in Aktien investieren in den letzten Monaten gestiegen. Die Corona-Krise hat der Aktienkultur in Deutschland zumindest nicht geschadet. Vor allem 15- bis 25-Jährige investierten in Wertpapiere. Dadurch hat sich die Aktionärsstruktur verjüngt. Allerdings liegt Deutschland im internationalen Vergleich immer noch auf einem der hinteren Plätze. Zu groß sind bei vielen Anlegern die Vorbehalte. Häufig ist auch nur ein sehr kleiner Teil des verfügbaren Vermögens in Aktien investiert. Denn gerade das Jahr 2020 war für Aktien ein Jahr der Extreme. Der deutsche Leitindex Dax war noch Anfang des Jahres auf einen Höchststand gestiegen, doch mit der sich zuspitzenden Corona-Krise stürzten die Börsen ab. Im März markierte der Dax ein Tief bei 8441,71 Punkten. Danach machte er rund zwei Drittel der Verluste wieder gut. Im Dezember erreichte er neue Rekorde und beendete das Jahr mit 13718,78 Punkten. Immerhin ein Jahresplus von rund 3,5 Prozent. Noch besser war die Entwicklung in den USA.

Engagement am Aktienmarkt lohnt sich

An vielen Anlegern ging diese positive Erholung der Märkte jedoch ungenutzt vorbei. Sie blieben an der Seitenlinie stehen und beobachteten die Entwicklung von außen. So mancher fühlte sich in seinen Vorurteilen bezüglich der Aktien bestätigt. Dass sich das Engagement am Aktienmarkt generell lohnt zeigt das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts, das die langfristige Entwicklung der Aktienanlage in deutsche Standardwerte abbildet. Mit breiter Streuung und langfristigem Anlagehorizont bietet die Aktienanlage überlegene Renditechancen, und die Risiken kurzfristiger Kursschwankungen lassen sich beherrschen. Im Gegensatz dazu verliert das in Sichteinlagen vermeintlich sicher geparkte Geld zunehmend an Wert.

Bedrohung durch Inflation

Vor allem die Inflation könnte sich zu einer Bedrohung entwickeln. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass mittel- und langfristig die Teuerungsrate wieder steigen wird. Die EZB rechnet mit jährlichen Steigerungen von etwa 1,3 Prozent im Euro-Raum. In Deutschland dürfte die Inflation 2021 stärker zulegen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prophezeit einen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,6 Prozent. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft stellt sich gar auf eine Inflationsrate von 2,6 Prozent ein. Alles noch keine bedrohlichen Inflationsraten. Aber mit der Inflation ist es wie mit Ketchup aus der Flasche. Man muss lange auf die Flasche klopfen, bis der Ketchup kommt. Aber wenn er kommt, dann ziemlich gewaltig.

„Der Kutscher findet die Zügel nicht“

Vor allem der frühere ifo-Präsident Prof. Hans-Werner Sinn warnt schon lange vor den Gefahren einer galoppierenden Inflation. Er gehört zu den bekanntesten Kritikern der Politik der EZB. In seiner Weihnachtsvorlesung beim Münchener Ifo-Institut im Dezember stellte Sinn den Zuhörern und Zuschauern das Bild des Kutschers vor, der die Zügel nicht findet. Die Notenbanken sitzen am Kutschbock, halten sogar die Zügel in der Hand. Doch die Zügel werden zu lang und die Notenbanker lassen sie am Boden schleifen. Aber auch die losen Zügel ermuntern die Pferde nicht in eine schnellere Gangart zu wechseln. Doch irgendwann fangen die Pferde an zu traben und kommt dann eine abschüssige Stelle, galoppieren sie. Bremsen ist dann für den Kutscher nicht mehr möglich. Die Zügel sind zu lang, den Pferden kann kein Einhalt mehr geboten werden. Für Prof. Sinn ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Geldentwertung durchschlägt. Der Nährboden für Inflation ist seiner Meinung nach durch die Politik der EZB in den letzten Jahren bereitet worden.

Aktien sind der beste Inflationsschutz

Allerdings gehört Prof. Sinn mit seinen Warnungen derzeit eher zu einer Minderheit. Ihm eilt der Ruf eines Untergangspropheten voraus. Die Mehrheit der Ökonomen ist beim Thema Inflation entspannter. Allerdings sollten vor allem die Anleger, die sich um Inflation und der Stabilität unseres Geldsystems sorgen, jetzt handeln. Statt das Geld auf dem Konto liegen zu lassen, sollten sie in Sachwerte investieren. Zu den liquiden Sachwerten gehören Aktien. In der Vergangenheit haben Aktien meistens sogar besser abgeschnitten, wenn die Inflation moderat stieg. Bei Inflationsraten zwischen vier und sechs Prozent sind Aktien der beste Inflationsschutz. Die meisten Beobachter rechnen für 2021 mit einem positiven Aktienumfeld. Bestraft werden vermutlich nur die Sparer, die falsch sparen.