Raus aus dem Tages- und Festgeld!

Die Inflation in Deutschland klettert auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren. Waren und Dienstleistungen waren im August durchschnittlich 3,9 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Im gesamten Euroraum sind die Verbraucherpreise um 3,0 Prozent gestiegen. In den kommenden Wochen dürfte die Inflationsrate Richtung fünf Prozent anziehen. Zeitgleich verkündete der amerikanische Notenbankchef in seiner Eröffnungsrede beim virtuellen Notenbanktreffen in Jackson Hole, das sich an der Geldpolitik nicht viel ändern wird.

Die finanzielle Repression nimmt Fahrt auf

Jerome Powell, der Chef der US-Notenbank Fed, schloss in seiner Rede eine überhastete Reaktion oder Änderung der Geldpolitik aufgrund der steigenden Inflation aus. Auf höhere Leitzinsen müssen die Amerikaner also noch lange warten. Für Europa gilt dies dann umso mehr. Die finanzielle Repression (schleichender Sparverlust) biegt auf die Zielgerade ein. Mit Ende der Finanzkrise hat die Gelpolitik neue Wege eingeschlagen. Zinsen wurde auf breiter Front gesenkt. Für deutsche Bundesanleihen bewegen sich die Zinsen fast aller Laufzeiten seit Jahren im negativen Bereich. Gleichzeitig versucht man die Inflation zu stimulieren.

Entschuldung durch Inflation

Die anziehende Inflation soll helfen sukzessive die Schuldenlast der Staatshaushalte zu entwerten. Entschuldung durch Inflation ist für Staaten eine elegante Methode sich der Schulden zu entledigen. Deutschland als Schuldner mit hoher Kreditwürdigkeit hat dabei aber einen besonderen Vorteil. Da die Bonität von allen großen Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet wird. Damit gilt die Rückzahlung der Schulden als sehr sicher. Durch die Besonderheiten der kameralistischen Buchführung verdient der Bund mit seinen Schulden Geld. In Zeiten von Minuszinsen, muss der Bund für seine Schulden nichts bezahlen. Im Gegenteil, der Bundesfinanzminister bekommt von seinen Gläubigern noch Geld dafür, dass sie ihm Geld leihen dürfen.

Gewinne durch Schulden

Eigentlich müsste der Zins-Kupon negativ sein. In der Praxis funktioniert das jedoch nicht. Der Aufwand jedes Jahr von Millionen von Anlegern den Zins einzuziehen ist zu groß. Deswegen werden die Bundesanleihen mit einem Kupon von null ausgestattet. Im Gegenzug müssen die Investoren beim Kauf der Papiere mehr bezahlen, als sie zum Laufzeitende zurückbekommen. Gibt der Bund jetzt eine zehnjährige Anleihe heraus, verkauft er diese zum Kurs von knapp 105 Prozent. Im Jahr 2031 zahlt er aber nur 100 Prozent zurück. Die Differenz zwischen dem Preis des Schuldenmachens und des Schuldenzurückzahlens streicht der Bund als Gewinn sofort ein. Eigentlich müsste der Zinsertrag über die gesamte Laufzeit von zehn Jahren gestreckt werden. Durch dieses Agio erzielte der Bundesfinanzminister in den letzten Jahren Zusatzerträge von mehreren Milliarden Euro pro Jahr.

Eine kalte Enteignung

Für konservative Sparer wirken die Negativzinsen allerdings wie eine Steuer auf Einlagen und Festgelder. Eine zusätzliche Belastung kommt durch das Verwahrentgeld, dass viele Banken bereits für Beträge ab 25.000 Euro eingeführt haben. Durch die Kombination von Negativzinsen, Verwahrentgeld und Inflation werden Anleger nicht nur kalt enteignet, sondern es stellt die Menschen auch vor große Probleme beim Sparen und bei der Altersvorsorge. Der Zins und damit der Zinseszinseffekt sind bei Zinspapieren quasi abgeschafft.

Die Sparweltmeister sparen sich arm

Zumindest wenn man sein Sparverhalten nicht den aktuellen Rahmenbedingungen anpasst. Zwar ist in den letzten Monaten die Zahl der Aktionäre auf den höchsten Stand seit fast 20 Jahren geklettert, trotzdem machen Aktien und Fonds nach wie vor nur einen Bruchteil des gesamten Geldvermögens der Privathaushalte aus. Der Mensch ist halt ein „Gewohnheitstier“ und ändert nur ungerne sein erprobtes Verhalten. Die Deutschen gelten als Sparweltmeister. In den letzten Jahren sparen sie sich allerdings arm. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Anteil des Geldvermögens, der auf Girokonten schlummert, fast verdreifacht, von 10 auf 28 Prozent. Allein im Jahr 2019 hat rechnerisch jeder Deutsche durch Inflation im Schnitt 380 Euro an Kaufkraft verloren. Dabei lag die Inflationsrate damals gerade mal bei knapp 1,5 Prozent.

Das Sparverhalten anpassen

Das Anlageuniversum der meisten deutschen Sparer besteht seit Generationen aus Bausparverträgen, Festgeldanlagen und mindestens einer Kapitallebensversicherung. Aktien werden nach wie vor von den meisten Sparern gemieden. Dieses Verhalten wird auch unbeirrt an die nächste Generation weitergegeben, komme was da wolle, egal wie sich die Welt um einen herum auch verändert. Wie sonst ist zu erklären, dass trotz Negativzinsen die meisten Sparer an Ihrem Festgeld und Tagesgeldanlagen festhalten. Der Absturz der als „Volksaktie“ angepriesenen Telekom-Papiere und das Platzen der New-Economy-Blase am Neuen Markt um die Jahrtausendwende viele Anleger nachhaltig negativ geprägt. Im letzten Jahr sorgte die Aktie von Wirecard für einen Skandal und einen Totalverlust bei vielen deutschen Kleinanlegern.

Raus aus dem Tages- und Festgeld!

Risiko und Rendite sind untrennbar miteinander verknüpft, und wer in Aktien investiert, muss bereit sein, Schwankungen im Vermögensaufbau auszuhalten. Berechnet man jedoch das Risiko einer Aktienanlage basierend auf historischen Daten, ist es schwer erklärbar, warum viele Menschen in Deutschland dieses Risiko komplett scheuen. Studien belegen immer wieder, dass sich langfristiges Sparen in Aktien in den vergangenen 50 Jahren in der Regel ausgezahlt hat. Leider erliegen jedoch immer noch viele Sparer der „Nominalwertillusion“. Das das Geld auf dem Tages- oder Festgeldkonto sicher angelegt ist, ist eine Illusion. „Nominal“, also ohne Einberechnung der Inflation, bleibt der Wert des Vermögens erhalten. Aber die Preise steigen. „Sicher“ ist derzeit nur, dass sich Sparer mit dem angelegten Geld in Zukunft weniger leisten können. Je stärker die Inflation steigt, je schneller schmilzt das Vermögen dahin. Es gibt nur einen Weg sein Kapital auch real zu erhalten: Raus aus dem Tages- und Festgeld.

LinkedIn 0
Print 0

Newsletter abonnieren