Das Jahr 2020 soviel ist jetzt schon sicher wird als das Corona-Jahr seinen Platz in den Geschichtsbüchern finden. Das Virus hinterlässt bleibende Spuren. Vieles hat sich durch Covid-19 verändert und so manches wird sicherlich auch bestehen bleiben, wenn das Virus irgendwann hoffentlich verschwunden oder harmlos ist. Homeoffice wird in vielen Bereichen sicherlich erhalten bleiben, Hygienegewohnheiten haben sich verbessert und viele Deutsche entdecken ihre neue Lust am Risiko und haben ihr Sparverhalten geändert. Gerade junge Menschen zeigen sich überraschend offen für die Anlage in Aktien und Fonds. Experten sprechen schon von einer „Generation Sparplan“.

Rekordstände bei den Depoteröffnungen

Im ersten Quartal haben die Finanzmärkte durch das Virus einen historischen Einbruch erlitten. Trotz dieser bedrohlichen Ausgangslage haben Anleger in Deutschland so viele Aktien erworben wie seit mehr als einer Dekade nicht mehr. Im gesamten ersten Halbjahr kam es zu einem Boom im Wertpapierhandel. Die großen Banken meldeten Rekord-Umsätze an den Börsen. Auch die Neueröffnungen von Depots erreichten bei vielen Instituten Rekordwerte. Diese neue Aktienliebe der Deutschen überrascht und ist derzeit in Europa einzigartig. Die europäischen Nachbarn waren in gleichen Zeitraum wesentlich zurückhaltender. Allerdings ist dort die Quote der Aktienbesitzer auch generell höher.

Eine Finanz-Revolution?

Der plötzliche Sinneswandel beim Vermögensaufbau kam gerade rechtzeitig und wurde belohnt. Wer zum Tiefpunkt im ersten Quartal eingestiegen ist, konnte bereits im zweiten Quartal von der kräftigen Kurserholung profitieren. Das dritte Quartal läuft an den Börsen ebenfalls mehr als erfreulich. Der Dax hat mittlerweile die 13.000 Punkte Schwelle wieder übersprungen. Experten gehen davon aus, dass das Finanzvermögen der Deutschen mittlerweile auf den Rekordwert von 6,55 Billionen Euro angewachsen ist. Offensichtlich findet derzeit bei vielen jungen Anlegern ein dramatischer Umdenkungsprozess statt. Bausparverträge oder Kapitallebensversicherungen, in der Vergangenheit für viele Anleger für die Altersvorsorge das Maß aller Dinge, scheinen endlich ausgedient zu haben. Plötzlich schließen junge Leute in großem Stil Wertpapier-Sparpläne ab. Beobachter sprechen schon von einer Finanz-Revolution.

Mit Zinsanlagen ist nichts mehr zu verdienen

Nach fast 10 Jahren konstanter Niedrigzinsphase ist vielen Anlegern auch in Deutschland klar geworden, dass mit deutschen Zinsanlagen auf absehbarer Zeit nichts mehr zu verdienen ist. Es scheint fast so, als wenn viele Anleger regelrecht auf den Einbruch der Märkte gewartet haben, um endlich in Aktien und Fonds zu investieren. Häufig wurde der Grundstein mit einer Einmalanlage gelegt. Der Zeitpunkt im ersten Quartal war perfekt gewählt. Für den weiteren Aufbau ihres Vermögens setzen jetzt immer mehr Anleger auf einen Sparplan. Der ideale Weg, um langfristig Vermögen aufzubauen. Sparpläne haben den Vorteil, dass regelmäßig ein bestimmter Betrag an der Börse investiert wird. Denn mit einem Sparplan umgehen Anleger das Timing-Problem. Sie steigen nie zum falschen Zeitpunkt in den Aktienmarkt ein, sondern bauen durch mehrere Hochs und Tiefs hinweg kontinuierlich Vermögen auf.

Der Cost-Average-Effekt

Der größte Vorteil eines Sparplanes ist der sogenannte Durchschnittskosteneffekt (Cost-Average-Effekt). Dieser lässt Anleger ruhig schlafen. Denn dadurch werden bei niedrigen Börsenkursen mehr Anteile erworben und umgekehrt. Das Risiko eines Kaufs zum falschen Zeitpunkt wird damit weitgehend eliminiert. Mit einem Sparplan, der die Wiederanlage der Erträge vorsieht, lassen Anleger zusätzlich den Zinseszinseffekt für sich arbeiten. Die langfristige Aktienrendite zugrunde gelegt, werden aus 100 Euro, die über einen Zeitraum von 20 Jahren Monat für Monat eingezahlt werden, am Ende immerhin rund 48.000 Euro. In dieser Zeit können Sparer ihr eingezahltes Kapital verdoppeln.

Mit einem Sparplan zum Millionär

Rechnerich ist es sogar möglich, mit einem reinem Sparplan Millionär zu werden. Wer monatlich 500 Euro in Aktien oder Aktienfonds investiert, hat es nach 37 Jahren geschafft und kann stolz auf ein Vermögen von einer Million blicken. Wer 750 Euro im Monat ansparen kann, kann sich statistisch gesehen bereits in 32 Jahren glücklich Millionär nennen. Solche Berechnungen sind immer abhängig von der jeweiligen Besteuerung, der Kosten und der angenommenen durchschnittlichen Wertentwicklung. Langfristig setzen Experten diese bei 8 bis 9 Prozent pro Jahr an. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts liegt die durchschnittliche Rendite bei einer 20-jährigen DAX-Anlage beispielweise bei 8,9 Prozent pro Jahr.

Keine Angst vor großen Zahlen

Mittlerweile haben sich die meisten großen Aktienindizes wieder von ihren Tiefständen erholt. Teilweise haben manche Indizes auch schon wieder neue Rekordstände erreicht. Der Nasdaq 100 eilt von einem Allzeithoch zum nächsten. Bereits am 04. Juni erreichte der große Technologieindex sein erstes Allzeithoch nach dem Corona Einbruch. Optisch hohe Indexstände haben leider für viele Anleger immer noch etwas Bedrohliches. Dabei ist zu viel Respekt vor der großen Zahl ein Fehler. Grundsätzlich sollte eine Investition in Aktien immer langfristig erfolgen. Vor allem die Kombination aus Einmalanlage und Sparplan ist dann für viele Investoren der Königsweg. Bei der „Generation Sparplan“ scheint der Knoten endlich geplatzt zu sein. Aber auch für die Generation „Baby Boomer“ ist es noch lange nicht zu spät. Für eine gute Investition ist es immer der richtige Zeitpunkt und wer einen Sparplan nutzt muss sich um das Timing sowieso keine Gedanken machen.