Das Schöne an Inflation ist…

Das Schöne an Inflation ist, dass dann die Zahl der Millionäre steigt. Diesen Effekt kann man gerade in Venezuela beobachten. Dort wurde am 1. Mai der neue monatliche Mindestlohn verkündet. Er wurde um 288,8 Prozent erhöht und beträgt nun sieben Millionen Bolívares statt 1,8 Millionen Bolívares. In dem sozialistischen Staat sind sogar die Mindestlohnempfänger Millionäre. Seit Jahren wütet die galoppierende Inflation in dem südamerikanischen Land. Menschen transportieren Banknoten bereits in Sporttaschen. Statt das Geld zu zählen, werden die Geldbündel häufig nur noch gewogen.

Wiederholt sich die Katastrophe?

Es ist jetzt schon 100 Jahre her, als das Deutsche Reich das Venezuela von Europa war. Die deutsche Inflation von 1914 bis November 1923 war eine der radikalsten Geldentwertungen unter den großen Industrienationen. Die Hyperinflation dieser Zeit hat sich offensichtlich tief in das nationale Bewusstsein eingebrannt. Zum Ende lag die Preissteigerung bei 25.500 Prozent im Monat. Im Schnitt wurde alles, vom Frühstücksei über Seife bis zur Kinokarte, pro Tag um 21 Prozent teurer. Aktuell liegt die Inflationsrate in Deutschland bei ca. 2 Prozent. Tendenz leicht steigend. Dennoch befürchtet ein nennenswerter Teil der Bevölkerung, dass sich die historische Katastrophe von damals wiederholen könnte. Die Angst vor der Inflation treibt mittlerweile vielen Anlegern den Angstschweiß auf die Stirn.

Nur Bares ist Wahres

Zu Recht, wenn man sieht, wie die immer noch große Mehrheit der Deutschen ihr Geld anlegt. Nur Bares ist Wahres scheint das Fundament der Anlagestrategie von vielen Sparern zu sein. Geld wird gebunkert, auf Sparbüchern, auf Tages- und Festgeldkonten, in Bankschließfächern und mittlerweile auch bei vielen wieder im heimischen Tresor. Auf der Suche nach dem positiven Zins weicht so mancher auch mutig auf Banken in osteuropäischen Ländern aus. Im festen Vertrauen auf die europäische Mindesteinlagensicherung überweist man Geld auf Banken, deren Namen man kaum fehlerfrei aussprechen kann. Dabei reichen aber auch die dort versprochenen 1 bis 1,5 Prozent Zinsen nicht aus, die derzeitige Inflation aufzufangen. Die Insolvenz der Greensill Bank vor einigen Wochen zeigt dann auch wo die Risiken häufig liegen.

Die Preise ziehen merklich an

Seit einiger Zeit ist die steigende Teuerungsrate wieder auf der Tagesordnung. Vor allem in den USA ziehen die Preise merklich an. Im April sind die Verbraucherpreise um 4,2 Prozent gestiegen, nach 2,6 Prozent im Vormonat. Aber auch in Deutschland machen sich in den letzten Wochen Preissteigerungen an der Supermarktkasse bemerkbar. Nahrungsmittel kosteten 1,9 Prozent mehr. Getreide, Gemüse und Obst kosten deutlich mehr als vor einem Jahr. Für Obst muss man sogar fast 30 Prozent mehr hinlegen. Die Inflation ist im April auf zwei Prozent gestiegen. So hoch lag der Wert letztmals im April 2019. Die Inflation könnte nach Einschätzung von EZB-Direktorin Isabel Schnabel in Deutschland kurzfristig über die Marke von drei Prozent springen. Auch die Börsen reagierten. Auf einmal standen Zinserhöhungsfantasien im Raum. Höhere Zinsen sind jedoch Gift für Aktien. Vor allem Wachstumstitel korrigierten etwas und verloren an Wert.

Die Notenbanken bleiben entspannt

Die Notenbanken blieben in dieser Zeit allerdings entspannt und beschwichtigen. Der Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, bezeichnete die deutlich gestiegene Inflation als „vorübergehend“. Viele Beobachter begründen die Preissteigerungen mit den Störungen in den Lieferketten durch die Covid-19 Pandemie. Hinzu kommt der Boom in China, der zu Preiserhöhungen bei Eisenerz, Kupfer, Öl, Bauholz und anderen Rohstoffen geführt hat. Die Preise von Rohstoffen erreichen Rekordhöhen, Kupfer ist in den vergangenen zwölf Monaten um 40 Prozent gestiegen, ähnliches gilt für Eisenerz oder Bauholz. Die Automobilindustrie muss ihre Produktion zurückfahren, weil Chips und Rohstoffe knapp sind. Die Preise für Gebrauchtwagen in den USA stiegen im April innerhalb eines Monats um zehn Prozent.

Aktien schützen vor Inflation

In den letzten 30 Jahren hatten alle unrecht die sagten, die Inflation werde wiederkommen. Die meisten Beobachter rechnen auch jetzt nur mit einem vorübergehenden Inflationsschub. Allerdings kann dieser konservativen Anlegern durchaus weh tun. Inflationsraten jenseits der 2 Prozent knabbern merklich am schlecht verzinsten Termingeld. Ob in einem solchen Szenario Immobilien, Gold oder Kryptowährungen der richtige Ausweg sind, sei dahingestellt. Aktien dagegen schützen erwiesenermaßen vor Geldentwertung.  In den zurückliegenden 60 Jahren lag die durchschnittliche deutsche Inflationsrate bei 2,5 Prozent p.a.. In dieser Zeit haben Investoren mit deutschen Aktien rund sechs Prozent p.a. erwirtschaftet. In den USA lag die jährliche Rendite von Aktien in der Vergangenheit sogar bei rund zehn Prozent. Solange die Niedrigzinsphase anhält sorgt die Inflation für zusätzlichen Rückenwind bei den Kursen. Bei ausreichend langen Anlagehorizont bleiben Aktien erste Wahl. Die Inflation der Vermögenspreise hat bereits jetzt dazu geführt, dass die Zahl der Millionäre weltweit deutlich gestiegen ist. Die Millionäre aus Venezuela tauchen in dieser Statistik allerdings nicht auf.

 

 

 

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