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  string(6495) "Je älter der Anleger, desto sicherer sollte er anlegen, sagt eine weit verbreitete Anlegerweisheit. Beliebt ist die Faustformel, wonach die richtige Aktienquote 100 minus Lebensalter beträgt. Diese erscheint intuitiv logisch, denn angewendet sinkt die Quote schwankungsintensiver Anlageformen wie etwa Aktien am Gesamtvermögen mit zunehmendem Alter. Für einen angehenden Rentner von 65 Jahren würde dies eine maximale Aktienquote von 35 Prozent, im hohen Alter von 85 Jahren dann aber nur noch 15 Prozent bedeuten. Wer sich an diese Regel gehalten hat und zu einem älteren Jahrgang gehört, wird dieser Tage mit Entsetzen auf sein Depot blicken. Denn die Zinswende hat zu einem „Massaker am Rentenmarkt“ geführt. Teilweise brachen die Anleihenkurse zweistellig ein. Auch der Aktienmarkt geriet im laufenden Jahr unter Druck. Allerdings hielten sich robuste Qualitätsaktien vergleichsweise gut.

Das Alter ist bedeutungslos

In vielen Alltagsbereichen geben Faustformeln eine grobe Orientierung. Bei der privaten Geldanlage greifen sie jedoch häufig zu kurz. Denn ein allgemeingültiges Rezept für die richtige Risikostreuung gibt es nicht. Zu individuell sind die Anlageerfahrungen, die Zielsetzungen der Anlage und vor allem die persönliche Risikoeinstellung. Das Lebensalter dagegen ist bei dieser Frage fast bedeutungslos. Denn wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann spricht auch für einen 85-jährigen Anleger nichts gegen eine hohe Aktienquote. Ganz im Gegenteil, in dem Zinsumfeld der letzten Jahre war diese sogar notwendig, um das Vermögen langfristig zu erhalten. Denn langfristig gibt es keine ertragreichere Anlage als Aktien. Langfristig liegt die Rendite im Schnitt zwischen sechs und acht Prozent. Mit globalen Staatsanleihen, Gold oder Immobilien waren es langfristig betrachtet, aber durchschnittlich nur rund ein bis zwei Prozent pro Jahr. Die Inflation wird im laufenden Jahr vermutlich oberhalb von sieben Prozent liegen.

Die Zeit ist der Freund des Anlegers

Das bei deutschen Anlegern vermeintlich schlechte Image der Aktie hängt mit der Schwankung (Volatilität) der Kurse zusammen. Diese wird von vielen als zu risikoreich empfunden. Laut einer Untersuchung des Deutschen Aktieninstituts liegt die Wahrscheinlichkeit, dass es bei einem Aktieninvestment auf Sicht von zwölf Monaten zu einem Verlust kommt, bei immerhin 28 Prozent. Allerdings nimmt diese Verlustwahrscheinlichkeit mit zunehmender Haltedauer immer weiter ab. Gleichzeitig nimmt die Wahrscheinlichkeit Gewinne zu erzielen stetig zu. Nach zehn Jahren zum Beispiel liegt die Verlustwahrscheinlichkeit nur noch bei fünf Prozent, nach 15 Jahren nahe null Prozent. Das bedeutet, je länger der Anlagehorizont eines Anlegers, desto eher eignen sich Aktien als renditestarke Kapitalanlage.

Steigende Lebenserwartung hilft

Die durchschnittliche Lebenserwartung ist in Deutschland in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen. Frauen, die heute 65 Jahre alt sind, haben im Durchschnitt noch eine Lebenszeit von über 23 Jahren vor sich, bei Männern sind es etwas mehr als 18 Jahre. Zeit genug, um zwischenzeitlich selbst starke Verluste bei Aktien noch aussitzen zu können. Denn auch dazu existieren aktuelle Untersuchungen. Demnach dauerte es bei einer Einmalanlage, unabhängig vom Einstiegszeitpunkt, nie länger als etwa zwölf Jahre, bis die Verluste wieder aufgeholt waren. Selbst wer zum Hochpunkt im Jahr 2007 in den Dax eingestiegen war, der lag schon 2013 wieder im Plus. Allerdings gibt es eine Einschränkung. Viele Rentner sind auf laufende Entnahmen aus dem angelegten Kapital angewiesen. Ein Einbruch von 50 Prozent oder gar mehr unmittelbar nach Beginn des Ruhestands, trifft ein Portfolio mit einem vergleichsweise hohen Aktienanteil hart. Von solch einem Rückschlag kann es sich kaum noch erholen. Vor allem dann nicht, wenn die Aktienquote nach der gängigen Meinung kontinuierlich abgesenkt wird.

Welche Aktienquote für Rentner ist optimal?

Der US-amerikanische Finanzwissenschaftler Prof. Wade Pfau und sein Co-Autor Michael Kitces haben untersucht, welche Aktienquote für Rentner optimal ist, die dem Vermögen per Auszahlplan eine Rente entnehmen. Das Ergebnis der Studie überraschte. In der überwältigenden Mehrheit der Fälle ist nicht eine zunächst hohe und dann allmählich sinkende Aktienquote ratsam, damit das Geld tatsächlich bis zu 40 Jahre reicht. Das Gegenteil wäre optimaler gewesen. Die Simulation zeigte eindrucksvoll, dass es günstiger ist, mit einem vergleichsweise niedrigen Aktienanteil von lediglich 20 Prozent in den Ruhestand zu starten und diesen Anteil dann Jahr für Jahr zu steigern. Dadurch wird das Risiko, sofort nach der Investition bei einem Einbruch im Aktienmarkt hohe Verluste zu erzielen, reduziert. Umgekehrt fallen nach einigen guten Aktienjahren mögliche Einbrüche nicht mehr so stark ins Gewicht.

Es wirkt der Durchschnittskosteneffekt

Bei Entnahmeplänen wirkt auch der Durchschnittskosteneffekt. Dieser ist vor allem bei Fondssparplänen bekannt. Wer jeden Monat einen bestimmten Betrag in einen Investmentfonds investiert, kauft automatisch bei tiefen Kursen viele Anteile und bei hohen nur wenige. Dadurch verhält man sich als Anleger optimal antizyklisch. Der gleiche Effekt tritt bei Entnahmeplänen auf. Dabei allerdings wirkt der Entnahmeplan prozyklisch und damit ungünstig. Wer jeden Monat einen fixen Betrag bei zugleich schwankenden Kursen aus seinem Portfolio entnimmt, verkauft auch bei niedrigen Kursen besonders viele Anteile und bei hohen Kursen besonders wenige. Durch die gleichzeitig steigende Aktienquote kontert man dann diesen vermögenszehrenden Effekt. Es ist also wichtig, mit zunehmendem Alter seinen Aktienanteil graduell und stetig zu erhöhen.

Aktien – Keine Frage des Alters

Die langanhaltende Niedrigzinsphase der letzten Jahre hat dazu geführt, dass die Zahl der Aktionäre auch in Deutschland gestiegen ist. Vor allem die junge Generation hat in den letzten Jahren zunehmend auf die Aktie gesetzt. Aber immer noch sind das Sparbuch und vermeintlich sichere Tagesgeldkonten weit verbreitet. Mehr als eine Liquiditätsvorsorge für unerwartete Notfälle sollte man dort allerdings nicht parken. Wer auf eine ausreichend breite regionale und sektorale Streuung der Aktien achtet, wird langfristig mit einem Aktiendepot wenig falsch machen. Egal ob jung oder alt, denn eine Investition in Aktien ist keine Frage des Alters." ["post_title"]=> string(33) "Aktien – Keine Frage des Alters" ["post_excerpt"]=> string(0) "" ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(29) "aktien-keine-frage-des-alters" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2022-09-06 18:04:47" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2022-09-06 16:04:47" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(36) "https://portfolio-concept.de/?p=9412" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" }

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Steigende Lebenserwartung hilft

Die durchschnittliche Lebenserwartung ist in Deutschland in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen. Frauen, die heute 65 Jahre alt sind, haben im Durchschnitt noch eine Lebenszeit von über 23 Jahren vor sich, bei Männern sind es etwas mehr als 18 Jahre. Zeit genug, um zwischenzeitlich selbst starke Verluste bei Aktien noch aussitzen zu können. Denn auch dazu existieren aktuelle Untersuchungen. Demnach dauerte es bei einer Einmalanlage, unabhängig vom Einstiegszeitpunkt, nie länger als etwa zwölf Jahre, bis die Verluste wieder aufgeholt waren. Selbst wer zum Hochpunkt im Jahr 2007 in den Dax eingestiegen war, der lag schon 2013 wieder im Plus. Allerdings gibt es eine Einschränkung. Viele Rentner sind auf laufende Entnahmen aus dem angelegten Kapital angewiesen. Ein Einbruch von 50 Prozent oder gar mehr unmittelbar nach Beginn des Ruhestands, trifft ein Portfolio mit einem vergleichsweise hohen Aktienanteil hart. Von solch einem Rückschlag kann es sich kaum noch erholen. Vor allem dann nicht, wenn die Aktienquote nach der gängigen Meinung kontinuierlich abgesenkt wird.

Welche Aktienquote für Rentner ist optimal?

Der US-amerikanische Finanzwissenschaftler Prof. Wade Pfau und sein Co-Autor Michael Kitces haben untersucht, welche Aktienquote für Rentner optimal ist, die dem Vermögen per Auszahlplan eine Rente entnehmen. Das Ergebnis der Studie überraschte. In der überwältigenden Mehrheit der Fälle ist nicht eine zunächst hohe und dann allmählich sinkende Aktienquote ratsam, damit das Geld tatsächlich bis zu 40 Jahre reicht. Das Gegenteil wäre optimaler gewesen. Die Simulation zeigte eindrucksvoll, dass es günstiger ist, mit einem vergleichsweise niedrigen Aktienanteil von lediglich 20 Prozent in den Ruhestand zu starten und diesen Anteil dann Jahr für Jahr zu steigern. Dadurch wird das Risiko, sofort nach der Investition bei einem Einbruch im Aktienmarkt hohe Verluste zu erzielen, reduziert. Umgekehrt fallen nach einigen guten Aktienjahren mögliche Einbrüche nicht mehr so stark ins Gewicht.

Es wirkt der Durchschnittskosteneffekt

Bei Entnahmeplänen wirkt auch der Durchschnittskosteneffekt. Dieser ist vor allem bei Fondssparplänen bekannt. Wer jeden Monat einen bestimmten Betrag in einen Investmentfonds investiert, kauft automatisch bei tiefen Kursen viele Anteile und bei hohen nur wenige. Dadurch verhält man sich als Anleger optimal antizyklisch. Der gleiche Effekt tritt bei Entnahmeplänen auf. Dabei allerdings wirkt der Entnahmeplan prozyklisch und damit ungünstig. Wer jeden Monat einen fixen Betrag bei zugleich schwankenden Kursen aus seinem Portfolio entnimmt, verkauft auch bei niedrigen Kursen besonders viele Anteile und bei hohen Kursen besonders wenige. Durch die gleichzeitig steigende Aktienquote kontert man dann diesen vermögenszehrenden Effekt. Es ist also wichtig, mit zunehmendem Alter seinen Aktienanteil graduell und stetig zu erhöhen.

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Die langanhaltende Niedrigzinsphase der letzten Jahre hat dazu geführt, dass die Zahl der Aktionäre auch in Deutschland gestiegen ist. Vor allem die junge Generation hat in den letzten Jahren zunehmend auf die Aktie gesetzt. Aber immer noch sind das Sparbuch und vermeintlich sichere Tagesgeldkonten weit verbreitet. Mehr als eine Liquiditätsvorsorge für unerwartete Notfälle sollte man dort allerdings nicht parken. Wer auf eine ausreichend breite regionale und sektorale Streuung der Aktien achtet, wird langfristig mit einem Aktiendepot wenig falsch machen. Egal ob jung oder alt, denn eine Investition in Aktien ist keine Frage des Alters.

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