Marktkommentar zum 1. Quartal 2021

Rückblick

Der Corona Virus hat im vergangenen Jahr die Weltbevölkerung mit einer der größten Herausforderungen seit dem zweiten Weltkrieg konfrontiert. Zum Schutz der Bevölkerung wurde die persönliche Freiheit eingeschränkt und die Wirtschaft binnen kürzester Zeit runtergefahren. Die Auswirkung der Pandemie auf die Wirtschaft hat dazu geführt, dass 2020 eines der wachstumsschwächsten Jahre für die Volkswirtschaft seit über 70 Jahren war. Lediglich die Volksrepublik China konnte sich diesem Trend entziehen.

Die Aktienmärkte erlitten Ende Februar und im März den schnellsten Kursrückgang aller Zeiten. Binnen weniger Wochen verloren die Leitindizes nahezu 50 Prozent  Ihres Wertes. Erst nach massiven Unterstützungsmaßnahmen von Notenbanken und Regierungen konnten sich, für viele überraschend, die Kapitalmärkte sehr schnell erholen. Die Aussicht auf nahezu unbegrenzte Liquiditätsspritzen der globalen Notenbanken sowie die fiskalischen Rettungspakete der Regierungen und der EU begründeten die rasante Aufholjagd. Selten war in der Vergangenheit eine so ausgeprägte Kooperation zwischen Fiskal- und Geldpolitik zu beobachten.

Allerdings differenzierten Anleger bei der ab Mitte März eingetretenen Rallye stark. Die unumkehrbare und rasante Digitalisierung, die bei vielen Unternehmen binnen weniger Wochen umgesetzt wurde, begründete die deutliche Outperformance von Technologiewerten. Homeoffice und Online-Shopping werden auch nach der Pandemie unser Leben prägen. Auch Gesundheitsaktien profitierten im vergangenen Jahr, wohingegen Reiseunternehmen, Banken und zyklische Konsumwerte zu den deutlichen Verlierern des vergangenen Jahres zählten.

Im November beflügelten gleich zwei Ereignisse die globalen Märkte und führten zu neuen Höchstständen einiger Aktienindizes. Die knappe Abwahl Trumps ließ Anleger darauf hoffen, dass Amerika wieder ein verlässlicher Partner in geopolitischen und handelstechnischen Fragen sein wird. Noch gravierender als das Wahlergebnis in den USA waren die erfolgreichen Studienergebnisse der Corona-Impfstoffe von Biontech und Moderna und die darauffolgenden Zulassungen durch die Gesundheitsbehörden. Mit Ausblick auf die wirksame Impfung der Bevölkerung erholten sich ab November insbesondere jene Aktien, die zuvor am heftigsten gelitten hatten.

Quelle: VWD, die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Ausblick

Der Balanceakt aus Sicherung der öffentlichen Gesundheit, Wahrung der persönlichen Freiheit und Rückkehr zu einer intakten Wirtschaft wird in diesem Jahr im Fokus stehen. Die Rückkehr in eine neue Normalität hängt stark von der Verfügbarkeit des Impfstoffes ab. Für die zukünftige Entwicklung der Aktienmärkte sowie die Kursentwicklung individueller Unternehmen ist ebenfalls die Verfügbarkeit und die Wirksamkeit des Impfstoffes entscheidend.

Sollte dies der Fall sein, werden auch die ambitionierten Wachstumsprognosen der Wirtschaftsinstitute und Investmentbanken eintreffen. Erneute länger anhaltende nationale oder gar internationale Lockdowns über die dunkle Jahreszeit hinaus werden die Prognose der Volkswirte ad absurdum führen und die Aktienkurse belasten.

Viele Anleger fragen sich, wie Aktienkurse an Ihren Allzeithochs und dementsprechend höhere Bewertungen mit der sich weiter zuspitzenden Corona Pandemie und der dadurch versurachten Rezession zusammenpassen. Dafür ist zunächst ein Blick auf den Rentenmarkt notwendig. Zur Finanzierung der sozialen und wirtschaftlichen Hilfspakete haben die Regierungen die Neuverschuldung deutlich gesteigert (11% des globalen BIP). Zeitgleich haben die fünf größten Notenbanken 5 Bio. USD Liquidität geschaffen. Sowohl die Regierungen als auch Notenbanken haben signalisiert auch zukünftig unterstützende Maßnahmen einzusetzen. Die Zinsen werden also global und insbesondere in Europa noch längerfristig niedrig bleiben. Dies belegt auch der Blick auf die Zinsstrukturkurve, die die Verzinsung von Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten verdeutlicht. Die Verzinsung deutscher Staatsanleihen ist bis inklusive 30 Jahre Laufzeit negativ.

Der fehlende Zins für sichere Anlagen steigert die Attraktivität von Aktien und rechtfertigt somit höhere Bewertungen und Aktienkurse. Am 18. Dezember äußerte sich der US-Notenbank Chef, Jerome Powell, zur Bewertung der Aktienmärkte gemessen am Kurs-Gewinn Verhältnis (im englischen Price-Earnings Ratio „P/E“).

„If you look at P/Es, they’re historically high. But in a world where the risk-free rate is going to be low for a sustained period, the equity premium, which is really the reward you get for taking equity risk, would be what you’d look at. And that’s not at incredibly low levels, which would mean that they’re not overpriced in that sense.“

Wie gehts weiter mit den US-Technologiewerten?

Wie bereits erwähnt war der Technologiesektor der große Gewinner des vergangenen Jahres, da die Pandemie als Beschleuniger der Digitalisierung wirkte. Die fünf größten US-Technologiewerte (Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet (Google), und Facebook) machen mittlerweile rund 13 Prozent des MSCI Welt Index aus. Ihre Marktkapitalisierung ist somit größer als die der Volksrepublik China. Der Sektor wird weiterhin von der anhaltenden Digitalisierung, dem E-Commerce, dem Cloud-Computing und durch den Start der 5G Technologie profitieren. Dennoch könnten mögliche Kartelluntersuchungen oder neue Regulierungen Auswirkungen auf den Aktienkurs haben.

Good old Europe

Global betrachtet sehen wir außerhalb der USA Aufholpotenzial. Die US-Börsen haben im vergangenen Jahr erneut besser abgeschnitten als die Indizes aus Europa oder den meisten Schwellenländern. Eine Ausnahme stellte China dar, deren Wirtschaft auch im vergangenen Jahr wuchs. Seit November zeichnet sich eine Umkehr von dem vorher anhaltenden Trend ab. Die zuvor stark abgestraften europäischen Unternehmen wurden wegen der Meldung des Impfstoffes nachgefragt. Die deutlich günstigere Bewertung diesseits des Atlantiks und der Ausblick auf stärkeres Gewinnwachstum, da wir von einem deutlichen niedrigeren Niveau kommen, begründet das Aufholpotenzial in Europa. Die Nachzügler aus dem letzten Jahr sollten die Outperformer dieses Jahres werden. Zudem bieten Aktien aus Großbritannien Potential, die wegen der Unsicherheit über den Ausgang des Brexits von Anlegern in den vergangenen Monaten und Jahren gemieden wurden.

Zudem sollten die Aktienmärkte aus den Schwellenländern von dem globalen Wirtschaftswachstum und den Ausblick auf stabilere politische Beziehungen mit den USA profitieren. Insbesondere gilt dies für Asien, wo Unternehmen von langfristigen Trends gewinnen. Dort werden viele Produkte produziert, auf die wir bei der Digitalisierung, dem Ausbau des 5G Netzes und den ehrgeizigen Zielen der nachhaltigeren Energiegewinnung nicht verzichten können (EU: Reduktion des CO2 Ausstoß um 50 Prozent bis 2030 und Klimaneutralität bis 2050). Neben Schwellenländern erkennen wir bei mittelgroßen Unternehmen Chancen dieses Jahr besser als die traditionellen Blue-Chips abzuschneiden.

Quelle: VWD, die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Notenbanken stabilisieren Anleihen

Die Corona-Pandemie hat kurzfristig das Risikobewusstsein bei Anlegern zurückgebracht. Anleihen von Staaten und insbesondere Unternehmen wurden im März verkauft, da das Ausfallsrisiko sehr präsent wurde. Durch das konsequente Einschreiten der Notenbanken dauerte diese Phase jedoch nur kurzfristig an. Heute sind die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen und sogar Hochzins- und Schwellenländeranleihen nicht mehr weit von den Vorkrisenniveaus entfernt. Rentenpapiere bieten Anlegern nur geringe Erträge, dafür aber Stabilität, da die Notenbanken als treuer Käufer der Papiere die Kurse stabilisieren. Ein Ende dieses Kaufprogramms ist in Europa nicht abzusehen. Sollte sich die Konjunktur nicht so positiv entwickeln, wie von den meisten Anlegern aktuell erwartet, dann sollten Anleihen die Depots stabilisieren. Dies ist die Belohnung für den Renditeverzicht gegenüber der Anlageklasse Aktien.

Gold

Der Goldpreis ist im vergangenen Jahr um über 25 Prozent gestiegen. Obwohl wir für das kommende Jahr nicht mehr mit einer solchen Preissteigerung rechnen, halten wir an unserer strategischen Goldposition fest, da das Edelmetall einen Schutz für geopolitische Risiken und steigende Inflation bietet. Und solange es bei Anleihen kaum Renditen gibt, sind die Opportunitätskosten für das Halten des Edelmetalls sehr gering. Zyklisch bedingt sind die Preise von Energierohstoffen günstiger und sollten bei wachsender Wirtschaftsleistung auch wieder steigen. Sowohl bei Edelmetallen als auch bei sonstigen Rohstoffen ist der Effekt des USD Wechselkurses nicht zu unterschätzen. Im vergangenen Jahr ist der US -Dollar gegen den Euro um 9 Prozent gefallen. Dies reduziert die Rendite von in USD gehalten Anlagen, wie Aktien und Rohstoffen. Für das kommende Jahr rechnen wir mit einem moderaten Anstieg des Euro gegen den Greenback.

Fazit

Es wäre vermessen in der aktuellen wirtschaftlichen und Corona-geprägten Lage deutliche Kursanstiege wie wir sie seit April gesehen haben zu erwarten. Aber wir gehen davon aus, dass die Sicherung der öffentlichen Gesundheit im Verlauf des Jahres gelingen wird und sich die deutlich geschwächte Wirtschaft erholen wird. Die Fiskalpolitik der Regierungen und die Geldpolitik der Notenbanken werden alles dazu beitragen, dass der wirtschaftliche Aufschwung in 2021 und 2022 gelingen wird. Die Renditen bei Anleihen bleiben gering, dafür aber bietet die Anlageklasse Stabilität. Der Ausblick auf anhaltend niedrige Zinsen rechtfertig zugleich höhere Bewertungen von Aktien. Die Unternehmen und Sektoren, die im vergangenen Jahr profitieren konnten, haben wegen des beeindruckenden Wachstums eine deutliche Bewertungsprämie aufgebaut. Sollte in den kommenden Monaten die Wachstumsbelebung der Wirtschaft gelingen, erkennen wir bei günstig bewerteten Substanztiteln und der ins Hintertreffen geratenen Region Europa Aufholpotenzial. Höchsten Wert legen wir weiterhin auf eine breite Diversifikation der Anlageklassen und innerhalb der jeweiligen Anlagekategorien, um auch im kommenden Jahr stabile Renditen zu erwirtschaften.

 

 

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