Sind Frauen die besseren Anleger?

Eigentlich ist der Ruhestand ein Ereignis auf den man sich freut. Endlich das Leben genießen, Zeit zu haben für die schönen Dinge im Leben. Für viele Menschen ist die Aussicht auf das Ende der Erwerbstätigkeit jedoch nicht von Vorfreude geprägt, sondern von Sorge, Angst und sogar Panik. Denn immer mehr zukünftige Rentner in Deutschland sind von Altersarmut bedroht. Besonders oft sind es Frauen, deren Rente einfach nicht zum Leben reicht. Die Gründe sind vielfältig. Häufig wird die Erwerbstätigkeit für die Kindererziehung viele Jahre unterbrochen. Sie arbeiten öfter in Teilzeit und sind generell häufiger in Berufen tätig, die schlechter bezahlt werden. Als Ergebnis bekommen Frauen im Schnitt nur halb so viel Rente wie Männer. Die „Gender Pension Gap“ liegt ziemlich stabil bei 53 Prozent. Zusätzlich scheinen viele Frauen das Thema des privaten Vermögensaufbaus lange zu vernachlässigen. Statistisch gesehen fangen Frauen zehn Jahre später als Männer damit an, sich ein eigenes Vermögen aufzubauen. Im Durchschnitt sind sie Ende 20 während Männer bereits mit Anfang 20 fürs Alter vorsorgen.

Die Ehe ist für Frauen ein Armutsrisiko

Vor allem die Ehe ist für viele Frauen nach wie vor ein großes Armutsrisiko. Vor allem dann, wenn die Partnerschaft nicht wie ursprünglich geplant ein Leben lang hält. Denn die unromantische Realität sieht leider derzeit anders aus.  Die Scheidungsrate liegt aktuell bei 40 Prozent, in Großstädten wird sogar jede zweite Ehe geschieden. Scheidungsanwälte rechnen derzeit sogar damit, dass durch die Corona-Pandemie die Scheidungsrate weiter ansteigen wird. Wenn die Ehe scheitert, haben viele Frauen ein Problem. Nach Scheidungen haben sie rund 40 Prozent weniger Geld zur Verfügung, während Männer mit nur sieben Prozent weniger auskommen müssen. Wer weniger Geld hat, der wird sich noch weniger um seine Altersvorsorge kümmern können. Frauen sind nach Trennungen deshalb oft finanziell doppelt benachteiligt. Mit ihrem Partner verlieren Sie häufig nicht nur einen Großteil ihrer eigenen Alterssicherung, sondern es fehlt dann oft auch die finanzielle Möglichkeit, sich eine eigene Rente aufzubauen.

Eine Investition in Aktien ist immer ein Marathon und kein Sprint

Grundsätzlich funktioniert Vermögensaufbau für Frauen genauso wie für Männer. Je früher man damit beginnt, desto besser. Nicht erst seit der Niedrigzinsphase sind Aktien langfristig die rentabelste Geldanlage. Eine Investition ist mittels eines Sparplans oft schon ab 25 Euro im Monat möglich. Dabei sollte man berücksichtigen, dass eine Investition in Aktien immer ein Marathon und kein Sprint ist. Man sollte als Anlegerin einen langen Atem haben, um auch die schwierigen Jahre an der Börse zu ertragen. Dabei hat das vermeintlich schwache Geschlecht gerade bei der Aktienanlage alle Trümpfe in der Hand.

Erfolgreicher, aber in der Minderheit

Regelmäßig belegen Studien die Überlegenheit von Frauen beim Thema Geldanlage. Sie sind wesentlich geduldiger als ihre männlichen Kollegen und meiden unkalkulierbare Risiken. Eigenschaften wie Beharrlichkeit und Nervenstärke sind in der Finanzwelt eher bei Frauen zu finden. Fast alle Forschungen zu diesem Thema zeigen, dass Frauen Risiken umsichtig verwalten, langfristig denken, relativ unvoreingenommene Entscheidungen treffen und letztendlich häufig eine höhere Kapitalrendite erzielen. Laut einer Studie der ING-DiBa haben Frauen im Jahr 2019 mit durchschnittlich 24,1 Prozent eine höhere Rendite auf ihre Anlagen erzielt als Männer mit 23,5 Prozent. Die Begründung für den Anlageerfolg der Frauen ist dabei jedoch wieder sehr männlich. Demnach sind Frauen es schon seit Jahrhunderten gewohnt, Produkte auf dem Markt möglichst günstig einzukaufen. Aus diesem Grund verfolgen sie intuitiv eine Value-Strategie und kaufen möglichst niedrig bewertete Aktien.

Nur wenige Frauen bei den Vermögensverwaltern

Bei solchen Ergebnissen verwundert es eigentlich, dass Frauen in der Finanzbranche immer noch unterrepräsentiert sind. Im vergangenen Jahr wurden nur 14 der knapp 500 von Goldman Sachs untersuchten US-Fonds von Frauen gemanagt. In Deutschland ist das Verhältnis ähnlich. So waren im vergangenen Jahr von den 367 ausgewiesenen Fondsmanagern nur 54 Frauen. Das entspricht einer Quote von 14,7 Prozent. Dabei ist es allgemein bekannt, dass weibliche Fondsmanager und Teams mit weiblicher Besetzung höhere Renditen erzielten als Fonds, die ausschließlich von Männern verwaltet werden. Eine Studie der Investmentbank Goldman Sachs hat ergeben, dass US-Fonds, die zu einem Drittel von Frauen geführt werden, im ersten Halbjahr 2020 eine um ein Prozent höhere Rendite ausweisen als Anlagen, bei denen keine Fondsmanagerin an Bord war.

Frauen sind die besseren Anleger

Viele Menschen in Deutschland haben in der Corona-Krise die Börse neu für sich entdeckt. Leider immer noch wesentlich mehr Männer als Frauen. Insgesamt haben im Jahr 2020 so viele Deutsche wie nie zuvor neu in Aktien investiert. Auf 7,9 Millionen Männer kamen aber gerade mal 4,5 Millionen Frauen. Dabei ist es derzeit wichtiger denn je, dass gerade Frauen sich am Aktienmarkt engagieren. Immerhin bekommen sie im Ruhestand im Durchschnitt viel weniger gesetzliche Rente als Männer. Mit Aktien können sie ihre Altersvorsorge ideal ergänzen. Langfristig gibt es keine ertragreichere Anlage. Frauen müssen sich nur trauen und aktiv werden. Denn die Studienlage ist eindeutig. Frauen sind die besseren Anleger!

 

 

 

 

LinkedIn 0
Print 0

Newsletter abonnieren