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Schlechte Nachrichten haben mehr Durchschlagskraft

Auf den ersten Blick hat diese Regel eine plausible Erklärung. In den Sommermonaten ist an den Börsen urlaubsbedingt weniger los. Schlechte Nachrichten haben daher mehr Durchschlagskraft. Das heiße Wetter dämpft die Euphorie zusätzlich. Und generell ist es eine eher nachrichtenarme Zeit, denn die Dividendenprognosen fehlen. In den Monaten Oktober bis April ist an den Börsen dagegen wesentlich mehr los. Allein die alljährlich wiederkehrende Jahresendrally in den letzten Wochen eines Jahres sorgt häufig für den nötigen Rückenwind.

Was sagt die Statistik?

Einige Studien haben historische Daten analysiert, um festzustellen, ob es eine statistisch signifikante saisonale Schwankung in den Sommermonaten gibt. Einige dieser Untersuchungen haben tatsächlich festgestellt, dass es historisch betrachtet eine gewisse Schwäche an den Börsen während der Sommermonate gibt. Zum Beispiel fand eine Studie von Hirschey und Nofsinger im Jahr 2008 heraus, dass die durchschnittliche Rendite für den Zeitraum Mai bis Oktober im Vergleich zum Rest des Jahres niedriger war.  Es gibt jedoch auch Untersuchungen, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen und die Wirksamkeit der Regel in Frage stellen. Zum Beispiel fand eine Studie von Bouman und Jacobsen im Jahr 2002 heraus, dass die saisonalen Muster an den Börsen nicht stabil genug sind, um daraus eine profitable Anlagestrategie abzuleiten.

Die Kapitalmärkte sind viel zu effizient

Für professionelle Investoren haben solche Regeln sowieso nur unterhaltenden Charakter. Die Logik verbietet den Glauben an den Kalendereffekt. Denn die Kapitalmärkte sind viel zu effizient, um sich daran zu halten. Sobald nämlich die Mehrheit der Anleger versteht, dass man Geld verdienen kann, wenn die Sell-in-May-Regel stimmt, werden sie versuchen daraus Profit zu schlagen. Dadurch, dass es alle machen, würde jedoch in der Theorie dieses Kalendermuster über die Zeit langsam verschwinden. Im letzten Jahr hätte die Regel auch heißen können: „Sell in January and go away“. Allerdings reimt sich dieser Spruch nicht so schön und wird sich allein deshalb nicht durchsetzen.

Die Effizienztheorie

An der Effizienztheorie der Kapitalmärkte scheitert auch eine andere Kategorie von Börsenregeln. Viele Börsensprüche zielen darauf ab, einen jeweiligen Trend zu nutzen. „Greife nie in ein fallendes Messer“ oder „the trend is your friend“ sind gern zitierte Botschaften. Dahinter steht die simple Idee, dass Börsenkurse zumindest eine Zeitlang einem klar erkennbaren Trend folgen und dass man diesen Trend erkennen und entsprechend ausnutzen kann. Wenn die Kurse einmal fallen, dann fallen sie auch weiter, und wenn sie steigen, dann steigen sie auch weiter. Dabei ist es unbestritten, dass es an den Kapitalmärkten immer wieder Trends gibt. Allerdings weiß man im Vorhinein leider nicht, wann sie beginnen und wann sie enden. Man kann sich also als Anleger nie sicher sein, ob man zu früh oder zu spät ein- oder aussteigt. Denn „an der Börse wird nicht geklingelt, weder zum Einstieg noch zum Ausstieg“. Eine wirkliche Hilfestellung für Anleger bieten sie nicht.

Kursbewegungen an der Börse sind unerklärlich

Für Anhänger des Nobelpreisträgers Eugen Fama und seiner Theorie der effizienten Märkte sind feste Börsenregeln unmöglich, da die Kursbewegungen an der Börse unerklärlich und nicht vorherzusagen sind. Denn Börsenkurse und Preise umfassen alle verfügbaren Informationen, selbst die, die nur wenige Investoren haben. Sobald Investoren eine Information haben, können sie entsprechend handeln. Wer weiß, dass die Preise zu niedrig sind, der kauft, also trägt er zur Preissteigerung bei. Wenn aber dank diesem Mechanismus alle verfügbaren Informationen schon in den Preisen stecken, dann kann niemand eine Information darüber haben, wie sich die Preise künftig entwickeln. Die Preise entwickeln sich dann auf der Grundlage der nächsten Informationen, die jetzt noch niemand hat. Also sind auch die Börsenkurse unberechenbar. Wie es weitergeht, ist komplett zufällig. André Kostolany, legendärer Investor und Autor von vielen Börsenweisheiten hat es auch hierzu sehr treffend auf den Punkt gebracht. „Wenn die Börsenspekulation leicht wäre, gäbe es keine Bergarbeiter, Holzfäller und andere Schwerarbeiter. Jeder wäre Spekulant.“

Manche Regeln machen Sinn

Trotzdem können Börsenregeln eine nützliche Richtlinie sein, um Anlegern dabei zu helfen, ihre Anlagestrategie zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen. Denn sie basieren oft auf historischen Mustern oder Beobachtungen an den Finanzmärkten. Allerdings sollten sie nicht als alleinige Grundlage für Investitionsentscheidungen betrachtet werden. Glücklicherweise gibt aber eine letzte Kategorie von Börsenweisheiten, die durchaus Gültigkeit für sich beanspruchen können. „Lege nicht alle Eier in einen Korb“ oder „hin und her macht Taschen leer“ sind einfache, nachvollziehbare und grundsätzlich richtige Regeln, die für den Anlageerfolg wichtiger sind als alle anderen Kategorien von Börsenweisheiten. Hierbei geht es nicht darum, zukünftige Kursentwicklungen oder richtige Ein- oder Ausstiegszeitpunkte vorherzusagen, sondern um einfache Verhaltensregeln. Egal ob Profi-Investor oder Privatanleger, das Beherzigen von diesen Regeln schadet nicht." ["post_title"]=> string(37) "„Sell in May and go away, but…“" ["post_excerpt"]=> string(0) "" ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(27) "sell-in-may-and-go-away-but" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2023-05-31 15:28:10" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2023-05-31 13:28:10" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(36) "https://portfolio-concept.de/?p=9688" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" }

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Was haben Börsianer und Bauern gemeinsam? Beide Berufsgruppen haben sich Regeln aufgestellt, um das Unvorhersehbare in den Griff zu bekommen. Als grobe Orientierung können manche dieser Regeln hilfreich sein. Als wirkliche Handlungsempfehlung taugen sie dagegen in der Regel nicht. Entstanden sind beide aus Erfahrung und im Fall der Bauernregeln sogar jahrhundertelanger Beobachtung der Natur. Regeln sollen dem jeweiligen Nutzer Halt geben und Anhaltspunkte dafür, was in einer bestimmten Situation zu tun ist. Sie pressen komplexe Themen in eine knappe Formel. Einige sind sinnvoll, andere nicht. Das gilt für die Landwirtschaft genauso wie für die Börse. In der Landwirtschaft beziehen sich die meisten Regeln sinnigerweise auf sogenannte Kalendereffekte. „Mai Regen bringt Segen“. Überraschenderweise haben auch sehr viele Börsenregeln einen kalendarischen Bezug. Die wohl bekannteste lautet: „Sell in May and go away, but remember to come back in September“.

Schlechte Nachrichten haben mehr Durchschlagskraft

Auf den ersten Blick hat diese Regel eine plausible Erklärung. In den Sommermonaten ist an den Börsen urlaubsbedingt weniger los. Schlechte Nachrichten haben daher mehr Durchschlagskraft. Das heiße Wetter dämpft die Euphorie zusätzlich. Und generell ist es eine eher nachrichtenarme Zeit, denn die Dividendenprognosen fehlen. In den Monaten Oktober bis April ist an den Börsen dagegen wesentlich mehr los. Allein die alljährlich wiederkehrende Jahresendrally in den letzten Wochen eines Jahres sorgt häufig für den nötigen Rückenwind.

Was sagt die Statistik?

Einige Studien haben historische Daten analysiert, um festzustellen, ob es eine statistisch signifikante saisonale Schwankung in den Sommermonaten gibt. Einige dieser Untersuchungen haben tatsächlich festgestellt, dass es historisch betrachtet eine gewisse Schwäche an den Börsen während der Sommermonate gibt. Zum Beispiel fand eine Studie von Hirschey und Nofsinger im Jahr 2008 heraus, dass die durchschnittliche Rendite für den Zeitraum Mai bis Oktober im Vergleich zum Rest des Jahres niedriger war.  Es gibt jedoch auch Untersuchungen, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen und die Wirksamkeit der Regel in Frage stellen. Zum Beispiel fand eine Studie von Bouman und Jacobsen im Jahr 2002 heraus, dass die saisonalen Muster an den Börsen nicht stabil genug sind, um daraus eine profitable Anlagestrategie abzuleiten.

Die Kapitalmärkte sind viel zu effizient

Für professionelle Investoren haben solche Regeln sowieso nur unterhaltenden Charakter. Die Logik verbietet den Glauben an den Kalendereffekt. Denn die Kapitalmärkte sind viel zu effizient, um sich daran zu halten. Sobald nämlich die Mehrheit der Anleger versteht, dass man Geld verdienen kann, wenn die Sell-in-May-Regel stimmt, werden sie versuchen daraus Profit zu schlagen. Dadurch, dass es alle machen, würde jedoch in der Theorie dieses Kalendermuster über die Zeit langsam verschwinden. Im letzten Jahr hätte die Regel auch heißen können: „Sell in January and go away“. Allerdings reimt sich dieser Spruch nicht so schön und wird sich allein deshalb nicht durchsetzen.

Die Effizienztheorie

An der Effizienztheorie der Kapitalmärkte scheitert auch eine andere Kategorie von Börsenregeln. Viele Börsensprüche zielen darauf ab, einen jeweiligen Trend zu nutzen. „Greife nie in ein fallendes Messer“ oder „the trend is your friend“ sind gern zitierte Botschaften. Dahinter steht die simple Idee, dass Börsenkurse zumindest eine Zeitlang einem klar erkennbaren Trend folgen und dass man diesen Trend erkennen und entsprechend ausnutzen kann. Wenn die Kurse einmal fallen, dann fallen sie auch weiter, und wenn sie steigen, dann steigen sie auch weiter. Dabei ist es unbestritten, dass es an den Kapitalmärkten immer wieder Trends gibt. Allerdings weiß man im Vorhinein leider nicht, wann sie beginnen und wann sie enden. Man kann sich also als Anleger nie sicher sein, ob man zu früh oder zu spät ein- oder aussteigt. Denn „an der Börse wird nicht geklingelt, weder zum Einstieg noch zum Ausstieg“. Eine wirkliche Hilfestellung für Anleger bieten sie nicht.

Kursbewegungen an der Börse sind unerklärlich

Für Anhänger des Nobelpreisträgers Eugen Fama und seiner Theorie der effizienten Märkte sind feste Börsenregeln unmöglich, da die Kursbewegungen an der Börse unerklärlich und nicht vorherzusagen sind. Denn Börsenkurse und Preise umfassen alle verfügbaren Informationen, selbst die, die nur wenige Investoren haben. Sobald Investoren eine Information haben, können sie entsprechend handeln. Wer weiß, dass die Preise zu niedrig sind, der kauft, also trägt er zur Preissteigerung bei. Wenn aber dank diesem Mechanismus alle verfügbaren Informationen schon in den Preisen stecken, dann kann niemand eine Information darüber haben, wie sich die Preise künftig entwickeln. Die Preise entwickeln sich dann auf der Grundlage der nächsten Informationen, die jetzt noch niemand hat. Also sind auch die Börsenkurse unberechenbar. Wie es weitergeht, ist komplett zufällig. André Kostolany, legendärer Investor und Autor von vielen Börsenweisheiten hat es auch hierzu sehr treffend auf den Punkt gebracht. „Wenn die Börsenspekulation leicht wäre, gäbe es keine Bergarbeiter, Holzfäller und andere Schwerarbeiter. Jeder wäre Spekulant.“

Manche Regeln machen Sinn

Trotzdem können Börsenregeln eine nützliche Richtlinie sein, um Anlegern dabei zu helfen, ihre Anlagestrategie zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen. Denn sie basieren oft auf historischen Mustern oder Beobachtungen an den Finanzmärkten. Allerdings sollten sie nicht als alleinige Grundlage für Investitionsentscheidungen betrachtet werden. Glücklicherweise gibt aber eine letzte Kategorie von Börsenweisheiten, die durchaus Gültigkeit für sich beanspruchen können. „Lege nicht alle Eier in einen Korb“ oder „hin und her macht Taschen leer“ sind einfache, nachvollziehbare und grundsätzlich richtige Regeln, die für den Anlageerfolg wichtiger sind als alle anderen Kategorien von Börsenweisheiten. Hierbei geht es nicht darum, zukünftige Kursentwicklungen oder richtige Ein- oder Ausstiegszeitpunkte vorherzusagen, sondern um einfache Verhaltensregeln. Egal ob Profi-Investor oder Privatanleger, das Beherzigen von diesen Regeln schadet nicht.

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