Happy Birthday Dow Jones

Am Mittwoch letzter Woche war es so weit. Die „Mutter aller Indizes“, der Dow Jones, feierte seinen 125. Geburtstag. Er ist nicht nur der berühmteste, sondern auch der älteste Aktienindex der Welt. Bereits 1884 kreierten der Journalist und Herausgeber des „Wall Street Journal“, Charles Dow, und der Statistiker Edward Jones den Vorläufer des heutigen Dow Jones mit elf Werten, davon neun Eisenbahn- und zwei Industrieaktien. Der eigentliche Startschuss erfolgte dann am 26. Mail 1896 als der Dow Jones Industrial Index mit 40,94 Punkten begann. Damals umfasste der Index zwölf Werte, seit 1928 setzt er sich aus den Kursen von 30 Industrieunternehmen zusammen. Sie müssen entweder bei der elektronischen US-Börse Nasdaq oder der New Yorker Stock Exchange, besser bekannt als die Wall Street, gelistet sein. Zur Berechnung wurden fortan die aktuellen Kurse der 30 Aktien addiert und durch einen flexiblen Divisor geteilt. Der Dow Divisor gilt als Korrekturwert, der Aktiensplits und Änderungen in der Indexzusammensetzung berücksichtigt und es erlaubt, den Dow Jones über einen längeren Zeitraum zuverlässig zu vergleichen. Durch Aktiensplits verändert sich der Durchschnittspreis einer Aktie, aber nicht deren Investitionswert. Der Divisor soll diese Veränderungen auffangen.

Kein festes Regelwerk

Mittlerweile hat der Dow in seiner Geschichte schon 1.464 Höchststände gefeiert. Das letzte Allzeithoch wurde vor gut 3 Wochen aufgestellt. Es liegt bei 34.777 Punkten. Die Indexzusammensetzung wechselt immer wieder mal. Im Gegensatz zu anderen Indizes bei denen ein festes Regelwerk, wie die Marktkapitalisierung oder Börsenumsatz für die Aufnahme eine Rolle spielen, wird sie beim Dow Jones durch ein Komitee beschlossen. Der Mischkonzern General Electric war das letzte verbleibende der zwölf Gründungsunternehmen. Es musste zwar kurz nach Auflegung den Index verlassen, war dann aber seit 1907 ununterbrochen fester Bestandteil des Indexes. Bis es am 26. Juni 2018 durch Walgreens Boots Alliance ersetzt wurde.

Kein Index für Profis

Die Zusammensetzung des Dow Jones wird von Profis immer wieder kritisiert. Obwohl der Dow Jones der bekannteste Aktienindex der Welt ist und für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt als Gradmesser für das eigene Vermögen dient, spielt der Index als Benchmark für aktive Vermögensverwalter oder auch für die Verfechter passiver Anlagestrategien kaum eine Rolle. Das Volumen der Indexfonds, die den Dow Jones Industrial Average abbilden, beträgt lediglich 28 Milliarden Dollar. Die anachronistische Zusammensetzung des Indexes irritierte in den letzten 125 Jahren immer wieder.  So war der Computerpionier IBM 40 Jahre lang nicht im Leitindex vertreten, von 1939 bis 1979. Genau diese vier Jahrzehnte waren aber einige der wachstumsreichsten Phasen der IBM-Geschichte. Analysten haben errechnet, dass der Dow heute doppelt so hochstehen könnte, wäre IBM auch zwischen 1939 und 1979 Mitglied im exklusiven Klub der Dow Jones Familie gewesen.

Viele wichtige Unternehmen fehlen

Durch die besondere Konstruktion sind große und für die US-Wirtschaft wichtige Unternehmen überhaupt nicht in dem Börsenbarometer vertreten. Das beste Beispiel ist Amazon. Das gemessen am Börsenwert wertvollste Unternehmen ist im Dow nicht gelistet. Denn sein Aktienkurs von über 3000 Dollar würde dem Onlinehändler im Index den Regeln zufolge ein Gewicht von mehr als 70 Prozent bescheren. Gleiches gilt für die Google-Mutter Alphabet, deren zwei börsengehandelte Aktien-Gattungen bei rund 1600 Dollar notieren. Völlig ausgeschlossen ist es, dass es die A-Aktie von Warren Buffetts Holding Berkshire in den Index schaffen wird. Schließlich wird die Aktie derzeit für 435.000 Dollar gehandelt. Damit ist sie nicht Dow kompatibel. Auch Apple ist erst seit kurzem Mitglied im elitären Kreis. Erst 2015, nachdem das Unternehmen durch einen Aktiensplit den Preis eines Anteils auf unter 100 Dollar senkte, ist die Aktie im Dow Jones vertreten.

Und die 100.000 Punkte?

Trotz all der konstruktiven Schwächen ist der Dow Jones für die breite Masse der Privatanleger immer noch einer der meistbeachteten Indikatoren für die Performance der Aktienmärkte. In den USA soll es sogar ein psychisches Krankheitsbild namens „Dow-Fieber“ geben, eine Art Abhängigkeit, die sich darin äußert, dass die innere Stimmung mit dem Auf und Ab des Indexstands schwankt. Nach wie vor vermittelt der Indexstand wie es um die amerikanische Wirtschaft bestellt ist. Im Jahr 1906 gelang erstmals der Sprung über die Marke von 100. Vierstellig wurde der Index 1972. Im Boom 1999 knackte er die 10.000 Punkte und im November 2020 wurden erstmalig die 30.000 Punkte überschritten. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit wann die 100.000 Punkte erreicht werden.

Amerikanischer Schnupfen, deutsche Grippe?

Vor allem der deutsche Dax, derzeit ebenfalls noch aus 30 Titeln der deutschen Wirtschaft zusammengesetzt, folgte seinem großen amerikanischen Bruder lange Zeit auf dem Fuß. In der Vergangenheit gab es immer wieder lange Marktphasen, in denen die Korrelation zwischen den beiden Indizes bei nahezu 1 lag. „Amerikanischer Schnupfen, deutsche Grippe“ hieß es lange an den Märkten.  Dabei könnten die Unterschiede zwischen den beiden Indizes größer kaum sein. Denn für den deutschen Aktienindex Dax existieren vergleichsweise klare Auswahlkriterien, die sehr regelmäßig Anwendung finden. Grundlage ist hier neben der Marktkapitalisierung der Börsenumsatz. Zudem wird die Zusammensetzung des Dax regulär jedes Quartal überprüft und gegebenenfalls angepasst. Letztlich wird der Dax als Performance-Index berechnet. Das bedeutet, dass Dividendenzahlungen und Bezugsrechtserlöse mit in die Indexberechnung einfließen. Es wird so getan, als würden diese Erträge im Moment des Zuflusses reinvestiert. Beim Dow Jones dagegen handelt es sich um einen preisgewichteten Index. Das bedeutet, dass jede Aktie mit ihrem Kurswert in die Indexberechnung eingeht. Eine Aktie, deren Kurs bei 200 US-Dollar steht, hat also mehr Gewicht als eine Aktie, deren Kurs bei nur 50 US-Dollar steht. Zudem handelt es sich beim Dow Jones um einen Kursindex. Dividendenzahlungen und Erlöse aus Bezugsrechten fließen also nicht in die Berechnung mit ein.

Herzlichen Glückwunsch Dow Jones

Durch die Globalisierung hat die Abhängigkeit der deutschen von der US-Wirtschaft in den letzten Jahren abgenommen. Trotzdem vermitteln beide Indizes dem Anleger ein Gefühl davon, wie es um die Weltwirtschaft bestellt ist. Wer passiv über ETFs sein Geld anlegt sollte grundsätzlich auf marktbreitere Indizes wie den S&P 500 und andere zurückgreifen. Aber eines zeigt ein Index-Methusalem wie der Dow Jones sehr eindeutig. Das Investment in Aktien lohnt sich langfristig. Denn trotz zweier Weltkriege, vieler Finanzkrisen und mittlerweile 23 US-Präsidenten ist der Dow Jones in den letzten 125 Jahren kontinuierlich gestiegen. Herzlichen Glückwunsch Dow Jones und alles Gute für die nächsten 125 Jahre.

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