Achterbahnfahrt an den Aktienmärkten

Zu Beginn des zweiten Quartals setzten die Aktienmärkte ihre Erholungsrallye vom Jahresanfang unbeirrt fort. Doch der sehr überraschende Kurswechsel der US-Regierung im Rahmen der bilateralen Handelsgespräche mit China führte dazu, dass die Märkte unter Druck gerieten. Ende April sah es noch so aus, dass nur noch die Unterschriften fehlten, um ein Abkommen zwischen den Wirtschaftsmächten China und den USA zu besiegeln. Doch anstelle einer Übereinkunft implementierten die USA neue Handelshemmnisse für chinesische Unternehmen. Völlig überraschend drohte Amerika sogar mexikanische US-Exporte kurzfristig mit Zöllen zu belegen. Dies setzte der euphorischen Börsenstimmung ein jähes Ende. Insbesondere die amerikanischen Technologiewerte wurden ab verkauft, woraufhin der Nasdaq 100-Index im Mai über 10% an Wert verlor. Im Juni haben sich viele Indizes jedoch wieder an Ihre Jahreshöchststände zurückgekämpft. Die Hoffnung der Marktteilnehmer auf stimulierende Maßnahmen der Notenbanken brachte den Optimismus wieder zurück an die Aktienmärkte, wodurch die Mehrheit der Indizes das Quartal mit einer positiven Rendite abschließen konnte.

Quelle: VWD, die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung

Deutscher Rentenindex erklimmt neues Allzeithoch

In diesem Umfeld der wiederaufkeimenden wirtschaftlichen und politischen Brandherde wurden festverzinsliche Wertpapiere von den Markteilnehmern gesucht. Insbesondere Staatsanleihen verzeichneten hohe Kapitalzuflüsse, die auf zwei Gründe zurückzuführen sind. Zum einen sorgte die widererwartende Verschärfung des Handelsdisputs der USA mit China dafür, dass die Marktteilnehmer eine Art Flucht in sichere Anlagen vollzogen. Zum anderen führten Zinssenkungsspekulationen zum Ende des abgelaufenen Quartals dafür, dass sich die Nachfrage nach sicheren Rentenpapieren noch weiter beschleunigte. Denn sollte sich das Wachstum im Zuge zunehmender wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten abschwächen, könnte vor allem die amerikanischen Notenbank FED dazu übergehen Stimulierungsmaßnahmen, z.B. in Form von Zinssenkungen, anzustoßen, um die Konjunktur wieder zu beleben. Als Resultat dieser Entwicklung erreichte der Kursindex (d.h. es werden keine Zinszahlungen berücksichtigt) des deutschen Rentenindex Rex im Juni ein neues Allzeithoch. Anders ausgedrückt bedeutet dies eine negative Verzinsungen von 10-Jährigen deutschen Staatsanleihen von ca. -0,33% (siehe Grafik) bzw. Anleger müssen in deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von mindestens 19 Jahren investieren, um noch eine positive Rendite zu generieren.

Quelle: VWD, die historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung

Wirtschaftslage weiter angespannt, noch keine Erholung erkennbar

Während die globalen Aktien- und Anleihemärkte in 2019 eine aus Anlegersicht erfreuliche Entwicklungen genommen haben, lässt sich dieses Bild jedoch nicht auf die globale Konjunktur übertragen. Zwar haben sich viele Wirtschaftsdaten auf niedrigen Niveau stabilisiert, eine erneute Beschleunigung des globalen Wachstums ist jedoch derzeit nicht abzusehen. In naher Zukunft gibt es aus unserer Sicht auch wenig Anhaltspunkte, dass sich hieran etwas ändern könnte. Eine kurzfristige Einigung zwischen China und den USA scheint in weite Ferne gerückt zu sein, die Spannungen im Nahen Osten nehmen zu, eine Lösung im Brexit-Dilemma ist nicht erkennbar und der Wahl von Ursula von der Leyen zur neuen Präsidentin der Europäischen Kommission ist ein knapp zweimonatiges Tauziehen um die Besetzung dieser Spitzenstelle vorausgegangen. Damit Unternehmen wieder investieren brauchen diese Planungssicherheit. Die dafür nötigen Rahmenbedingungen sind aber aktuell nicht vorhanden. Positiver Lichtblick und konjunkturstützend bleibt jedoch weiterhin der Dienstleistungssektor. Die sehr niedrigen Arbeitslosenquoten und das robuste Konsumentenvertrauen sprechen dabei auch weiterhin für ein gutes Konsumklima. brauchen.

Fazit:

Wir erleben derzeit ein Marktumfeld voller Diskrepanzen. Die Konjunktur schwächelt, die Gewinnschätzungen der Unternehmen sinken und die Gewinnwarnungen nehmen zu, aber die Aktienkurse steigen. Der Rentenmarkt preist eine Rezession und hohe Unsicherheit ein, doch die Aktienindizes notieren nahe ihrer Jahreshöchststände. Insofern gäbe es durchaus nachvollziehbare Argumente, um nun sämtliche Aktien zu verkaufen und die bis dato gute Jahresperformance zu sichern. Doch betrachten wir die relative Bewertung von Aktien gegenüber Renten, dann sind Aktien derzeit so attraktiv wie lange nicht. Hinzu kommt, dass eine Annäherung oder ein bilaterales Handelsabkommen der Chinesen mit den Amerikanern jederzeit zu Stande kommen könnte oder die FED noch schneller und deutlicher die Zinsen senkt, als derzeit erwartet. In diesem Szenario bieten Aktieninvestitionen mit Abstand das größte Potenzial. Es gilt also abzuwägen und täglich die Entwicklungen in den diversen Themengebieten zu studieren und zu bewerten, um ggfs. schnell auf sich ergebenen Ereignisse reagieren zu können. Wir haben uns in den vergangenen Monaten sukzessive defensiver in den Portfolien positioniert, sehen aber auch Chancen und beabsichtigen derzeit nicht gänzlich aus dem Risiko zu gehen. Für uns ist es weiterhin elementar über Regionen und Sektoren breit diversifiziert zu investieren und dabei den Fokus auf bilanzstarke Unternehmen mit etablierten Geschäftsmodellen und attraktiver Ausschüttungspolitik zu setzen. Gold sehen wir weiterhin als ein strategisches Investment und als Renditestütze in volatilen Marktphasen.

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