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Bei Kölner Karnevalsgesellschaften gilt seit Jahrzehnten eine einfache Regel. Wer nichts kann, kann Präsident. Scheinbar halten es die Amerikaner jetzt genauso. In wenigen Tagen, am Freitag den 20. Januar, wird Donald Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Noch nie zuvor gab es einen US-Präsidenten, der weder Regierungs- noch militärische Erfahrung mitbrachte. Die nächsten 4 Jahre Amtszeit werden also spannend. So mancher Kritiker hofft noch darauf, dass Trump nicht die gesamte Legislaturperiode durchsteht. Er gilt als Impulsiv, er ist ungeliebt in seiner eigenen Partei, seine Pläne und Aussagen stoßen bei Kritikern regelmäßig auf Entsetzen. Jede Twitter-Nachricht von Ihm ist mittlerweile eine „breaking news“ bei den großen Nachrichtensendern wert; und er twittert viel. Allerdings wurden in der langen Geschichte der US-Demokratie erst zwei offizielle Amtsenthebungsverfahren durchgeführt. In beiden Fällen kam es nicht zu einer Verurteilung. 1868 fand das erste Verfahren gegen den 17. Präsidenten Andrew Johnson wegen Missachtung der Rechte des Kongresses statt. Die notwendige Stimmenzahl von zwei Dritteln der Senatoren wurde mit nur einem Votum verfehlt. Im Jahre 1999 wurde das zweite Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton wegen Meineids und Behinderung der Justiz im Zuge der Lewinsky-Affäre eingeleitet. Der Meineid-Vorwurf wurde mit 55 zu 45 Stimmen zurückgewiesen, jener der Behinderung der Justiz mit 50 zu 50 Stimmen. Alle Senatoren der Demokratischen Partei unterstützten dabei den Präsidenten ihrer eigenen Partei. So mancher Gegner Trumps hofft möglicherweise auf ein baldiges drittes Amtsenthebungsverfahren und dass es dann endlich einmal besser läuft.

Ob es allerdings dazu kommt, steht derzeit in den Sternen. Immer klarer dagegen wird mittlerweile, dass Trump seinen Kommunikationsstil nicht ändern wird. Direkt nach der Wahl hofften viele noch, der zukünftige Präsident würde sich, der Bedeutung seines Amtes angemessen, nun präsidialer geben. Das Gegenteil ist offensichtlich der Fall. Undiplomatisch, harsch und aggressiv poltert er wie zuvor durch die Medienlandschaft. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Börsenkurse. Für Aufsehen sorgte Anfang der Woche ein Interview mit der Bild Zeitung. Dort kritisierte er nicht nur die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin („katastrophal“) und die Nato („obsolet“), sondern forderte ultimativ auch die Führung von BMW auf, ihre Investitionsentscheidung zugunsten einer Autofabrik in Mexiko rückgängig zu machen. Trump wörtlich: „Sie können Autos für die USA bauen, aber sie werden für jedes Auto, das in die USA kommt, 35 Prozent Steuern zahlen. Was ich damit sage, ist, dass sie ihre Fabrik in den USA bauen müssen.“ Wenige Tage vor der Vereidigung bleibt eine solche Aussage nicht ohne Folgen für die Aktienkurse der deutschen Automobilindustrie.

Dabei hat er sich mit BMW eindeutig das falsche Unternehmen rausgesucht. Aber Fakten interessieren Trump in der Regel wenig. Denn BMW hat ein fast ausgeglichenes Verhältnis zwischen Verkäufen in den USA und Produktionszahlen vor Ort. Die Differenz zwischen Produktion und Verkäufen in den USA betrug 2015 nur ein Prozent. Es wurden also nur ganz wenig Autos mehr von BMW im US-Markt verkauft als produziert. Für andere deutsche Automobilkonzerne, allen voran Volkswagen, ist die Bilanz hingegen weniger ausgeglichen. Dort könnten in der Tat Differenzen mit der Trump-Bürokratie auftreten. Der Markt strafte aber erst einmal alle deutschen Autobauer ab und drückte den Dax dadurch etwas ins Minus. Gegenmaßnahmen der Europäischen Union auf hohe Autozölle wären dagegen weitgehend wirkungslos. Trump hatte im Interview geklagt, dass man keine Chevrolets in Deutschland sehe. Das liegt daran, dass der Mutterkonzern General-Motors die Marke 2014 in Europa vom Markt genommen hatte. Dennoch sind die US-Autobauer in Europa sehr aktiv und verkaufen in großen Stückzahlen Pkw’s. Das gilt vor allem für General-Motors und Ford. Die beiden Konzerne bauen aber das Gros ihrer Fahrzeuge in Europa. Ford und General-Motors haben mit der Konzerntochter Opel auch in Deutschland mehrere Werke vor Ort. EU-Zölle würden diese US-Hersteller also nicht treffen.

In den letzten Tagen ging auch den stark gestiegenen US-Börsen etwas die Luft aus. Nach seinem Wahlsieg kündigte der neue Präsident Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur der USA an. Die Experten der OECD erwarten dadurch, dass die amerikanische Wirtschaftsleistung im Jahr 2018 um 3 Prozent zulegen könne. Diese Aussicht trieb die Kurse in den ersten Wochen nach der Wahl. Die Kurse von Industriewerten im S&P 500 sind seit dem Wahltag um 7,8 Prozent nach oben geschnellt. Leider hat man nach der ersten allgemeinen Ankündigung hierzu nichts mehr von Trump gehört. Vor allem die Finanzierung eines Mega-Investitionsprogramms ist völlig ungeklärt. Zudem haben Infrastrukturprojekte lange Vorlaufzeiten. Höhere Infrastrukturausgaben werden sich daher vermutlich erst nach Monaten, wenn nicht gar Jahren, positiv bemerkbar machen. In Folge dessen ist die Trump-Rallye am Aktienmarkt ins Stocken geraten. Dem Dow Jones will es einfach nicht gelingen, die magische Marke von 20.000 Punkten zu überwinden. Viele Investoren sind in den letzten Tagen vorsichtig geworden. Es treibt sie die Sorge um die „Trump-Blase“ um. Denn oft endet eine Präsidentschaftsrallye in den USA mit dem Tag des Amtsantritts – und der ist bekanntlich am kommenden Freitag.

Was passiert jedoch, wenn der von vielen erwartete Kursrückschlag ausbleibt? Vermutlich genau das, was nach der Brexit-Entscheidung und nach der Trump-Wahl passiert ist. Die Investoren kehren mangels wirklicher Alternativen in den Markt zurück und treiben die Aktienmärkte wieder in die Höhe. Denn es ist ja nicht grundsätzlich alles schlecht, nur, weil es aus dem Trump Lager kommt. Manche Analysten sehen durchaus Chancen in einer Trump-Präsidentschaft. Es kann beispielsweise hilfreich sein, dass Trump weder Berufspolitiker ist noch zum Establishment gehört. “Der Spiegel” beschrieb das schon früh als eine besondere Stärke Trumps, der “fast alles unterlässt, was herkömmliche Politiker machen.” Er benenne gnadenlos alles, was im politischen System der USA faul sei. Das könnte sogar der Startschuss für eine grundlegende Veränderung im mitunter verkrusteten politischen System sein. Die derzeitige Annäherung der Trump-Administration an Russland kann zudem helfen, den Syrien-Konflikt zu lösen. Der designierte Präsident hat angekündigt, mit Russland, der Türkei und Iran einen möglichst raschen, umfassenden „Friedensdeal“ herbeiführen zu wollen. Auch die Ukraine-Krise erscheint bei einer Annäherung der beiden Staaten lösbar. Insbesondere die deutsche Wirtschaft würde von einem Ende der Russland-Sanktionen erheblich profitieren. Wenn Trump das Steuersystem – wie angekündigt – vereinfacht und den Mittelstand entlastet, dann würde er damit zusätzlich die Binnenkonjunktur in den USA stärken und ein Vorbild für überfällige Reformen in vielen Ländern schaffen.

Im Kölner Karneval wurde am letztem Freitag das Kölner Dreigestirn offiziell proklamiert. Die Narren regieren für die nächsten Wochen die Stadt. Als Narren werden auch Personen bezeichnet, die sich sehr unreif, dumm, tollpatschig, voreingenommen, vorurteilsbehaftet und ignorant verhalten. Bei dieser Beschreibung denkt so mancher wohl auch an Donald Trump. Im Mittelalter hielten aber gerade die Narren den Mächtigen den schärfsten Spiegel vor und leiteten mitunter Veränderungen ein. Spätestens Aschermittwoch heißt es dann aber auch für sie wieder Klatschmarsch, Abmarsch, Ausmarsch und die Show ist vorbei. Es müssen ja keine vollen 4 Jahre werden.

Redakteur: Diplom-Kaufmann Markus Richert, CFP®
Seniorberater Vermögensverwaltung