Jedes Jahr im Sommerloch bestimmt das gleiche Thema die öffentliche Diskussion. In diesem Jahr kam es spät, aber gerade noch rechtzeitig um in der nachrichtenarmen Ferienzeit genügend Aufmerksamkeit zu erzeugen. Der Rentenstreit ist wieder voll entbrannt. Der Bundesfinanzminister brachte das Thema in der letzten Woche überraschend auf die politische Agenda und seitdem diskutiert Deutschland wieder über die Rente. Spätestens seitdem der damalige Arbeitsminister Norbert Blüm in den 80er Jahren publikumswirksam seine „Die Rente ist sicher“ Sprüche plakatierte, sollte jedem in Deutschland klar sein, das eine zusätzliche private Vorsorge notwendig ist. Zumindest wenn man seinen gewohnten Lebensstandard auch in der Ruhestandsphase beibehalten will. Nachdem die in Deutschland so beliebte Kapitallebens- und Rentenversicherung aufgrund der Niedrigzinsphase der EZB in der Bedeutungslosigkeit versunken ist, suchen viele nach dem idealen Weg der Vorsorge.

Das traditionelle Konzept des Sparens ist überholt

Dabei ist das traditionelle Konzept des Sparens für den Ruhestand auf den ersten Blick einfach. Es sieht vor, früh anzufangen, konstant zu sparen und dem Zinseszins die meiste Arbeit im Zeitablauf zu überlassen. Man muss ab dem Alter von 25 Jahren nur monatlich 300 Euro zurücklegen und man ist mit 65 Jahren Millionär. Bei einem jährlichen Zins von 8 Prozent und ohne Berücksichtigung von Steuern. Wenn es wirklich so einfach wäre, sollte ein entspannter Ruhestand für die meisten Bundesbürger kein Problem sein. Leider sieht die Realität aber völlig anders aus. Denn Sparen ist abhängig von einer wichtigen Komponente. Man braucht genügend Einkommen, um sich einen langfristigen, zielgerichteten Vermögensaufbau leisten zu können. Leider ist das Einkommen jedoch im Laufe eines Lebens nicht gleichmäßig verteilt, sondern ist abhängig von unterschiedlichen Lebensabschnitten. Vermögensbildung ist ein lebensbegleitender Prozess. Dabei bestimmt die jeweilige Lebensphase auch die Möglichkeiten der Vorsorge. Dabei lassen sich vier entscheidende Phasen unterscheiden. Phase 1: Ausbildung und Familiengründung (Alter: 18 – 35), Phase 2: Karriere-Phase (Alter: 35 – 50), Phase 3: Wachstums-Phase (Alter 50 – 65) und Phase 4: Ruhestands- und Verbrauchsphase (Alter ab 65 Jahre). Wer die Vermögensbildung für den Ruhestand als permanenten Prozess begreift und sich dabei vergegenwärtigt in welcher Lebensphase man sich befindet, für den ist ein entspannter Ruhestand einfach zu erreichen.

Sparen muss man sich auch leisten können

In der ersten Phase des Sparens ist die entscheidende Frage, kann ich es mir überhaupt leisten zu sparen. Vor allem während der Ausbildung/Studium ist das Einkommen begrenzt. Oft reicht es gerade für das nötigste. Ein Sparplan muss in dieser Phase vor allem eines erfüllen. Er muss flexibel sein, was die Höhe des Sparbeitrages und die Spardauer angeht. In einem ersten Schritt ist zu überprüfen, ob das Einkommen überhaupt die Ausgaben übersteigt. Klingt simpel, wird aber häufig nicht ausreichend berücksichtigt. Das Ziel muss in dieser Phase sein, die Grundlage für ein späteres Sparen zu schaffen. Wichtig ist ein ausreichender Risikoschutz. Das Kapital ist die Ausbildung und die Gesundheit. Nur wenn diese richtig abgesichert sind, kann das Thema Vermögensbildung erfolgreich angegangen werden. Risikoschutz ist in dieser Phase preiswert zu bekommen. Es ist allerdings wichtig auf eine strikte Trennung zwischen Risikoschutz und Sparen zu achten. Nichts ist teurer, als wenn man sich zu früh in der falschen Sparform langfristig bindet. Oft fällt die Gründung einer Familie in diese Lebensphase. Hohe regelmäßige Sparleistungen bedienen zu können, überfordert dann viele finanziell. In dieser Phase hängt die Bildung vom Vermögen im Wesentlichen von den eigenen Sparbeiträgen ab. Der Zinseszins-Effekt hat noch keinen wirklichen Einfluss auf das Vermögenswachstum.

In Phase 2 stellt sich erstmalig die Frage nach dem optimalen Risikomix

In der 2. Phase erreicht man plötzlich den Punkt, an dem man genug verdient und sich ernsthaft mit der Vermögensbildung auseinandersetzen kann. Die ersten Karriereschritte sind gemacht, man ist im Job gefestigt und die Familienbildung ist oft schon abgeschlossen. Auf einmal steht wesentlich mehr freie Liquidität zur Verfügung. Der Sparvorgang kann jetzt professionalisiert und auf ein regelmäßiges Fundament gehoben werden. In dieser Lebensphase stellt sich erstmalig die Frage nach dem optimalen Risikomix. Wieviel Risiko bin ich bereit bei der Vermögensbildung einzugehen? Welche Beträge kann ich wirklich langfristig zurücklegen? Für viele gehört die eigene Immobilie zwingend zum Vermögensaufbau dazu. Einen gewissen Teil der freien Liquidität sollte man dafür berücksichtigen. Darüber hinaus bietet der Finanzmarkt eine Vielzahl von Spar- und Anlagemöglichkeiten. Spätestens jetzt sollte man die Hilfe eines Profis zu Rate ziehen und den Sparvorgang professionalisieren. Welche Sparform passt zu mir, welche Ziele möchte ich in den nächsten Jahren erreichen? Für viele bietet sich hier ein Finanzplan als erste Orientierung an. Sofern ein Fundament aus der 1. Phase besteht, gilt es darauf aufzubauen und eine erste Strategie für die Vermögensbildung zu erstellen. Fehler, die in diesem Lebensabschnitt gemacht werden, lassen sich in den folgenden Jahren nicht mehr so einfach korrigieren. Die Rendite gewinnt in diese Phase zunehmend an Bedeutung. Der Zins fängt an seine positive Wirkung zu entfalten. Mit jedem weiteren Jahr des Sparens, erhöht sich ihr Vermögen durch die laufende Rendite Ihrer Investitionen. Nach 10 Jahren kann schon fast 50 Prozent des jährlichen Vermögenswachstums durch die Rendite der Anlage bestimmt werden. Wer in dieser Phase zu konservativ spart, verschenkt Vermögensbildungspotential.

In der 3. Phase wird die Rendite zum entscheidenden Erfolgsfaktor

Ab dem 50. Lebensjahr beginnt für viele ein neuer, ganz entscheidender Lebensabschnitt. Der Vermögesaufbau kommt in die entscheidende Phase. In vielen Fällen verkleinert sich die Familie wieder, die Kinder gehen aus dem Haus, die Immobilie ist oft abbezahlt und eröffnet einen zusätzlichen Liquiditätsspielraum. Die Karriere erreicht den Höhepunkt. Die Einnahmen überschreiten in vielen Fällen in ausreichendem Maße die Ausgaben. Das Vermögen der vorherigen Phasen ist mittlerweile der bestimmende Faktor für das Vermögenswachstum. Fast 80 Prozent des Vermögenswachstums hängt von der Rendite bzw. Zins ab. Die monatlichen Sparbeiträge treten mehr und mehr in den Hintergrund. Auch das Spektrum der Investitionsmöglichkeiten ist breit. Neben rein liquiden Anlagen nutzen viele Anleger auch eine fremdgenutzte Immobile oder andere Formen der unternehmerischen Beteiligung für den Vermögensaufbau. Spätestens jetzt ist ein Finanzplan unerlässlich. Nur damit behält man den Überblick über seine unterschiedlichen Anlageformen. Fehlentscheidungen können fatale Auswirkungen haben. In dieser Phase haben viele schon etwas zu verlieren. Sorgsame Planung und ein gesundes Risikobewusstsein sind für den Erfolg entscheidend. Das Risikomanagement wird zu dem entscheidenden Erfolgsfaktor.

Phase 4 verzeiht keine Fehler mehr

Der Ruhestand ist erreicht, aber man ist noch lange nicht am Ziel. Die letzten Jahrzehnte waren geprägt von dem Aufbau. Jetzt tritt man in den entscheidenden Lebensabschnitt ein. Dabei verlangt auch die Verbrauchsphase die volle Aufmerksamkeit. Diese Altersstufe geht oft mit vielen Veränderungen einher. Viele entscheiden sich, die gewohnte Lebenssituation noch einmal grundlegend zu verändern. Oft wird das Eigenheim veräußert und man zieht in eine kleinere Wohnung. Der regelmäßige Ertrag und die optimale Entnahme aus dem Vermögen stehen jetzt im Vordergrund. Große Risiken kann und darf man nicht mehr eingehen. Trotzdem ist die Flexibilität der Vermögensanlage extrem wichtig. Eine lebenslange Verrentung bietet zwar Planungssicherheit, aber oft besteht auch die Notwendigkeit kurzfristig auf größere Einmalbeiträge zurückgreifen zu müssen. Der Erhalt beziehungsweise das kontrollierte Abschmelzen der Vermögenswerte ist jetzt die entscheidende Aufgabenstellung für die Verwaltung. In dieser Lebensphase ist es wichtig, dass man einen vertrauenswürdigen Berater an seiner Seite hat. Die Zeit für Experimente ist vorbei, Fehler bei der Anlageentscheidung können existenzbedrohende Folgen haben.

Gesamtrendite eines Durchschnittshaushaltes erstmalig seit 6 Jahren negativ

Die lange andauernde Niedrigzinsphase hat leider viele Sparer nicht zu einem Wechsel der Anlagestrategie bewegen können. Nach wie vor liegen rund 40 Prozent der Ersparnisse eines Durchschnittshaushaltes auf Bankkonten oder Sparbüchern. Durch das zeitgleiche Anziehen der Inflation ist die Rendite des Geldvermögens aufgezehrt worden. Im ersten Quartal war die Gesamtrendite, die ein durchschnittlicher Privathaushalt erzielte, mit minus 0,8 Prozent erstmals seit sechs Jahren negativ. Währenddessen diskutiert die Politik das Rentenniveau bis 2040. Dabei gibt es einfachere Möglichkeiten das renditeorientierte Sparen attraktiver zu machen. Bis heute um Mitternacht läuft noch eine Petition um die Steuerfreiheit für Aktiengewinne nach einer Haltedauer von mindestens 5 Jahren durchzusetzen. Vermutlich wird das notwendige Quorum nicht erreicht. In Deutschland gibt es leider keine Lobby für das Aktiensparen, dabei ist es derzeit ein unverzichtbares Element der finanziellen Ruhestandssicherung.

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