19. August 2025

US-Dollar vs. Euro – wie Wechselkurse Ihre Rendite entscheiden

Über viele Jahre galt der MSCI World ETF als die „eierlegende Wollmilchsau“ der Geldanlage. Er ist breit gestreut, kostengünstig, einfach zu verstehen und überzeugte langfristig mit solider Rendite. Millionen Anleger setzten auf ihn, um mit nur einem Produkt am weltweiten Wirtschaftswachstum teilzuhaben. Vor allem in Phasen starker US-Börsen sorgte der...

Über viele Jahre galt der MSCI World ETF als die „eierlegende Wollmilchsau“ der Geldanlage. Er ist breit gestreut, kostengünstig, einfach zu verstehen und überzeugte langfristig mit solider Rendite. Millionen Anleger setzten auf ihn, um mit nur einem Produkt am weltweiten Wirtschaftswachstum teilzuhaben. Vor allem in Phasen starker US-Börsen sorgte der hohe Anteil an US-Unternehmen für beachtliche Wertzuwächse. Doch 2025 zeigt sich eine Kehrseite, die viele Privatanleger bislang unterschätzt haben, die Währungsabhängigkeit. Da rund zwei Drittel der im MSCI World enthaltenen Unternehmen aus den USA stammen, hängt die Wertentwicklung für Anleger im Euroraum stark vom Wechselkurs zwischen US-Dollar und Euro ab. In diesem Jahr drückt der schwache Dollar die in Euro gerechnete Rendite erheblich, selbst dann, wenn die Aktienkurse in den USA steigen. Für viele Anleger, die den MSCI World als sicheren Dauerbrenner betrachteten, ist diese Entwicklung ein Weckruf. Währungsschwankungen können selbst bei einem der breitesten ETFs spürbare Spuren in der Depotperformance hinterlassen.

Ein einfaches Rechenbeispiel

Wer 10.000 Euro in einen reinen US-Aktienfonds investiert, erhält bei einem Wechselkurs von 1 Euro zu 1 US-Dollar Aktien im Wert von 10.000 US-Dollar. Steigt der Euro, sodass 1 Euro nun 1,10 US-Dollar wert ist, verringert sich der Wert der Anlage in Euro auf rund 9.091 Euro – ein Minus von fast zehn Prozent, obwohl sich an den Aktienkursen nichts verändert hat. Umgekehrt kann ein schwächerer Euro den Wert erhöhen. Währungsschwankungen sind also ein zweischneidiges Schwert, das sowohl Verluste als auch zusätzliche Gewinne bringen kann.

Marktrisiko versus Währungsrisiko

Trotzdem sollte man die Dimension des Problems richtig einordnen. An den Devisenmärkten bewegen sich Währungen in der Regel um fünf bis zehn Prozent pro Jahr. Aktienmärkte hingegen schwanken weitaus starker. Nicht selten schwanken sie um 30 Prozent oder mehr. Für langfristige Anleger ist das Marktrisiko also meist deutlich relevanter als das Währungsrisiko. Zudem gleichen sich Wechselkurse über lange Zeiträume tendenziell aus.

Wo das Währungsrisiko tatsächlich steckt

Entscheidend ist nicht, ob ein ETF in US-Dollar oder Euro ausgewiesen wird, sondern in welcher Währung die Unternehmen im Fonds ihr Geschäft betreiben. Ein Welt-ETF mit hohem US-Anteil ist also automatisch stark vom Dollar abhängig, egal welche Fondswährung auf dem Papier steht. Diese Angabe ist oft eher Marketing als ein echtes Sicherheitsmerkmal. Hinzu kommt, dass viele große Konzerne, etwa Microsoft oder Nestlé, weltweit Umsätze in unterschiedlichen Währungen erzielen und sich intern gegen Wechselkursschwankungen absichern. Damit sinkt das Risiko für Anleger bereits auf Unternehmensebene.

Die Option der Währungsabsicherung

Wer dennoch jede Wechselkursschwankung ausschalten möchte, kann auf währungsgesicherte („gehedgte“) ETFs setzen. Diese sichern den Wechselkurs über Termingeschäfte ab, sodass Anleger nahezu die Rendite des ausländischen Marktes in Euro erhalten. Allerdings nach Abzug der Kosten für diese Absicherung. Diese Kosten sind nicht zu unterschätzen. Währungsgesicherte ETFs haben meist höhere laufende Gebühren, verursachen zusätzliche Transaktionskosten und vor allem den sogenannten Zinsdifferenz-Aufwand. Letzterer entsteht, wenn eine Währung mit höherem Zinsniveau – wie aktuell der US-Dollar – in eine Niedrigzinswährung wie den Euro abgesichert wird. Der Anleger zahlt die Differenz praktisch als „Versicherungsprämie“. Historische Vergleiche zeigen klar, dass währungsgesicherte Welt-ETFs über mehrere Jahre hinweg eine deutlich geringere Rendite erzielt haben als ungesicherte Varianten – oft mehrere Prozentpunkte pro Jahr weniger.

Strategien für Privatanleger

Der Aktienanteil im Depot sollte langfristig ohne Währungsabsicherung investiert werden. Schwankungen zwischen dem Euro und anderen Währungen gehören untrennbar zum globalen Investieren, gleichen sich über Zeiträume von zehn bis fünfzehn Jahren in der Regel aus und werden durch die breite Streuung eines Welt-ETFs zusätzlich abgefedert. Geduld und eine konsequente Ausrichtung auf weltweite Märkte sind hier die wirksamste Absicherung. Bei Anleihen hingegen ist Vorsicht geboten. Da deren Erträge naturgemäß geringer ausfallen, können Währungsschwankungen einen großen Teil der Rendite aufzehren oder sogar Verluste verursachen. Für den sicherheitsorientierten Teil des Portfolios empfiehlt es sich deshalb, entweder direkt in Euro-Anleihen zu investieren oder bei Fremdwährungsanleihen auf währungsgesicherte Produkte zurückzugreifen. Für die Geldanlage insgesamt gilt, dass die im ETF-Namen angegebene Fondswährung – etwa USD oder EUR – für das tatsächliche Risiko keine Rolle spielt.

Gelassenheit durch Verständnis

Ein starker Euro mindert also zwar zeitweise die Erträge ausländischer Aktien, stellt aber für den langfristigen Investor keinen systematischen Nachteil dar. Die Währungsabsicherung, die auf den ersten Blick Sicherheit verspricht, entpuppt sich in der Praxis häufig als teure Renditebremse. Gerade der MSCI World ist ein ideales Instrument, um langfristig Kapital aufzubauen – jedoch keine vollumfängliche Vermögensverwaltung. Bei größeren Summen gehört zu einer professionellen Anlagestrategie mehr als nur ein globaler ETF. Eine Vermögensverwaltung kann hier eine sinnvolle Alternative sein, weil sie die Währungsseite zumindest in Teilen gezielt steuern und strukturieren kann. Wer die Zusammenhänge versteht, kann gelassen bleiben, Schwankungen aushalten und den Fokus auf das richten, was wirklich zählt. Eine durchdachte Vermögensaufteilung, konsequentes Sparen und Zeit im Markt.

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