Donald Trump ist so einfach gestrickt, wie seine Wählerschaft. Das scheint ein Geheimnis seines Erfolges zu sein. Sein Weltbild ist relativ simpel. Es gibt die USA, das sind die Guten und es gibt die übrige Welt, die nur auf Kosten der USA leben. Er sieht seine Aufgabe darin, Amerikas Interessen gegen die ganze Welt zu verteidigen, koste es, was es wolle. Die Amerikaner lieben ihre Comic Superhelden. Kein Wunder, das auch der Präsident deren Popularität nutzen will und für sich selbst einen Superhelden-Namen kreierte. So twitterte er bereits im letzten Jahr er sei „Tariff Man“, ein Mann der Strafzölle. Das ist zwar nicht sehr staatsmännisch, aber kommt bei seinen Anhängern an. Schließlich stehen in 18 Monaten in den USA wieder Präsidentschaftswahlen an.

Protektionismus ist Gift für den globalen Handel

Weniger euphorisch reagieren allerdings die Börsen auf den selbsternannten Superhelden. Denn zweifelsohne belastet die langanhaltende Diskussion um Zölle die Märkte. Auch die bereits eingeführten Zölle schlagen sich in den Wachstumserwartungen der betroffenen Länder nieder. Protektionismus ist Gift für den globalen Handel. Dabei sah es zu Beginn gar nicht mal so schlecht aus. Die unkonventionelle Politik eines Donald Trump brachte die Partner zurück an den Verhandlungstisch. Auf einmal wurde über Zölle offen diskutiert. Vielleicht hätte diese Strategie auch zu einem für alle Beteiligten positiven Ende führen können. Leider stellt sich aber mittlerweile heraus, dass Donald Trump scheinbar gar keine Strategie verfolgt. Er provoziert und lässt die Muskeln spielen.

China wehrt sich

Am Donnerstag letzter Woche überraschte der Präsident seine Verhandlungspartner und vermutlich auch seine eigene Delegation mit einer plötzlichen Verschärfung der Zölle. Ab dem 1. September sollen auch die noch nicht mit Strafzoll belegten chinesischen Importe im Wert von etwa 300 Milliarden US-Dollar mit einem Strafzoll von zehn Prozent belegt werden. Diese weitere und plötzliche Eskalation im Handelskonflikt mit China sorgte für ein kleines Beben an den Aktienmärkten. Es kam zu ersten kräftigen Verlusten an den internationalen Börsen. Auch der extrem vom Export abhängige deutsche Leitindex Dax ging in die Knie. Das ungeschickte und poltrige Vorgehen des US-Präsidenten hat jetzt allerdings die Geduld der Chinesen überstrapaziert. China wehrt sich. Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping hatten erst Ende Juni am Rande des G20-Gipfels in Osaka einen “Waffenstillstand” im Handelskrieg und eine Wiederaufnahme der Gespräche vereinbart.

Vorwurf der Währungsmanipulation

In einem Handelskonflikt gibt es mindestens zwei Arten von „Waffen“. Neben der Erhebung von Zöllen auf ausländische Waren kann auch die eigene Währung als Druckmittel eingesetzt werden. Der offizielle Name der chinesischen Währung ist Renminbi, übersetzt „die Volkswährung“. Sie wurde nach der Gründung der Volksrepublik China 1949 eingeführt. Yuan, ausgesprochen als „Jüen“, bezeichnet die Zahleneinheit, wie der „Euro“ oder der „US-Dollar“. Am Montag hatte der Yuan im Vergleich zum US-Dollar stark an Wert verloren und war auf den tiefsten Stand seit mehr als elf Jahren gefallen. Ein Dollar kostete erstmals seit 2008 wieder mehr als sieben Yuan. Diese Marke galt unter Experten lange Zeit als vermeintlich “rote Linie”, die die chinesische Notenbank nicht überschreiten werde. Sofort unterstellen die USA der Chinesischen Notenbank die eigene Währung bewusst manipuliert zu haben.

Beobachter sprachen von einem „Mini-Crash“

Die neue Verschärfung des Streits wirkte sich auch auf die Finanzmärkte aus. Die Kurse an der Wall Street gaben nach und verzeichneten zu Börsenschluss die größten Verluste des Jahres. Alle wichtigen US-Indizes verloren deutlich. Beobachter sprachen schon von einem „Mini-Crash“. Auch der Dax geriet kräftig unter Druck und verlor alleine am Montag 1,8 Prozent. Denn der Yuan-Kurs bewegt sich nicht gänzlich frei nach Marktkräften, sondern wird von Chinas Notenbank in Grenzen gesteuert. Grundsätzlich legt die Zentralbank täglich einen Mittelkurs fest, um den der Yuan in Grenzen, zwei Prozent nach oben oder nach unten, schwanken darf. Bei der Festlegung des Mittelkurses orientiert sich die Notenbank aber an der vorherigen Marktentwicklung. Faktisch handelt sich also um ein Mischverfahren. Dies wirft bei jeder Marktbewegung die Frage auf, inwieweit die Kursbewegung durch die Marktteilnehmer oder durch die Notenbank zustande kam. Ein schwächerer Yuan begünstigt chinesische Exporte und mildert die Folgen von Strafzöllen ab. Ein Dollar-Kurs von 7,40 Yuan würde die Beeinträchtigung der chinesischen Konjunktur durch die US-Strafzölle komplett ausgleichen.

Ist Trump selber schuld an der Abwertung?

Natürlich wies die chinesische Notenbank den Vorwurf der Manipulation vehement zurück. Unabhängige Beobachter weisen auch darauf hin, dass Trump an der Schwäche des Yuan nicht ganz unschuldig ist. Denn eine über Zölle erzeugte Schwächung der amerikanischen Nachfrage nach chinesischen Waren übt auch Druck auf die chinesische Währung aus. Die chinesische Notenbank braucht daher den Wechselkurs nicht unbedingt künstlich nach unten zu treiben, sondern muss zunächst nur die von den Vereinigten Staaten erzeugte Abwertung zulassen. Vermutlich hat auch der selbst ernannte „Tariff Man“ seinen Beitrag zur Abwertung der chinesischen Währung geleistet. Denn an einer zu starken Abwertung kann auch China nicht interessiert sein. Diese kann eine Kapitalflucht auslösen, die den Abwärtstrend der Währung dann verstärkt. Eine solche Abwärtsspirale ist auch für die chinesische Notenbank schwer zu kontrollieren. Außerdem werden Importe nach China teurer.

China ist auch der größte Gläubiger der USA

China hat durch diesen Schritt unmissverständlich zu erkennen gegeben, dass man bereit und auch in der Lage ist sich wirkungsvoll zu wehren. Es bleibt zu hoffen, dass diese Botschaft bei dem selbsternannten Superhelden im Weißen Haus ankommt und verstanden wird. Schließlich ist China auch der größte Gläubiger der USA. Der Wert von US-Staatsanleihen in chinesischen Händen wird auf über eine Billion Dollar geschätzt. Ein Verkauf könnte die USA zusätzlich unter Druck setzen. Der von Trump losgetretene Zollstreit schwächt bereits die gesamte Weltwirtschaft. Sollte das Ganze in einem globalen Währungskonflikt enden, wären die Folgen unabsehbar. Handelskriege sind „gut und leicht zu gewinnen“ tönte es vor 1,5 Jahren aus dem Weißen Haus. Vermutlich doch nicht ganz so einfach wie sich der „Hobby-Ökonom“ das vorgestellt hat. Im nächsten Jahr will Donald Trump von seinen Wählern wiedergewählt werden. Eine Börse im Krisenmodus könnte dieses Ziel vereiteln. Die Hoffnung ist nicht unbegründet, dass es deshalb bei diesem kurzen Schlagabtausch bleibt und vielleicht bald doch eine Lösung gefunden wird. Die ersten Optimisten nutzten die Schwächephase bereits aus, der Dax startete positiv in den Dienstag.

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