Kaufen, wenn die Kanonen donnern

Die Furcht vor einer weiteren Eskalation in der Ukraine-Krise verunsichert die Anleger zusehends. Zum Wochenstart ist der Konflikt das alles beherrschende Thema an der Börse. Abzulesen ist die Nervosität der Anleger vor allem an dem DAX-Volatilitätsindex. Der VDAX-NEW wurde von der Deutschen Börse in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs entwickelt. Ein hoher VDAX-NEW-Wert weist auf einen unruhigen Markt hin, niedrige Werte hingegen lassen eine Entwicklung ohne starke Kursschwankungen erwarten. Gleich zu Beginn der Woche schoss der Index sechs Prozent in die Höhe. Am Montagmittag notierte er bei 32,59 Punkten, so hoch wie zuletzt vor einem Jahr. Den bislang höchsten Wert erzielte der VDAX-NEW mit einem Indexstand von 93,3 am 16. März 2020 während der COVID-19-Pandemie.

Raus aus Aktien?

Also nichts wie raus aus Aktien? Nein, im Gegenteil. Wer im März 2020 beim letzten Höchststand des VDAX den Mut hatte in den Markt einzusteigen, wird es seitdem nicht bereut haben. Denn Krisen sind rückblickend fast immer gute Einstiegszeitpunkte. Eine in diesen Tagen viel zitierte Börsenregel des Bankiers Carl Mayer von Rothschild gibt die Richtung für mutige Investoren vor. „Kaufen, wenn die Kanonen donnern und verkaufen, wenn die Violinen spielen“ heißt seine Regel, die er Anfang des 19. Jahrhundert aufstellte. Manchmal ist es richtig antizyklisch zu investieren, also zu kaufen, wenn alle anderen entsetzt der Börse den Rücken kehren und die Kurse fallen.

Es gibt Sonderangebote

Untersuchungen zeigen eindrucksvoll, dass diese Vorgehensweise nicht die schlechteste Idee ist. Viele politischen Krisen der letzten Jahrzehnte – die Iraq-Kriege in den 90er Jahren oder der 11. September 2001 – stellten sich im Nachhinein als gute Einstiegszeitpunkte heraus. Auch wenn es zynisch klingen mag, gerade Kriege oder drohende militärische Auseinandersetzungen waren für Anleger nicht die schlechtesten Ereignisse. Denn wenn es abwärts geht, dann gibt es Sonderangebote. Viele gute Unternehmen mit extrem stabilen Geschäftsmodellen werden zu Unrecht abgestraft, ihre Aktien rauschen mit in die Tiefe. Dabei sollten Anleger nicht versuchen auf den besten Einstiegszeitpunkt zu warten. Diesen zu treffen ist reine Glückssache.

Kaufgelegenheit nutzen

Grundsätzlich sollte eine Anlage in Aktien immer langfristiger Natur sein. Denn langfristig geht es immer wieder nach oben. Die aktuellen Verluste sind derzeit auch noch überschaubar. Bilanziell gesunde Unternehmen jetzt zu verkaufen, wäre aber ein Fehler. Besser ist es, solche Phasen als Kaufgelegenheit zu betrachten. Und da niemand weiß, wie weit die Kurse noch fallen, wann der Wendepunkt kommt und welche Werte sich zuerst erholen, empfiehlt sich vor allem in solchen Marktphasen eine Investition über einen Sparplan. Wenn man regelmäßig einen festen Betrag investiert, stellt sich die Frage nach dem besten Einstiegszeitpunkt gar nicht.

Verlustphasen gehören dazu

Verlustphasen sind für eine Investition in Aktien normal. Sie langfristig auszusitzen, ist bei Unternehmen mit gesundem Geschäftsmodell die beste Lösung. Gerade in solch turbulenten Marktphasen zeigt sich, wie wichtig eine gute Auswahl der Aktien ist. Viele Anleger versuchen das Risiko durch eine breite Diversifikation zu begrenzen. Entscheidend für die Risikoreduktion ist jedoch nicht die Anzahl der Positionen, sondern die Qualität und die Korrelation der einzelnen Titel. Warren Buffet beispielsweise konzentriert sich in seiner Anlagestrategie nur auf eine Handvoll Aktien. „In einem Harem mit 40 Frauen lernst du keine richtig kennen“, dieses Zitat von ihm beschreibt seinen Investitionsansatz prägnant. Wer seine Aktien kennt, den lassen auch Verlustphasen ruhig schlafen. Denn wer sich ein Portfolio aus robusten Qualitätsaktien aufgebaut hat, kann Verluste einfach laufen lassen.

Aktien bleiben alternativlos

Aktien sind eine wichtige Anlageklasse und sie bleiben alternativlos. Denn auch wenn die Notenbanken vermutlich in diesem Jahr etwas an der Zinsschraube drehen, von einer wirklichen Zinswende sind die Märkte noch weit entfernt. Qualitätsaktien dagegen bieten langfristig eine Rendite von sechs bis acht Prozent pro Jahr. An dieser langfristigen Wertentwicklung wird auch die aktuelle Krise wenig ändern. Ganz im Gegenteil, die Grundsteine für die größten Vermögen werden in Krisenzeiten gelegt. Allerdings erfordert ein stabiler Grundstein Sachverstand. Ob ein zufällig zusammengestelltes Portfolio aus ETFs oder Einzelaktien die nächsten Monate gut übersteht, bleibt abzuwarten. In den letzten Jahren war es einfach am Aktienmarkt Geld zu verdienen. „Die Flut hebt alle Boote, auch die mit Löchern im Rumpf“, in einer Krise sieht es schnell anders aus. Denn „erst wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer keine Badehose anhat“.

 

 

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