Seit einigen Wochen hat die Corona-Pandemie Deutschland und die Welt im Griff. Das öffentliche Leben ist nach wie vor eingeschränkt, Schutzmasken gehören zum gewohnten Anblick und die Sorgen der Verbraucher nehmen zu. Auch wenn die Fragen um unsere Gesundheit wichtig sind, rücken zunehmend auch wirtschaftliche Fragestellungen in den Vordergrund. Was passiert mit meinen Geldreserven, dem Aktiendepot oder der Altersvorsorge? Nach einer aktuellen Umfrage von KantarEmnid im Auftrag des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), hat etwa ein Drittel der Befragten die Befürchtung, dass ihre private Vorsorge wegen sinkender Aktienkurse oder niedrigerer Renditen an Wert verliert. In solchen Krisenzeiten zeigt es sich, wer einen Plan hat. Denn eine andere aktuelle Umfrage zeigt auch, dass diejenigen, die einen schriftlichen Finanzplan haben, fast dreimal so zuversichtlich sind, ihre finanziellen Ziele zu erreichen wie Verbraucher ohne einen solchen Plan. Finanzplanung im Sinne einer langfristigen Lebensplanung zahlt sich aus, gerade in Krisenzeiten.

Geldanlage schien so einfach

Auf den ersten Blick war Geldanlage in den letzten Jahren einfach. Wer einen simplen Exchange Traded Fund (ETF) auf den amerikanischen Aktienindex S&P 500 kaufte, konnte ohne großen Aufwand eine akzeptable Rendite erzielen. Viele Anleger haben sich die Frage gestellt, wozu sie eigentlich Finanzberatung brauchen, wenn der Vermögensaufbau und die Altersvorsorge mit einem ETF so einfach ist.  Durch die Corona-Krise und den nachfolgenden Einbruch am Kapitalmarkt dürfte vielen Verbrauchern aber vielleicht klar geworden sein, dass für den langfristigen Vermögensaufbau eine professionelle Beratung doch sinnvoll ist. Manch einer ist nämlich dabei zu große Risken eingegangen oder hatte seine Liquiditätsplanung nicht im Griff. Denn wer  sein angelegtes Geld in nächster Zeit braucht, muss unter Umständen jetzt unnötigerweise Verluste realisieren.

Ein Finanzplan schützt das Vermögen

Vor solchen Fehlentwicklungen kann ein vollständiger Finanzplan schützen. Denn er verschafft dem Anleger Klarheit über seine finanzielle Lage. Viele Sparer machen häufig den Fehler, die einzelnen Elemente ihres Vermögens, also Aktien, Versicherungen und Immobilien, isoliert zu betrachten. Aber das Vermögen ist mehr als die Summe seiner Teile, wenn es optimal strukturiert ist. Ein zentrales Element einer umfassenden Finanzplanung ist die Identifikation  der individuellen Risikoneigung und insbesondere die objektive Risikotragfähigkeit. Diese muss mit den finanziellen Zielen in Einklang gebracht werden. Durch die transparente Auflistung aller Vermögensbestandteile, können Risiken in der Vermögensstruktur aufgedeckt werden. Dadurch kann eine individuelle und passende langfristige Vermögensstruktur, Experten sprechen von der so genannten Asset Allocation, aufgebaut werden. Eine solche Vermögensstruktur, die große einseitige Risiken vermeidet, ist dann auch langfristig krisenresistent. Denn in Krisen wird, bei richtiger Allokation, häufig auch der Grundstein für die großen Vermögen der Zukunft gelegt.

Der „Notfallkoffer“

Ein Finanzplan kann aber auch noch viel mehr. Er bildet die Grundlage für den Notfallkoffer. In solch einen Koffer oder Ordner gehören unter anderem eine Vorsorgevollmacht, eine Patientenverfügung und ein Testament. Gerade die derzeitige Krisensituation sollte dazu genutzt werden, die  gewohnten Verhaltensweisen zu überdenken und jeder sollte sich die Frage stellen, ob man für den Ernstfall vorbereitet ist. Die Statistik spricht leider eine andere Sprache. Nicht einmal jeder Vierte Bundesbürger besitzt derzeit ein Testament. Eine Vorsorgevollmacht haben nicht einmal sechs Prozent der Deutschen. Dabei sollte jeder volljährige Bundesbürger, unabhängig vom Alter, eine Vorsorgevollmacht haben. Grundsätzlich geht es darum, dass man einer Person des Vertrauens das Recht einräumt, in dessen Namen stellvertretend zu handeln, wenn derjenige dazu selbst nicht mehr in der Lage ist. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten für die Ausgestaltung einer Vorsorgevollmacht. Zum einen die Spezialvollmacht, mit der jemand einer anderen Person die Erlaubnis zur Erledigung eines einzelnen Rechtsgeschäfts gibt und zum anderen die Generalvollmacht, die generell alle Rechtsgeschäfte umfasst. Vor allem für Ehepartner ist sie dringend notwendig, denn anders als viele glauben dürfen sie im Notfall nicht automatisch füreinander handeln. Dazu passt dann auch die Patientenverfügung. Damit legt man im Voraus für den Fall der Entscheidungsunfähigkeit schriftlich fest, ob und wie man in bestimmten Situationen ärztlich behandelt werden möchte. Im Testament wird letztlich die Vermögensnachfolge geklärt. Vor allem bei komplexen Vermögensverhältnissen empfiehlt sich dabei eine professionelle Begleitung und fachliche Ausgestaltung.

Checkliste für den Notfall

Tatsächlich führt uns die Pandemie deutlich vor Augen, wie wenig vorhersehbar das Leben ist. Umso wichtiger ist es, eine Notfallmappe bzw. einen „Notfallkoffer“ zu erstellen, um die Angehörigen über alles Wesentliche zu informieren. Um diesen möglichst übersichtlich zu gestalten, bietet es sich an, den Notfallordner in einen medizinischen, einen allgemeinen und finanziellen Teil zu gliedern. Der medizinische Teil sollte alle Daten zur Person, die Patientenverfügung im Original, die Namen der im Notfall zu informierenden Angehörigen, eine Liste möglicher chronischer Erkrankungen, Angaben zu Allergien und Unverträglichkeiten und sonstige Arztberichte enthalten. Im allgemeinen Teil sind die Originale und Kopien der wichtigsten Vollmachten, eine Kopie der Vorsorgevollmacht (Original besitzt der Bevollmächtigte), Bank- und Generalvollmacht, Entbindung der ärztlichen Schweigepflicht, eine Kopie des Testaments und alles zum digitalen Nachlass (PIN-Nummern und Zugangsdaten zu elektronischen Geräte und sonstigen Online-Konten). Der finanzielle Teil schließlich setzt sich aus einer komprimierten Fassung des Finanzplanes zusammen. Er enthält eine Vermögensbilanz, eine Auflistung der Einnahmen und Ausgaben und gibt einen Überblick über alle Konten, Depots und sonstigen Vermögenswerte. Wichtig ist natürlich, dass der Notfallordner gut sichtbar in der Wohnung platziert wird, beziehungsweise dass die Bevollmächtigten wissen wo er zu finden ist.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Gerade in der jetzigen Zeit verbringt man viel Zeit in den eigenen vier Wänden. Ein guter Zeitpunkt Ordnung zu schaffen und Dinge zu regeln, die vielleicht zu lange liegen geblieben sind. Wie stellte schon der US-amerikanische Präsident  Dwight D. Eisenhower richtig fest: „Der Plan ist nichts, die Planung ist alles!“ Nutzen Sie den Lockdown und bereiten sie sich auf die Zeit nach der Krise vor. Ein Finanzplan und Notfallordner helfen dabei, entspannter zu leben. Als ein vom FPSB Deutschland zertifizierter Certified Financial Planner unterstütze ich Sie dabei gerne.