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Die Stunde der „Market-Timer“

In solchen Phasen kommt die Stunde der „Market-Timer“. Vor dem großen Crash aus dem Markt aussteigen und dann genau beim Tiefpunkt günstig wieder einkaufen. So lautet das Credo der Anhänger. Auch Neuinvestoren stellen in sich in solchen Marktphasen die Frage: „Soll ich jetzt Aktien kaufen oder noch warten?“ Führende Ökonomen halten die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für überflüssig. Wenn man meint, dass man Aktien besitzen muss, dann ist es egal, wann man einsteigt. Den optimalen Kaufzeitpunkt erwischt sowieso niemand. Zumindest nicht geplant. Investorenlegende Warren Buffett bringt es wie so häufig treffend auf den Punkt. „Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt und der dümmste Grund eine Aktie zu verkaufen ist, weil sie fällt.“ Mit anderen Worten, man soll seine Aktien nicht kopflos kaufen oder verkaufen, nur weil die Anleger-Masse, in die eine oder andere Richtung rennt.

Ist Charttechnik die Lösung?

Vor allem bei den Anhängern der Charttechnik ist das Market-Timing weitverbreitet. Die Charttechnik, auch bekannt als technische Analyse, ist ein Ansatz zur Vorhersage der zukünftigen Preisbewegung von Wertpapieren durch die Analyse von historischen Preisdaten und Marktvolumen. Anhänger der Charttechnik glauben, dass Preisbewegungen nicht zufällig sind und dass historische Muster und Trends sich wiederholen. Durch die Untersuchung von Charts und die Anwendung verschiedener technischer Indikatoren versuchen Anleger, günstige Kauf- oder Verkaufszeitpunkte zu identifizieren. Insgesamt ist die Wissenschaftlichkeit der Chartanalyse umstritten. Während einige Elemente der technischen Analyse in bestimmten Kontexten empirische Unterstützung gefunden haben, lehnen viele Ökonomen die Methodik als Ganzes ab, insbesondere im Licht der Effizienzmarkttheorie.

Die Markteffizienzhypothese

Der Ökonom Eugene Fama hat schon Anfang der 70er Jahre mit seiner Markteffizienzhypothese (Effizienzmarkttheorie) die Theorie aufgestellt, das Finanzmärkte zu jedem Zeitpunkt effizient und alle vorhandenen Informationen bereits eingepreist sind. Für die Anhänger dieser Theorie sind die Preise an den Finanzmärkten immer und zu jeder Zeit fair. Aber auch wenn er dafür 2013 mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurde, zweifeln viele Ökonomen seine Theorie an. Für sie handelt es sich bei der Markteffizienztheorie um ein wunderbar schlüssiges mathematisches Modell, das allerdings den Praxisbeweis immer wieder schuldig bleibt. Für die Kritiker ist niemand in der Lage den fairen Wert einer Aktie zu benennen. Bei jedem Aktienhandel glaubt der Verkäufer, die Aktie sei jetzt zu teuer, und der Käufer, die Aktie sei jetzt zu billig. Im Nachhinein hat dann immer einer recht und einer nicht. Zehntausende Händler auf der ganzen Welt leben nämlich davon, dass sie Marktineffizienzen aufspüren und zu Geld machen. Einige der reichsten Leute dieser Erde, darunter auch Warren Buffett, verdanken ihre Milliarden ausschließlich des Aufspürens von Ineffizienzen. Value-Investoren wie er leben ja davon, unterbewertete Aktien aufzuspüren, zu kaufen und dann zu warten, bis die breite Masse der Anleger das Schnäppchen entdeckt und den Kurs hochtreibt.

Wenige Tage entscheiden über den Erfolg

Untersuchungen über langjährige Zeitintervalle haben eindrucksvoll gezeigt, dass in einem Börsenjahr mit rund 250 Handelstagen nur 3 bis 5 Tage über den Erfolg oder Misserfolg eine Anlage entscheiden. Wenn man zum richtigen Zeitpunkt einsteigen möchte, müsste man jedes Jahr diese fünf Tage genau treffen. H. Nejat Seyhun, Professor an der University of Michigan, hat 7802 Handelstage von 1963 bis 1993 untersucht und ist zu dem Schluss gekommen, dass in diesen 30 Jahren gerade mal 90 Tage 95 Prozent der Rendite generierten. Das sind im Schnitt sogar nur drei Tage pro Jahr. Jedes Mal, wenn man den Markt verlässt, geht man somit das Risiko ein, genau diese drei Tage zu verpassen. Für den perfekten Einstieg hat man damit praktisch eine Trefferquote von lediglich 3 zu 247.

Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen

Die Buy-and-Hold-Strategie bei der Aktienanlage scheint vor diesem Hintergrund die erfolgversprechendste Anlagestrategie zu sein. Aktien kaufen und über einen längeren Zeitraum halten, unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen, ist der Kerngedanke dieser Strategie. Diese Methode setzt ein tiefes Vertrauen in die fundamentale Stärke und das Wachstumspotenzial der ausgewählten Unternehmen voraus. Ernsthafte und langfristig orientierte Anleger sollten sich immer an den legendären Satz des SPD-Urgesteins Herbert Wehner erinnern. „Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen“, rief er in einer Debatte einigen CDU-Abgeordneten hinterher, die aus Protest auf seine Rede hin das Plenum verließen. Auch wenn Herbert Wehner nicht als Finanzinvestor in Erinnerung geblieben ist, mit dieser Feststellung hatte er recht. Wobei eine Rückkehr durch die Tür des Bundestages einfacher und preiswerter ist als eine erfolgreiche Rückkehr in den Finanzmarkt. Den hinausstürmenden CDU-Abgeordneten rief er dann noch hinterher: „Ich sage Ihnen Prost, weil Sie wahrscheinlich dahin gehen.“ Dieser Aufforderung können Anleger in unruhigen Zeiten Folge leisten. Ein guter Rotwein hilft manchem auch, die innere Ruhe zu finden." ["post_title"]=> string(30) "Aktien – Kaufen oder Warten?" ["post_excerpt"]=> string(0) "" ["post_status"]=> string(7) "publish" ["comment_status"]=> string(6) "closed" ["ping_status"]=> string(6) "closed" ["post_password"]=> string(0) "" ["post_name"]=> string(25) "aktien-kaufen-oder-warten" ["to_ping"]=> string(0) "" ["pinged"]=> string(0) "" ["post_modified"]=> string(19) "2024-02-28 17:28:14" ["post_modified_gmt"]=> string(19) "2024-02-28 16:28:14" ["post_content_filtered"]=> string(0) "" ["post_parent"]=> int(0) ["guid"]=> string(37) "https://portfolio-concept.de/?p=10013" ["menu_order"]=> int(0) ["post_type"]=> string(4) "post" ["post_mime_type"]=> string(0) "" ["comment_count"]=> string(1) "0" ["filter"]=> string(3) "raw" }

Aktien – Kaufen oder Warten?

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Die Stunde der „Market-Timer“

In solchen Phasen kommt die Stunde der „Market-Timer“. Vor dem großen Crash aus dem Markt aussteigen und dann genau beim Tiefpunkt günstig wieder einkaufen. So lautet das Credo der Anhänger. Auch Neuinvestoren stellen in sich in solchen Marktphasen die Frage: „Soll ich jetzt Aktien kaufen oder noch warten?“ Führende Ökonomen halten die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für überflüssig. Wenn man meint, dass man Aktien besitzen muss, dann ist es egal, wann man einsteigt. Den optimalen Kaufzeitpunkt erwischt sowieso niemand. Zumindest nicht geplant. Investorenlegende Warren Buffett bringt es wie so häufig treffend auf den Punkt. „Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt und der dümmste Grund eine Aktie zu verkaufen ist, weil sie fällt.“ Mit anderen Worten, man soll seine Aktien nicht kopflos kaufen oder verkaufen, nur weil die Anleger-Masse, in die eine oder andere Richtung rennt.

Ist Charttechnik die Lösung?

Vor allem bei den Anhängern der Charttechnik ist das Market-Timing weitverbreitet. Die Charttechnik, auch bekannt als technische Analyse, ist ein Ansatz zur Vorhersage der zukünftigen Preisbewegung von Wertpapieren durch die Analyse von historischen Preisdaten und Marktvolumen. Anhänger der Charttechnik glauben, dass Preisbewegungen nicht zufällig sind und dass historische Muster und Trends sich wiederholen. Durch die Untersuchung von Charts und die Anwendung verschiedener technischer Indikatoren versuchen Anleger, günstige Kauf- oder Verkaufszeitpunkte zu identifizieren. Insgesamt ist die Wissenschaftlichkeit der Chartanalyse umstritten. Während einige Elemente der technischen Analyse in bestimmten Kontexten empirische Unterstützung gefunden haben, lehnen viele Ökonomen die Methodik als Ganzes ab, insbesondere im Licht der Effizienzmarkttheorie.

Die Markteffizienzhypothese

Der Ökonom Eugene Fama hat schon Anfang der 70er Jahre mit seiner Markteffizienzhypothese (Effizienzmarkttheorie) die Theorie aufgestellt, das Finanzmärkte zu jedem Zeitpunkt effizient und alle vorhandenen Informationen bereits eingepreist sind. Für die Anhänger dieser Theorie sind die Preise an den Finanzmärkten immer und zu jeder Zeit fair. Aber auch wenn er dafür 2013 mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurde, zweifeln viele Ökonomen seine Theorie an. Für sie handelt es sich bei der Markteffizienztheorie um ein wunderbar schlüssiges mathematisches Modell, das allerdings den Praxisbeweis immer wieder schuldig bleibt. Für die Kritiker ist niemand in der Lage den fairen Wert einer Aktie zu benennen. Bei jedem Aktienhandel glaubt der Verkäufer, die Aktie sei jetzt zu teuer, und der Käufer, die Aktie sei jetzt zu billig. Im Nachhinein hat dann immer einer recht und einer nicht. Zehntausende Händler auf der ganzen Welt leben nämlich davon, dass sie Marktineffizienzen aufspüren und zu Geld machen. Einige der reichsten Leute dieser Erde, darunter auch Warren Buffett, verdanken ihre Milliarden ausschließlich des Aufspürens von Ineffizienzen. Value-Investoren wie er leben ja davon, unterbewertete Aktien aufzuspüren, zu kaufen und dann zu warten, bis die breite Masse der Anleger das Schnäppchen entdeckt und den Kurs hochtreibt.

Wenige Tage entscheiden über den Erfolg

Untersuchungen über langjährige Zeitintervalle haben eindrucksvoll gezeigt, dass in einem Börsenjahr mit rund 250 Handelstagen nur 3 bis 5 Tage über den Erfolg oder Misserfolg eine Anlage entscheiden. Wenn man zum richtigen Zeitpunkt einsteigen möchte, müsste man jedes Jahr diese fünf Tage genau treffen. H. Nejat Seyhun, Professor an der University of Michigan, hat 7802 Handelstage von 1963 bis 1993 untersucht und ist zu dem Schluss gekommen, dass in diesen 30 Jahren gerade mal 90 Tage 95 Prozent der Rendite generierten. Das sind im Schnitt sogar nur drei Tage pro Jahr. Jedes Mal, wenn man den Markt verlässt, geht man somit das Risiko ein, genau diese drei Tage zu verpassen. Für den perfekten Einstieg hat man damit praktisch eine Trefferquote von lediglich 3 zu 247.

Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen

Die Buy-and-Hold-Strategie bei der Aktienanlage scheint vor diesem Hintergrund die erfolgversprechendste Anlagestrategie zu sein. Aktien kaufen und über einen längeren Zeitraum halten, unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen, ist der Kerngedanke dieser Strategie. Diese Methode setzt ein tiefes Vertrauen in die fundamentale Stärke und das Wachstumspotenzial der ausgewählten Unternehmen voraus. Ernsthafte und langfristig orientierte Anleger sollten sich immer an den legendären Satz des SPD-Urgesteins Herbert Wehner erinnern. „Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen“, rief er in einer Debatte einigen CDU-Abgeordneten hinterher, die aus Protest auf seine Rede hin das Plenum verließen. Auch wenn Herbert Wehner nicht als Finanzinvestor in Erinnerung geblieben ist, mit dieser Feststellung hatte er recht. Wobei eine Rückkehr durch die Tür des Bundestages einfacher und preiswerter ist als eine erfolgreiche Rückkehr in den Finanzmarkt. Den hinausstürmenden CDU-Abgeordneten rief er dann noch hinterher: „Ich sage Ihnen Prost, weil Sie wahrscheinlich dahin gehen.“ Dieser Aufforderung können Anleger in unruhigen Zeiten Folge leisten. Ein guter Rotwein hilft manchem auch, die innere Ruhe zu finden.

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