Fast 250.000 Jahre lang beherrschten die Neandertaler Europa. Vor gut 30.000 Jahren war dann auf einmal Schluss und es verliert sich ihre Spur. Warum der Neandertaler ausgestorben ist, ist noch nicht eindeutig geklärt. Besser dokumentiert dagegen, aber genauso plötzlich und überraschend, verschwand 2012 der Filmhersteller Kodak. Im Jahr 1888 gegründet, 150.000 Mitarbeiter weltweit zu besten Zeiten und dann auf einmal im Jahr 2012 insolvent. Dabei haben die Menschen nicht aufgehört zu fotografieren. Im Gegenteil, es wird geknipst wie verrückt. Das Unternehmen wurde Opfer der Disruption.

“Eine disruptive Technologie ist eine Innovation, die eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung vollständig verdrängt”, so definiert Wikipedia den Begriff, der in vielen Branchen für Angstschweiß sorgt. Der Begriff mag neu sein, die Sache an sich ist es natürlich nicht. Disruption entsteht immer dann, wenn bestehende Systeme träge, selbstgerecht und zukunftsblind werden. Manche Geschäftsmodelle ändern sich dramatisch. Das größte Taxiunternehmen der Welt besitzt kein einziges eigenes Fahrzeug (Uber), der größte Zimmervermittler kein einziges Zimmer (Airbnb) und die größte online-Handelsplattform (Alibaba) kein einziges Lager.

Aber ist die Panik in den Chefetagen vieler Unternehmen überhaupt gerechtfertigt. Einen ähnlichen Effekt beschrieb bereits fast 100 Jahre vorher einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, der österreichische Volkswirt und Sozialwissenschaftler Joseph Schumpeter. Disruption hieß bei ihm allerdings noch „schöpferische Zerstörung“. Eine Phase der Veränderung ist immer ideal, um zu investieren. Denn im Ergebnis wird man gestärkt aus der Phase des Wandels herausgehen. Am Ende werden alle profitieren, die Politik, die Wirtschaft und die Anleger. Zumindest wenn sie investiert sind.

Redakteur: Diplom-Kaufmann Markus Richert, CFP®
Seniorberater Vermögensverwaltung

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