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Geldanlage macht konservativen Anlegern seit einigen Jahren nicht mehr viel Freude. Millionen Sparer klagen seit langem über die Folgen der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Die EZB flutet die Märkte mit Geld und berechnet für Einlagen der Kreditinstitute Strafzinsen. Waren bis jetzt nur institutionelle Großanleger betroffen, ist der Damm seit einigen Monaten gebrochen und immer mehr Banken bitten auch den „normalen“ Privatkunden zu Kasse. Ab September müssen sich auch Kunden der Sparda-Bank Berlin auf Negativzinsen einstellen. Wer 100.000 Euro und mehr auf einem Tagesgeldkonto der Bank parkt, zahlt 0,4 Prozent pro Jahr. Die Sparda-Bank Berlin geht damit genauso vor wie zuvor bereits die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee und die Volksbank Stendal, die seit einiger Zeit ebenfalls ab 100.000 Euro einen Minuszins berechnen.

Immer mehr Banken sind gezwungen die erhöhten Kosten bedingt durch die Geldpolitik der EZB an Ihre Endkunden weiterzugeben. Hintergrund ist, dass die Banken selbst einen Strafzins von 0,4 Prozent berappen müssen, wenn sie über Nacht überschüssige Kundengelder bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Dieser Strafzins kommt die Banken teuer zu stehen. Laut einer aktuellen Berechnung der Beratung Barkow Consulting, hat der Strafzins die deutschen Geldhäuser im vergangenen Jahr 1,1 Milliarden Euro gekostet. Allein die knapp 400 deutschen Sparkassen taxieren die Kosten 2016 auf 560 Millionen Euro. Aus diesem Grund sind Sparkassen und Banken derzeit am Geld der Sparer nicht interessiert. Sie ersaufen in Liquidität. Entsprechend unattraktiv ist die Gestaltung der Konditionen. Die Geldhäuser, die noch eine Verzinsung des Tagesgeldkontos bieten, werden immer weniger. Die meisten Banken zahlen gar nichts mehr auf das Tagesgeldkonto – also einen Zins von 0,0 Prozent. Der deutsche Sparer lässt sich aber davon nicht abhalten. Rund 10 Prozent ihrer Einkommen sparen sie im Schnitt. Pro Jahr sind das rund 150 Mrd. Euro. Ein Großteil davon landet weiter auf dem zinslosen Giro- und Tagesgeldkonto.

Dabei hatten die deutschen Sparer in den letzten Jahren noch sehr viel Glück. Denn auch die jährlichen Inflationsraten blieben sehr niedrig. Hierbei könnte sich nun eine Verschlechterung einstellen. Die Preise steigen seit Ende 2016 wieder kräftiger; die Inflationsrate hat in jüngster Zeit fast 1,4 Prozent erreicht, so dass sich dadurch echte Kaufkraftverluste ergeben. Offiziell hat die EZB eine Inflationsrate von 2 Prozent in der gesamten Euro-Zone als Ziel ihrer Geldpolitik verkündet. Allerdings sollten sich Sparer keine Hoffnung machen, das mit dem Erreichen der Zielmarke auch eine baldige Wende in der Zinspolitik ansteht. In vielen anderen Mitgliedsländern des Euro-Systems liegt die Preissteigerung noch immer deutlich unter 2 Prozent.

Während die konservativen Sparer in den letzten Jahren durch die Politik der Notenbank real enteignet wurden, knallen bei den Aktieninvestoren die Champagnerkorken. Erst am letzten Freitag erreichte der Dax mit 12.878 Punkten einen neuen Rekordstand. Das Überschreiten der 13.000 Punkte Schwelle ist jetzt für viele Beobachter nur noch eine Frage der Zeit. Erst im Februar dieses Jahres wurde die Marke von 12.000 Punkten erstmals seit April 2015 wieder erreicht. Deutsche Sparer müssen also umdisponieren. Diejenigen, die schon vor 3 bis 4 Jahren ihre Ersparnisse in solide Anlagen auf den Kapitalmärkten umgeleitet haben, konnten durchweg gute Renditen erzielen. Seit Anfang 2015 sind zum Beispiel die Aktienkurse von Adidas um 105 Prozent, von Infineon um über 50 Prozent, von SAP um mehr als 30 Prozent, von Siemens um gut 20 Prozent und von der Deutschen Post um 11 Prozent gestiegen. Aber nicht nur die Kursgewinne bieten Anlass zur Freude, sondern auch die Dividendenrendite liegt im Schnitt bei mehr als 3 Prozent pro Jahr. Zum Vergleich, die Rendite für eine festverzinsliche 10-jährige Bundesanleihe hat sich zwar gegenüber 2016 minimal um 0,07 Prozent erhöht, liegt dennoch derzeit gerade einmal bei 0,25 Prozent.

Trotz der beindruckenden Rallye am deutschen Aktienmarkt in den letzten Monaten, sind deutsche Aktien im Vergleich zu den amerikanischen Titeln immer noch recht günstig. Vor allem der deutsche Aktienmarkt ist sehr prozyklisch ausgerichtet und profitiert vom globalen Wirtschaftsaufschwung. Das macht den Dax vor allem für ausländische Investoren interessant. Erst in der vergangenen Woche hat Warren Buffet weitere 200 Millionen Euro in den Kölner Chemiekonzern Lanxess investiert und damit drei Prozent der Anteile übernommen. Gerade amerikanische Investoren entdecken Deutschland und vor allem Europa in den letzten Wochen wieder neu. Seit der Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten haben Anleger zwölf Milliarden Euro in europäische Aktienfonds investiert. Vor allem die Stabilität des Euros sorgt für Zuversicht bei außereuropäischen Investoren und verstärkt diese Entwicklung.

Die politischen Risiken haben in den ersten Monaten des Jahres 2017 stark abgenommen. Weder bei den Wahlen in den Niederlanden, in Österreich noch bei denen in Frankreich konnten sich europakritische Populisten durchsetzen. Für etwas Unsicherheit sorgen nur noch die in Kürze beginnenden Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien und die Probleme in Italien. Aber selbst wenn sich in Italien die Europakritiker bei den anstehenden Wahlen durchsetzen sollten, für ein Referendum über einen Euro-Ausstieg müsste Italien seine Verfassung ändern. Eine große Hürde.

Das Wachstum in Europa ist auf einem stabilen positiven Pfad. Schon im vergangenen Jahr fiel das Wirtschaftswachstum in der Eurozone mit 1,8 Prozent stärker aus als in Amerika (1,6 Prozent). In den ersten drei Monaten des Jahres hat sich dieser positive Trend fortgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg in der Währungsunion um 0,5 Prozent zum Vorquartal und damit mehr als doppelt so schnell wie in den Vereinigten Staaten. Das Gewinnwachstum der europäischen Unternehmen liegt aktuell auf einem hervorragenden Niveau. Im breiten europäischen Index Stoxx 600 legten die Unternehmensgewinne um 37 Prozent zu. Die meisten Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Gewinnzuwächse in Europa auch übers gesamte Jahr gesehen deutlich im zweistelligen Bereich liegen werden.

Für deutsche Sparer wird es also Zeit, schnellstens umzudenken. Große Teile der Bevölkerung haben die Auswirkungen der niedrigen Zinsen auf ihre Sparanlagen noch nicht erkannt. Für viele deutsche Sparer stellt die Aktie nach wie vor eine große mentale Hürde dar. Die Allianz kam in einer weltweiten Vermögensstudie (Global Wealth Report) zum Ergebnis, die Deutschen hätten in den vergangenen vier Jahren rund 200 Milliarden Euro “verschenkt”, weil sie sich nicht an die Börse wagten. Trotz Niedrigst- und Negativzinsen präferiert die Mehrzahl kurzfristige und sehr liquide Anlagen wie Bankeinlagen, deren Rendite bei null liegt. Im Herbst 2016 hatten 40 Prozent der 2000 Befragten Geld auf einem Sparbuch. Aktien wiederum halten 20 Prozent der Befragten für attraktiv, investiert sind dort aber nur zwölf Prozent. Anleger müssen sich entscheiden, ob sie ihr Geld nur parken oder ob sie es langfristig investieren wollen. Für die Investoren gilt jedoch gerade in dem jetzigen Umfeld: no risk, no fun.

Redakteur: Diplom-Kaufmann Markus Richert, CFP®
Seniorberater Vermögensverwaltung