27. August 2025

Geldanlage im Ruhestand – Aktien als Vermögensanker

Für viele Anleger gilt die Faustregel, das Geld im Ruhestand nur noch sicher anzulegen. Sparbücher, Festgelder und Anleihen sind nach wie vor für viele Anleger die bevorzugten Instrumente. Doch dieses Denken gehört der Vergangenheit an. Die steigende Lebenserwartung, die anhaltende Inflation und das niedrige Zinsniveau machen eine rein konservative Anlagestrategie...

Für viele Anleger gilt die Faustregel, das Geld im Ruhestand nur noch sicher anzulegen. Sparbücher, Festgelder und Anleihen sind nach wie vor für viele Anleger die bevorzugten Instrumente. Doch dieses Denken gehört der Vergangenheit an. Die steigende Lebenserwartung, die anhaltende Inflation und das niedrige Zinsniveau machen eine rein konservative Anlagestrategie für Ruheständler gefährlich. Wer sein Kapital nur bei einer Bank liegen lässt, riskiert einen schleichenden, aber sicheren Kaufkraftverlust.

Vorteile von Aktien im Ruhestand

Der größte Feind des Altersvermögens ist die Inflation. Während Sparprodukte kaum Zinsen abwerfen, entwerten steigende Preise Ihr Kapital Jahr für Jahr. Aktien hingegen gelten als wirksamer Schutz vor Inflation. Unternehmen können Preissteigerungen an ihre Kunden weitergeben und so ihre Gewinne und damit ihren Wert steigern. Langfristig bieten Aktien die Chance, die Kaufkraft des Vermögens nicht nur zu erhalten, sondern zu steigern, um die steigenden Lebenshaltungskosten zu decken. Eine rein auf den Kapitalerhalt fokussierte Strategie ist daher ohne die Berücksichtigung von Aktien zum Scheitern verurteilt.

Einkommen durch Dividenden

Darüber hinaus bieten Aktien nicht nur die Chance auf Wertsteigerung, sondern auch auf ein regelmäßiges passives Einkommen durch Dividenden. Dabei handelt es sich um Gewinnausschüttungen von Unternehmen an ihre Aktionäre. Dieses Einkommen kann eine wichtige Ergänzung zur gesetzlichen Rente darstellen. Um die Ausschüttungen zu planen, setzen viele Anleger auf sogenannte Dividenden-Aristokraten – Unternehmen, die ihre Dividenden seit mindestens 25 Jahren kontinuierlich erhöht haben. Eine einfache und breit gestreute Alternative dazu sind spezielle Dividenden-ETFs. Diese Fonds investieren in eine Vielzahl von Unternehmen, die stabile Dividendenzahler sind, und können so ein zuverlässiges monatliches oder quartalsweises Einkommen generieren. Es ist jedoch wichtig, zwischen ausschüttenden und thesaurierenden ETFs zu unterscheiden. Ausschüttende ETFs zahlen die Dividenden direkt an Sie aus, während thesaurierende ETFs diese sofort reinvestieren, was in der Ansparphase vorteilhaft ist, aber im Ruhestand unpraktisch sein kann.

Längere Lebenserwartung und Vermögenssicherung

Wer heute in Rente geht, kann mit einem deutlich längeren Ruhestand rechnen als frühere Generationen. Dies bedeutet, dass das Vermögen über einen Zeitraum von 20, 30 oder mehr Jahren ausreichen muss. Eine reine Entnahmestrategie, die das Kapital nach und nach aufzehrt, birgt das Risiko, dass das Geld vor dem Ende des Lebens zur Neige geht. Eine Anlagestrategie, die auch im Ruhestand eine Rendite erzielt, ist daher unerlässlich. Aktien ermöglichen es, dass das Vermögen nicht nur schrumpft, sondern weiterhin wächst. Zudem kann ein Portfolio, das Aktien enthält, an die nächste Generation weitergegeben werden, sodass die Erben an der langfristigen Wertentwicklung teilhaben können. Bestimmte rechtliche Konstruktionen wie das Nießbrauchdepot bieten darüber hinaus steuerliche Vorteile bei der Vermögensweitergabe.

Risiken und Risikomanagement

Auch wenn Aktien im Ruhestand unerlässlich sind, dürfen ihre Risiken nicht ignoriert werden. Aktienkurse unterliegen naturgemäß Schwankungen. Ein kurzfristiger Kursrückgang kann für einen Rentner, der auf die Entnahme angewiesen ist, besonders gefährlich sein. Dieses Phänomen wird als „Sequence-of-Returns-Risiko“ bezeichnet. Wenn der Ruhestand kurz nach einem Börseneinbruch beginnt, müssen Anleger Aktien zu einem niedrigeren Preis verkaufen, um ihre Lebenshaltungskosten zu decken. Das Kapital schrumpft schneller als in einer Phase, in der die Kurse steigen. Dieses Risiko kann die gesamte Anlagestrategie gefährden.

Die Bucket-Strategie als Lösung

Um dieses Risiko zu minimieren, hat sich die sogenannte Bucket-Strategie (Eimer-Strategie) bewährt. Sie teilt das Vermögen in drei „Eimer“ auf, die auf unterschiedliche Zeithorizonte ausgerichtet sind. Der erste „Eimer“ (Kurzfristig) enthält ausreichend Barmittel oder sichere Anlagen wie Tagesgeld und Festgeld für die nächsten 1-3 Jahre. Der zweite „Eimer“ (Mittelfristig) enthält Anleihen oder breit gestreute ETFs, die weniger volatil sind, und deckt die Entnahmen für die nächsten 3-10 Jahre ab. Der dritte „Eimer“ (Langfristig) enthält den Großteil des Aktien- oder Immobilienvermögens. Dieser „Eimer“ dient dem langfristigen Wachstum und wird nicht direkt für Entnahmen angetastet. Wenn ein Börsenabschwung eintritt, entnehmen Sie das Geld aus dem ersten Eimer, während sich die Aktien im dritten Eimer erholen können. Sobald sich die Märkte erholt haben, füllen Sie den ersten Eimer durch Verkäufe aus dem dritten Eimer wieder auf.

Diversifikation und strategische Aufteilung

Keine Strategie funktioniert ohne Diversifikation. Streuen Sie Ihr Vermögen breit über verschiedene Regionen (z. B. den globalen Aktienmarkt) und Branchen, um das Risiko einzelner Ausfälle zu minimieren. Die Asset Allokation, also die Verteilung auf Aktien, Anleihen und Barmittel, sollte sich im Alter ebenfalls anpassen. Ein verbreiteter Mythos besagt, dass der Aktienanteil im Alter konsequent gesenkt werden sollte. Neuere Studien zeigen jedoch, dass ein etwas höherer Aktienanteil als lange angenommen, nicht zwangsläufig zu schlechteren Ergebnissen führt. Stattdessen können die regelmäßigen Entnahmen und die Erträge aus den liquiden Bestandteilen (Eimer 1 und 2) das Risiko abfedern.

Die 4-Prozent-Regel und flexible Entnahmen

Die 4-Prozent-Regel besagt, dass Anleger ab dem ersten Jahr des Ruhestands 4 Prozent ihres Kapitals entnehmen können, wobei dieser Betrag jährlich an die Inflation angepasst wird. Historisch gesehen hat diese Strategie oft dazu geführt, dass das Kapital über 30 Jahre lang ausreichte. Die Regel ist jedoch starr und berücksichtigt die Volatilität der Märkte nicht. In Phasen hoher Inflation oder bei einem Börsencrash kurz nach Rentenbeginn kann die starre Entnahmerate zu einem vorzeitigen Aufzehren des Kapitals führen. Ein flexiblerer Ansatz, der die Entnahmerate an die Marktentwicklung anpasst, ist daher oft sinnvoller.

Depot-Umbau vor dem Ruhestand

Der Übergang von der Akkumulations- zur Entnahmephase sollte nicht von heute auf morgen erfolgen. Es empfiehlt sich, 5-10 Jahre vor dem Ruhestand mit dem Umbau des Depots zu beginnen. In dieser Zeit sollten Sie das Depot schrittweise von einer wachstumsorientierten (hoher Aktienanteil) zu einer einkommens- und kapitalerhaltorientierten Strategie (höherer Anteil an Anleihen, Cash) umstrukturieren. Ziel ist es, planbare Liquidität für die ersten Jahre zu schaffen und das Depot weniger anfällig für kurzfristige Rückschläge zu machen.

Geduld und Strategie sind entscheidend

Ein wohlhabender Ruhestand erfordert eine durchdachte Strategie, die über Sparbuch und Festgeld hinausgeht. Ein Teil des Vermögens sollte auch im Alter in Aktien investiert bleiben, um die Kaufkraft zu erhalten, ein passives Einkommen zu generieren und die steigende Lebenserwartung zu berücksichtigen. Währungsrisiken, Volatilität und Marktschwankungen gehören untrennbar zum globalen Investieren, gleichen sich aber über lange Zeiträume tendenziell aus und werden durch breite Streuung abgefedert. Eine durchdachte Vermögensaufteilung, konsequentes Sparen und vor allem Geduld sind die wichtigsten Faktoren für den langfristigen Erfolg. Wer diese Zusammenhänge versteht, kann Schwankungen gelassener aushalten und seinen Fokus auf das richten, was wirklich zählt: einen finanziell unabhängigen Ruhestand.

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