Die eierlegende Wollmilchsau ist eine umgangssprachliche Redewendung, mit der etwas umschrieben wird, das nur Vorteile hat, alle Bedürfnisse befriedigt und allen Ansprüchen genügt. Die Züchterfantasie besteht aus einem Schwein das Merinowolle trägt, Milch gibt und dazu noch Eier legen kann. Bei allem Fortschritt in der Gentechnik konnte ein solches Nutztier bis jetzt noch nicht gezüchtet werden. In der Finanzindustrie ist man damit schon einen Schritt weiter. Zumindest dann, wenn es nach der Mehrheit der Verbrauchschützer und Finanzjournalisten geht. Denn seit einigen Jahren werden sie nicht müde die ETFs als das Wundermittel für das private Depot anzupreisen.

Vor 20 Jahren begann die Erfolgsgeschichte

Gut 20 Jahre ist es nun her, als das Anlageinstrument über den Atlantik nach Europa kam. Exchange-Traded Funds, kurz ETFs, sind seitdem zu einer echten Erfolgsgeschichte geworden. Die ersten Jahre führte die neue Fondsgattung noch ein Schattendasein. Von privaten Anlegern kaum beachtet, lediglich professionelle Investoren griffen vereinzelt darauf zurück. Zur Jahrtausendwende betrug das ETF-Fondsvermögen in Europa gerade einmal 400 Millionen Euro. Bis Ende 2019 stieg das Volumen dann auf rund 1 Billion Euro an. Weltweit sind mittlerweile sogar rund 6 Billionen US-Dollar in ETFs investiert.

Auf den ersten Blick nur Vorteile

Die vermeintlichen Vorteile liegen auch klar auf der Hand. Kein Ausgabeaufschlag, geringe Verwaltungsgebühren und jederzeit an der Börse handelbar.  Für viele Berichterstatter avancierten die ETFs deshalb schnell zur eierlegenden Wollmilchsau der Geldanlage. Auf den ersten Blick nur Vorteile. Zusätzlich machten die bisherigen Platzhirsche in der privaten Geldanlage es der neuen Fondsgattung auch einfach. Immer noch verlangen viele Banken für die Vermittlung eines aktiven Investmentfonds einen Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent. Zusätzlich zu den mitunter recht hohen laufenden Gebühren. Die Performance dagegen sah häufig schlechter aus. Den meisten aktiven Fonds gelang es nicht nachhaltig den Markt zu schlagen.

Index-Hugging

So mancher Fondsmanager hatte es sich scheinbar gemütlich eingerichtet. Viele Manager betrieben „Index-Hugging“, klebten im Wesentlichen an ihrem Vergleichsindex und boten damit nicht viel mehr als ein ETF. Allerdings zu höheren Kosten. Falsche Anreizsysteme in der Fondsindustrie verstärken in den letzten Jahren diesen Effekt. Denn ein Fondsmanager der negativ von seinem Vergleichsindex abweicht riskiert seinen Job. Risiko in der Anlage wird nicht belohnt. Kopiert man jedoch den Index, so besteht nie die Gefahr einer unterdurchschnittlichen Wertentwicklung beziehungsweise einer größeren negativen Abweichung vom Index, mit dem man verglichen wird. Häufig liegt der Erfolg eines Fondsmanagers damit nicht im Gewinnen, sondern im Nicht-Verlieren.

Wer keine Entscheidung trifft, der macht auch keine Fehler

Ironischerweise verhalten sich damit viele aktive Fondsmanager fast so wie der Urvater des passiven Investierens und „Indexfonds-Erfinder“ Jack Bogle es immer predigte. Seine Investitionsstrategie lautete vereinfacht gesagt: „Wer keine Entscheidung trifft, der macht auch keine Fehler – und spart obendrein Kosten“. Stoisch dem breiten Markt zu folgen ist demnach langfristig erfolgreicher, als aktiv sein Portfolio zu optimieren. Denn der Pionier des passiven Investierens ging von einem langfristigen Anlagehorizont aus. Investments sollten dauerhaft angelegt werden, alles andere wäre pure Spekulation. „Hin und her macht Taschen leer“ lautet eine populäre Börsenweisheit.

ETF Investoren handeln hyperaktiv

Eine Börsenweisheit die allerdings viele Anleger regelmäßig ignorieren. Denn die einfache Handhabung und eine wachsende Auswahl an ETFs, die spezielle Marktsegmente oder Strategien abbilden, motivieren viele Anleger zu aktivem Anlageverhalten. Gerade in kritischen Börsenphasen steigen die Handelsaktivitäten mit ETFs überproportional an. Erste Studien zeigen, dass ETF-Anleger offenbar noch häufiger umschichten als Investoren in Einzeltitel. Denn das passive Anlagevehikel ETF scheint die Anleger anzutreiben immer aktiver am Markt zu handeln. Der ETF Anleger investiert dann nicht passiv, sondern teilweise schon hyperaktiv.

Die Gier nach schnellen Gewinnen

Denn viele Anleger handeln immer noch nach der Maxime „Timing ist alles“. Der Glaube schlauer zu sein als der Markt ist immer noch weit verbreitet. Allen Studien zum Trotz die das Gegenteil beweisen, wird regelmäßig versucht zu Tiefstkursen zu kaufen und zu Höchstständen teuer zu verkaufen. Die Gier nach schnellen Gewinnen ist meist größer als die Angst vor Verlusten. Dabei sollte jedem Anleger klar sein, den richtigen Zeitpunkt erwischt nur einer, der „Lügner“. Manchmal hat man Glück, aber in der Regel schadet die übermäßige Aktivität der langfristigen Performance. Schon Jack Bogle stellte treffend fest, „es ist keine gute Idee, den Markt zeitlich einschätzen zu wollen“.

Ein ETF ist ein „dummes“ Produkt

Aber auch wenn ETFs einfach in der Anwendung sind, der Handel mittel Mausklick mittlerweile schnell und kostengünstig möglich ist, sollte man sich trotzdem als Anleger mit dem Inhalt auseinandersetzen. Denn man muss sich darüber im Klaren sein, dass man ein „dummes“ passives Produkt erwirbt, das klug eingesetzt werden muss. Denn die Indizes sind in der Regel nach Marktkapitalisierung aufgebaut. Das heißt, jene Aktien mit dem höchsten Marktwert haben das höchste Gewicht. Eine ausgewogene Streuung garantiert das nicht. In den vergangenen Jahren ist beispielsweise der Anteil von Technologieaktien auf Grund der sehr guten Kursentwicklung in vielen Indizes deutlich gestiegen. Dadurch hat beispielsweise der MSCI World mittlerweile eine gefährliche Unwucht.

Ein ETF ist keine eierlegende Wollmilchsau

Investoren sollten sich immer darüber im Klaren sein, dass ein ETF keine eierlegende Wollmilchsau ist. Auch scheinbar harmlose Namen wie das „Pantoffel-Depot“ der Verbraucherschützer birgt Risiken. Wer Fehler, die zu unnötigen Verlusten führen, vermeiden möchte, sollte sich an professionelle Finanzplaner wenden. ETFs sind eine Anlageklasse unter vielen. Erst im Zusammenspiel mit Einzelaktien, Anleihen und Edelmetallen ergibt sich ein ausgewogenes Portfolio, das langfristig Stabilität und Rendite verspricht. So wie das ausgewogene Depot von Portfolio Concept, das mit fünf Sternen im aktuellen Vermögensverwalter Test der Zeitschrift Capital als herausragend bewertet wurde.