Das Jahrzehnt der Aktien

Als Untergangsprophet hatte man es in den letzten Jahren nicht leicht. Die Börsen eilten von Rekord zu Rekord, obwohl die Voraussetzungen für den großen Crash auf den ersten Blick ideal waren. Denn die Notenbanken betreiben seit Jahren eine Politik mit der Notenpresse. Krisen werden scheinbar einfach „weggedruckt“, die Märkte mit billigem Geld geflutet. Zinsen sind schon lange Zeit Geschichte und selbst eine Pandemie, die eine ideale Voraussetzung für den wirtschaftlichen Zusammenbruch bietet, konnte den Aufwärtstrend der globalen Aktienmärkte nur kurz stoppen. Sogar auf die Inflation ist scheinbar kein Verlass mehr. Kaum ist die Teuerung da, wurde sie auch schon wieder für beendet erklärt. Die Notenbanken sehen keine Gefahr und ändern ihre Politik nicht. Alle ökonomischen Weltuntergangsszenarien haben einen gemeinsamen Nenner – die falsche Prognose. Wie so oft zeigt sich, dass „Prognosen äußerst schwierig sind, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“.

„German Angst“

Den Mahnern wird es letztlich egal sein, denn ihre Bücher über Crashszenarien verkaufen sich nach wie vor gut. Denn es ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass viele Menschen dazu neigen auf negative Meldungen stärker zu reagieren als auf positive. Dieses Phänomen nennt man „Negativity Bias“, also Negativitätsverzerrung. Forscher nehmen an, dass die Ursache in der Evolution der Menschen liegt. Es erhöhte die Überlebenswahrscheinlichkeit als Steinzeitmensch, wenn man die Gefahren stärker gewichtete und mehr Aufmerksamkeit schenkte. Gerade bei deutschen Anlegern ist noch viel Steinzeitdenken verankert, die deutsche Angst vor Aktien ist scheinbar Teil der DNA. „German Angst“ – das ist im Ausland ein feststehender Begriff. Denn in kaum einem Land der Welt liegen Anspruch und Wirklichkeit bei der Kapitalanlage so weit auseinander, weil die Gesellschaft ein völlig falsches Verständnis von Risiko hat. Als Resultat dieser Angst besitzen 83 Millionen Deutsche ca. 88 Millionen Lebensversicherungen, obwohl man nur einmal sterben kann.

Immer noch Luft nach oben

Die durchschnittliche Aktienquote der Deutschen dagegen liegt immer noch unter 50 Prozent. Dabei schlagen Aktien langfristig jede vergleichbare Kapitalanlage. Seit dem Jahr 1802 weisen Aktien eine durchschnittliche Rendite von 6,6 Prozent aus. Auch im Jahr 2021 scheint der Optimus der Aktienmärkte ungebrochen. Die großen Aktienindizes haben bereits in den ersten Monaten neue Rekorde aufgestellt. Trotz des vergleichbar hohen Kursniveaus sehen viele Ökonomen das Ende des Anstiegs noch nicht erreicht. „Wir sehen noch Luft nach oben“ ließ sich Ulrich Kater, der Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Deka, vor wenigen Tagen zitieren. Denn trotz zunehmende Inflationssorgen und überraschend anziehender Zinsen wurde der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten nicht aufgehalten. Viele Volkswirte teilen seine Einschätzung. Demnach sind Aktien die Anlage der Zwanzigerjahre.

Die größte Konsumwelle alles Zeiten

Für manchen Beobachter stehen die Märkte auch gerade erst am Anfang einer beispiellosen globalen Aktienrally. Denn die Welt steht vor der größten Konsumwelle aller Zeiten. Die Corona Pandemie zwang die Verbraucher weltweit zum Sparen. Erste Schätzungen beziffern das zusätzliche Sparvolumen auf 2,5 Billionen Euro. Aus Mangel an Gelegenheiten konnte das Geld nicht ausgegeben werden. Sieben Millionen Kilometer an aneinanderreihten Banknoten, so lange ist die Stecke all des Geldes, das jetzt darauf wartet, ausgegeben zu werden. Zusätzlich setzt die größte Volkswirtschaft der Welt auf Helikoptergeld. Vor wenigen Jahren noch ein theoretisches und revolutionäres Konzept. Mittlerweile ist es Realität. Dabei kreist allerdings in den USA kein Hubschrauber über Städte und Dörfer und wirft Scheine ab, sondern das frisch gedruckte Geld wird den Bürgern per Scheck zugestellt. Jeder amerikanische Steuerzahler, außer den Besserverdienenden, erhält als Teil des 1,9 Billionen schweren Hilfspaketes in den nächsten Wochen 1.400 Dollar. Umfragen zeigen, dass viele Amerikaner planen einen Großteil des Geldes an der Börse zu investieren.

Starke Nachholeffekte werden erwartet

Selbstverständlich gibt es viele Haushalte, die unter der Pandemie leiden und die staatliche Unterstützung dringend benötigen. Restaurantbetriebe, Einzelhandel, Kultur und Tourismus gehören zu den Branchen, die von existenziellen Umsatzrückgängen bedroht sind. Nicht jeder Markteilnehmer wird diese Krise wirtschaftlich überleben. Der Rest wird jedoch von den starken Nachholeffekten massiv profitieren. Dabei ist die derzeitige Ausgangslage historisch einmalig, da die meisten Staaten ihre Bevölkerung und ihre Wirtschaft durch umfassende Hilfsprogramme gestützt haben. Man geht davon aus, dass in dem reichen Teil der Welt fast 5 Prozent der Wirtschaftsleistung für Stützungsmaßnahmen wie Kurzarbeitergeld und Konjunkturprogramme ausgegeben wurde. Das britische Wirtschaftsmagazin „The Economist“ vergleicht die derzeitige Lage mit der Situation in den USA nach dem 2. Weltkrieg. Dort verfielen die Konsumenten in einen wahren Konsumrausch, der die Konjunktur für lange Zeit boomen ließ.

Das Jahrzehnt der Aktien

China zeigt derzeit wie das Wachstum einer Volkswirtschaft explodiert, sobald die Pandemie überwunden ist. Dank sehr rigider Maßnahmen ist die Volkswirtschaft bereits im Herbst letzten Jahres aus der Pandemie erwacht. Die chinesische Wirtschaft hat sich seitdem überraschend gut erholt. Die chinesische Industrieproduktion ist im Januar und Februar im Vergleich zum Vorjahr um 35,1 Prozent gewachsen.  Der Einzelhandelsumsatz zog im gleichen Zeitraum um 33,8 Prozent an. Beide Ergebnisse lagen weit über den Erwartungen der Analysten. Derzeit rechnen Volkswirte für 2021 mit einem chinesischen Wirtschaftswachstum von acht Prozent. Vor allem der Inlandskonsum treibt die Erholung voran. Wie stark der Nachholeffekt bei den Verbrauchern in Deutschland ist, lässt der Blick auf die Buchungsexplosion bei Flügen nach Mallorca erahnen. Kaum war die Lieblingsurlaubsinsel der Deutschen wieder frei gegeben waren auch sämtliche Flüge ausgebucht. Anleger sollten die sich abzeichnenden Chancen nutzen. Noch ist es nicht zu spät dabei zu sein. Die Zwanziger Jahre, das Jahrzehnt der Aktien, haben gerade erst begonnen.

 

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