Der Hype um Kryptowährungen in den vergangenen Monaten erinnert an die „Greater Fool Theorie“. Es gibt im Markt immer noch einen größeren „Trottel“, der bereit ist, jeden Preis für eine Anlage zu zahlen. Wenn der „Herdenauftrieb“ an den Börsen beginnt, will jeder dabei sein. Bereits für den Ökonomen Maynard Keynes war die Börse nichts anderes als ein Schönheitswettbewerb (Beauty Contest). Unter diesem Namen entwickelte er in seinem Buch „The General Theory of Employment, Interest and Money“ im Jahr 1936 ein Modell menschlichen (Anleger-)Verhaltens. Dabei kommt es nicht auf das eigene Verhalten, sondern auf das Verhalten der anderen Experimentteilnehmer an. Das Modell erhielt seinen Namen „Beauty Contest“ in Anlehnung an frühere mit Schönheitswettbewerben verknüpfte Preisausschreiben in amerikanischen Zeitungen. Der Gewinn wurde bei diesen Preisausschreiben unter den Teilnehmern verlost, die unter den zur Wahl stehenden Fotos, das ausgewählt hatten, das auch von den meisten anderen als das Schönste ausgewählt worden war. Die optimale Entscheidung hängt in diesem Modell davon ab, zu erkennen, was die Mehrheit denkt. Für einen Anleger ist es nach Keynes und dessen Modell rational, die Aktien zu kaufen, die die meisten anderen Marktteilnehmer bevorzugen, obwohl man selbst möglicherweise ganz andere Titel favorisiert. Entscheidend ist was die Mehrheit, der „Markt“, tun wird.

Das Geheimnis eines erfolgreichen Börsengeschäfts

Das Geheimnis eines erfolgreichen Börsengeschäfts liegt also darin, zu prognostizieren, was der Durchschnittsanleger glaubt, wie der Durchschnittsanleger anlegt. In einer weiteren Steigerung wurde daraus die „Greater Fool Theory“ hergeleitet. Diese Anlagestrategie geht davon aus, es sei klug, eine Aktie über Wert zu kaufen, weil sich bestimmt jemand findet, der sie zu einem noch höheren Kurs kauft – der also ein noch größerer „Dummkopf“ ist, als man selbst. In dieser Phase wirft der Anleger alle Rationalität „über Bord“ und befindet sich in der klassischen Spekulationsblase. Die gezahlten Preise der Aktien haben sich dann zu weit von den fairen inneren Werten der Aktie entfernt. Aber auch wenn die „Dummen“ bekanntlich nie aussterben, irgendwann gibt es nicht mehr genug, die Blase platzt und der Aktienmarkt bricht ein. Die Krise am „Neuen Markt“ in den Jahren 2000 bis 2003 ist ein exemplarisches Beispiel für eine solche Blasenbildung. Damals sammelten Unternehmen, die lediglich aus ein paar Computern und einer Idee bestanden, Milliarden Euro auf dem Börsenparkett ein. Wie bei einem Kettenbrief wollte jeder Anleger dabei sein. Bis irgendwann die Party vorbei war und Firmen wie EM-TV und das investierte Kapital wieder im Nichts verschwanden.

Rationales Anlageverhalten in einer irrationalen Welt kann verheerend sein

Ein Börsentrend ist immer auf die Masse der Teilnehmer zurückzuführen. Ist er massiv genug, dann kann er lange anhalten. Nach Keynes „Beauty Contest“ liegt die Masse meistens richtig, weil sie sich ihre Trends selber macht. Demzufolge kann eine Positionierung an den Märkten konträr zum Trend finanziell sehr weh tun. Es gibt nichts, was so verheerend ist, wie ein rationales Anlageverhalten in einer irrationalen Welt. Nach wie vor sind die makroökonomischen Voraussetzungen für eine langanhaltende positive Phase gut. Niedrige Zinsen befeuern den Trend immer weiter von außen. Als negative Begleiterscheinung nimmt die Volatilität (Schwankungen) im Markt ebenfalls zu. Die Angst unter den Anlegern steigt an, sie reagieren schnell und manchmal impulsiv, selbst auf kleinere Ereignisse und Nachrichten und so überschlagen sich die Reaktionen. Vor kurzem stand die Situation in Italien im Mittelpunkt des Interesses, mittlerweile lässt die Regierungskrise in Deutschland und ein drohender Handelskonflikt die Märkte beben. Jede noch so kleine Nachricht schlägt sich in den Kursen nieder. Händler sprechen dann von chaotischen Marktphasen. Dessen Kennzeichen ist, dass Rückkopplungen innerhalb eines Systems positiv, also selbstverstärkend wirken. Dann können schon geringe Änderungen der Rahmenbedingungen zu großen Ausschlägen bei den Kursen führen. Das Systemverhalten wird schwer kalkulierbar. Selbst an Tagen ohne Neuigkeiten kommt es zu starken Marktbewegungen, weil der Markt dann auf sich selbst reagiert.

The trend is your friend, until the end, when it bends

“The trend is your friend, until the end, when it bends” – der Trend ist dein Freund, bis er umkehrt – lautet eine der bekanntesten Börsenweisheiten. Der Grundgedanke der Trendfolge-Strategie ist simpel und vielseitig anwendbar. Es gibt an den Börsen immer wieder mehr oder weniger lange Phasen, in denen sich Kurse in eine bestimmte Richtung bewegen. Trendfolger versuchen solche Kursrichtungen systematisch auszunutzen, indem sie zu einem ausgewählten Zeitpunkt in den Trend einsteigen, eine Zeit lang mit ihm mitlaufen und dann wieder aussteigen. Im Idealfall erfolgt der Einstieg genau am Beginn eines Trends und der Ausstieg exakt zum Zeitpunkt der Trendwende. Soweit die Theorie. Im entscheidenden Wendepunkt liegt die Mehrheit der Anleger, Privatinvestoren und auch Profis, jedoch in der Regel falsch. Wissenschaftlich ist die Trendfolge-Strategie – wie generell auf Charttechnik basierende Handels-Strategien – heftig umstritten. Kritiker stellen in Frage, dass sich aus historischen Kursverläufen Aussagen über künftige Kurse ableiten lassen. Der Kurs von morgen wird von den Nachrichten und Erwartungen des morgigen Tages bestimmt und ist unabhängig davon, was gestern war. Deshalb ist es unmöglich wirkliche Trends zu identifizieren. Sie zeigten sich überhaupt erst im Nachhinein.

Die Masse liegt im entscheidenden Moment meistens falsch

Trendfolge funktioniert am besten, wenn die Kurse sich relativ stetig und eindeutig gerichtet bewegen. Es spielt dabei keine Rolle, ob es nach oben oder unten geht. Im aktuellen Sägezahnmarkt sind solche Strategien jedoch schwierig bis unmöglich umzusetzen. Bei hoher Volatilität (Schwankung) fällt es schwerer, geeignete Ein- und Ausstiegszeitpunkte zu finden. Bei Seitwärtsbewegungen funktioniert die Trendfolge-Strategie schlichtweg nicht. Sie produziert dann mehr Kosten durch häufige Umschichtungen als Rendite. Entscheidend für den langfristigen Erfolg einer Anlage ist eine qualitative Fundamentalanalyse der Wertpapiere. Im Gegensatz zur Chartanalyse basiert sie nicht auf einer Betrachtung von Kursverläufen, sondern auf betriebswirtschaftlichen Daten und ökonomischem Umfeld eines Unternehmens, den sogenannten Fundamentaldaten. Nichtdestotrotz macht es wenig Sinn, zu Beginn eines „Herdenauftriebs“ entgegengesetzt zur Herde zu laufen. Ist die Party hingegen in vollem Gang, hilft einem die Fundamentalanalyse den richtigen Ausstiegszeitpunkt zu finden. Denn die Masse liegt im entscheidenden Moment meistens falsch.

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