0221 94 86 11-50 info@portfolio-concept.de

Nach Meinung des promovierten Volkswirts und erfolgreichen Bankenberaters Markus Krall ist der Zusammenbruch des Europäischen Finanzsystems nur noch eine Frage der Zeit. Unter dem hoch provokanten Titel „Der Draghi Crash“ kritisiert er in seinem gleichnamigen Buch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und skizziert, durchaus polemisch, die Folgen einer seiner Meinung nach völlig aus den Fugen geratenen Politik. Er warnt eindringlich und auf den ersten Blick durchaus nachvollziehbar vor einem Kollaps der europäischen Banken, die durch zunehmende Regulierung und Negativzinsen ausgehöhlt werden. Zeitgleich verhindert die Nullzinspolitik der EZB, dass Unternehmen, die ineffizient und unproduktiv sind, vom Markt durch ihre Insolvenzen aussortiert werden. Der Anteil der sogenannten „Zombie-Unternehmen“ wächst von Jahr zu Jahr. Sobald sich die Zinsen an die wahren Marktgegebenheiten anpassen, werden die Unternehmen zwangläufig Konkurs gehen und zu einem riesigen Problem für die Banken.

Vollgeld als Lösung?

Am letzten Wochenende hatten die Schweizer die Möglichkeit, durch einen radikalen Wechsel des Geldsystems einen eigenen Weg zu gehen. In einer Volksabstimmung wurde über den Wechsel zu einem Vollgeld abgestimmt. Zumindest bei der Wahl des Begriffes haben die Initiatoren der Abstimmung alles richtig gemacht. Vollgeld klingt solide, ähnlich wie „Vollgummireifen“ oder „Volljurist“ strahlt es Sicherheit und Kompetenz aus. Dabei ist die Idee gar nicht mal so neu. Bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden durch bedeutende US-Ökonomen wie Irving Fisher oder Milton Friedman Aufsätze zu einem „100%-Geld“ veröffentlicht. Für die Vollgeld Ideologen ist ein Wechsel des Geldsystems zwingend notwendig. Sie stützen sich dabei auf die Drei-Krisen-Theorie. Die erste Krise war die Bankenkrise. Durch eine ausufernde Kreditvergabe mussten die Banken durch die Staaten gerettet werden. In der zweiten Krise mussten dann die Staaten ihrerseits durch die EZB aufgefangen werden. Das war die Euro-Krise. Zwangsläufig, so die Folgerung der Initiatoren, wird die nächste Krise eine Ebene höher stattfinden, dann kommt die Krise des Geldes selbst. Dabei steht die Geldschöpfung im derzeitigen System im Mittelpunkt der Kritik.

Geld wird durch Kreditvergabe geschaffen

Spätestens seit 1971, als durch den damaligen US-Präsidenten Nixon der bis dahin geltende Goldstandard für den US-Dollar aufgehoben wurde, spricht man vom FIAT (Giralgeld/Buchgeld) Geldsystem. Der Name FIAT leitet sich dabei nicht von dem italienischen Autobauer oder dessen Qualität ab, sondern kommt aus dem lateinischen (fiat = es werde bereitet). Statt FIAT Geld spricht man auch vom ungedeckten Geldsystem. Dabei wird Geld aus dem Nichts, durch Kreditvergabe in beliebiger Höhe, durch Banken neu geschaffen. Zunächst stellen Notenbanken der Finanzwirtschaft Geld (sog. fiat-money als elektronisches Buchgeld oder über die Notenpresse) zur Verfügung. Durch die Weitergabe dieses Zentralbankgeldes durch die Geschäftsbanken an Unternehmen und Privathaushalte in Form von Krediten, wird das Geld dem realen Wirtschaftskreislauf zugeführt. Nun handelt es sich um das sog. Giralgeld bzw. Buchgeld. Dabei schaffen die Geschäftsbanken durch Kreditvergabe neues Geld.

Die “3-6-3-rule” der Banker

Denn für einen Kredit müssen Banken lediglich einen Mindestreservesatz in Höhe von aktuell nur noch 1 Prozent bei der EZB hinterlegen. In konkreten Zahlen sieht das so aus. Wenn die Bank ein Darlehen in Höhe von beispielsweise 10.000 Euro gewährt, muss sie lediglich 100 Euro bei der EZB als Eigenkapital hinterlegen. Die Differenz ist neugeschöpftes Geld. Jeder Kredit an Endkunden erhöht dabei die Geldmenge, wird wieder angelegt, wieder ausgeliehen und beliebig oft recycelt. Folglich übersteigt die Giralgeldmenge die Zentralbankmenge um ein Vielfaches. Ökonomen nennen den Prozess „multiple Geldschöpfung“. Die Bank hat jetzt noch das Privileg für das neu geschaffene Geld einen Zins zu verlangen. Für Geld das sie vorher gar nicht besessen hat, da es noch gar nicht existierte. Dieses Geschäft galt lange als relativ sicher und langweilig. Man witzelte früher über die “3-6-3-rule” der Banker: man verzinse Einlagen mit 3 Prozent, verleihe das Geld zu 6 Prozent und sei um 3 Uhr Nachmittags auf dem Golfplatz. Es ist letztlich ein Fehler im System, dass es nicht im Interesse der Banken sein kann, wenn Kredite schnell zurückgezahlt werden. Die Verschuldung und die daraus resultierenden Zinsen sind das Lebenselixier unseres Bankensystems. Die Bank ist immer auf der Suche nach neuen Schuldnern und produziert durch Kreditvergabe immer weiter neues Geld. Für die Kritiker muss dieses System irgendwann zwangsläufig in einer Katastrophe enden.

Schweizer lehnen das Vollgeld ab

Durch das Vollgeldsystem soll die Geldschöpfung der Geschäftsbanken aus dem Nichts unterbunden werden. Die Notenbank wäre die alleinige Quelle für neues Geld. Die Banken dürften nur noch so viel Geld als Kredit verleihen, wie sie selbst wirklich vorrätig hätten – entweder durch Bargeld oder durch Guthaben bei der Zentralbank. Damit wäre die Zentralbank die einzige Instanz, die wirklich neues Geld schöpfen und damit die Geldmenge erhöhen könnte. Durch das Vollgeld so die Hoffnung der Initiatoren, würde das ganze Finanzsystem sicherer werden. Wenn die Banken nur noch so viel Geld verleihen dürfen, wie sie auch haben, sinkt die Gefahr von sogenannten Bank-Runs erheblich. Bei einem Bank-Run versuchen Kunden Ihr Geld im Krisenfall massenhaft abzuheben. Wenn das aber alle Kunden gleichzeitig tun, ist die Bank automatisch zahlungsunfähig. Ein Dominoeffekt kann dann angestoßen werden, der das gesamte Bankensystem infiziert. Beim Vollgeldsystem gäbe es keinen Grund mehr, sein Geld abzuheben, weil die Guthaben auf den Bankkonten alle durch die Zentralbank gedeckt wären. Zusätzlich würde die Gefahr von Spekulationsblasen und Finanzkrisen deutlich verringert. Banken könnten dadurch nicht mehr nahezu unbegrenzt Kredite vergeben und auch Vertrauenskrisen im Interbankenhandel wären unwahrscheinlich, da alle Transaktionen nur mit von der Zentralbank gedecktem Vollgeld laufen würde. Im Prinzip würde die Macht über das Geld vom privaten Sektor auf den Staat verlagert. Kritiker warnten eindringlich vor der Machtfülle, die in einem solchen System bei der Notenbank entstehen würde – also bei einer formal zwar unabhängigen, aber doch staatlichen Institution. Vermutlich war das der Grund, dass die Schweizer Bürger mit großer Mehrheit, immerhin mit mehr als 70 Prozent, den Wechsel zum Vollgeld ablehnten. Das Vertrauen in den Staat ist bei den freiheitsbewussten Schweizern nicht sehr ausgeprägt. Auch überwog wahrscheinlich die Angst vor einem Systemwechsel. Die kleine Schweiz gegen den Rest der Welt, da verließ wohl so manchem Schweizer der Mut. Nach dem Motto: Es läuft doch – warum soll man etwas ändern? Keiner kann wirklich einschätzen was passiert wäre, wenn ein relativ kleines, aber international stark vernetztes Land wie die Schweiz allein auf ein völlig neues Geldsystem umgestiegen wäre.

Aktien überstehen langfristig jeden Crash

Für den Draghi Kritiker Markus Krall ist der Zusammenbruch des Euros nur noch eine Frage der Zeit. Spätestens bei einer Zinswende kollabiert das System. Dabei bleibt er jedoch eine konkrete Antwort schuldig, warum es zwingend zu einem massiven Zinsanstieg kommen sollte. Bis jetzt hat Draghis „whatever it takes“ die Macht der EZB eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Es ist durchaus möglich, dass der EZB ein ordnungsgemäßer Wechsel der Geldpolitik gelinkt. Allerdings sollten sich Sparer bewusstmachen, wo die wirklichen Risiken in ihren Anlagen liegen. Wer an den Draghi Crash glaubt, sollte seine Tages-, Festgelder und Sparbücher schnellstens auflösen und in reale liquide Sachwerte überführen. Aktien überstehen, dem widerspricht auch Markus Krall nicht, langfristig jeden Crash.