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Diese Nachricht schlug ein wie die sprichwörtliche Bombe. An diesen Gedanken müssen wir uns in Europa erst noch gewöhnen. Nach fast genau 60 Jahren ist Italien raus. Klingt komisch, ist aber so. Die italienische Nationalmannschaft ist bei der Fußballweltmeisterschaft 2018 nicht dabei. Am Abend des 13. November 2017 war die Sensation perfekt und Italien an der Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Russland gescheitert. In letzter Sekunde verhindert wurde dagegen das Scheitern der Regierungsbildung in Rom. Das Wahlergebnis war nicht einfach. Die beiden populistischen Parteien aus dem linken und dem rechten Lager waren zwar die Wahlsieger, für eine Regierungsbildung alleine reichte es allerdings nicht aus. Eine Koalition der beiden an sich gegensätzlichen Parteien konnte und wollte sich keiner ernsthaft vorstellen. Doch nach 89 Tagen politischer Wirren und Kämpfe ist Italiens populistische Koalitionsregierung aus Cinque Stelle und Lega am letzten Freitag in Rom vereidigt worden. Europa hält den Atem an.

Die Angst vor einem „Italexit“ war spürbar

Immerhin, die europäischen Börsen reagierten in einer ersten Reaktion positiv auf die Entwicklungen der drittgrößten Volkswirtschaft. Allerdings nur, weil keine Einigung baldige Neuwahlen bedeutet und damit die politische Instabilität Italiens nur bedrohlich verlängert hätten. Bereits während der langen Phase der Regierungsbildung war die Verwunderung in Europa und an den Finanzmärkten über die Pläne der Populisten gestiegen. Vor allem die wirtschaftspolitischen Pläne, die einen Austritt Italiens aus dem Euro vorsehen, beunruhigte die Börsen. Die Angst vor einem „Italexit“ war spürbar. Nach dem Scheitern des ersten Versuchs einer Regierungsbildung in der letzten Woche, drohte Italien eine handfeste Verfassungskrise. Die Populisten forderten die Absetzung von Staatspräsident Mattarella.

Die Märkte gerieten unter Druck

Vor allem an den Devisenmärkten wuchs die Verunsicherung. Der Euro setze seine Talfahrt fort und kostete teilweise so wenig, wie seit dem Sommer 2017 nicht mehr. Investoren suchten deshalb bevorzugt sichere Anlagehäfen auf, wie beispielsweise den japanischen Yen. Auch an den Bondmärkten zeigen sich Anleger zunehmend besorgt. Die Rendite für zweijährige italienische Staatanleihen stieg zeitweise auf den höchsten Stand seit 2012. Damals erreichte die Euro-Krise um Griechenland ihren Höhepunkt. Die Rendite steigt, wenn der Preis sinkt, den Anleger für eine Anleihe zu bezahlen bereit sind. Wollen viele Investoren eine Anleihe haben und bezahlen sie höhere Preise, sinkt die Rendite. Auch in Bezug auf die mittelfristigen Schulden Italiens wächst die Skepsis. Seit der Wahl im März hat die Rendite für zehnjährige italienische Schuldenpapiere, trotz der schützenden Hand der EZB, um rund ein Drittel zugelegt. Investoren fordern für italienische Staatsschulden derzeit einen deutlich höheren Aufschlag. Denn sie sehen jetzt ein wesentlich höheres Risiko, dass Italien den Euro verlässt. Der Sentix Italexit Index, der die Wahrscheinlichkeit misst, dass Italien aussteigt, kletterte im Mai auf 11,3 Prozent. Das war eine Verdreifachung gegenüber dem Wert vom April. Im Zuge dieser Entwicklung gerieten auch die Aktienmärkte unter Druck. Der Dax verlor am Dienstag zwischenzeitlich bis zu zwei Prozent. Der Leitindex der Mailänder Börse fiel zeitweise auf ein Neunmonatstief von 21.390 Punkten.

Personalrochade ermöglicht Einigung

Dann am Freitag doch die plötzliche Einigung. Eine simple Personalrochade hat es möglich gemacht. Exakt die gleichen Personen und Parteien übernehmen die Regierung, die vor einer Woche noch als Sargnagel für die gesamte europäische Wirtschaft galten. Dabei wurde der Bock zum Gärtner gemacht und der umstrittene Kandidat für den Posten des Finanz- und Wirtschaftsministers, Paolo Savona, wird Europaminister. Dadurch gab Staatspräsident Mattarella seinen Widerstand auf und die neue Regierung, mit Giuseppe Conte als Premierminister, wurde vereidigt. Italien ist aktuell mit 2.300 Milliarden Euro verschuldet und es sieht ganz danach aus, als wenn es in naher Zukunft noch etwas mehr werden wird. Denn die beiden Koalitionäre, die Fünf-Sterne-Bewegung und die Lega, haben ihrer jeweiligen Klientel im Wahlkampf ganz unterschiedliche Wohltaten versprochen. Natürlich will jetzt, wo beide Parteien die Regierung stellen, keiner klein beigeben und zurückstecken. Ein Kernthema der 5 Sterne Bewegung war der Bürgerlohn. 780 Euro monatlich soll es zukünftig für alleinstehende Arbeitslose geben. Nach Berechnungen von Parteichef Luigi di Maio soll es dem Staat 17 Milliarden Euro kosten. Der Sozialversicherungsträger INPS hingegen erwartet Kosten von 35 bis 38 Milliarden Euro. Die Lega will durch eine Steuerreform Kleinunternehmer und Selbstständige entlasten. Diese Reform wird den italienischen Staat laut der Wirtschaftszeitung “Il Sole 24 ore” Einnahmen von 45 bis 50 Milliarden Euro kosten. Einigkeit herrscht bei beiden Parteien bei der Rücknahme der Rentenreform von 2011. Die Frühverrentung soll wieder möglich werden, ersten Schätzungen nach wird dieses „Geschenk“ weitere 20 Milliarden Euro pro Jahr kosten.

Italexit wäre der Super-GAU

Zahlen soll die Rechnung, in diesem Punkt sind sich die beiden ansonsten gegensätzlichen Regierungsparteien einig, nach Möglichkeit andere. Vorneweg die Europäische Union und Deutschland. Denn Schuld an der italienischen Misere, das ist Kernthese jeder populistischen Verschwörungstheorie, haben immer die anderen. Dabei hat die neue Regierung durchaus einen Trumpf in ihrer Hand. Denn im Gegensatz zum Grexit wäre der Italexit der Super-GAU, der ganz Europa in den Abgrund reißen könnte. Die Marktturbulenzen der letzten Woche waren nur ein harmloser Vorgeschmack zu dem, was dann passieren würde. Schlechte Nachrichten für alle die, die gehofft hatten auch die EZB würde langsam zu positiven Zinsen zurückkehren. Das Gegenteil wird der Fall sein. Die EZB wird gezwungenermaßen das Wunschprogramm der italienischen Populisten mit Nullzinsen finanzieren. Dabei ist der italienische Schuldenberg schon jetzt so groß, dass er unter normalen Zinsbedingungen nicht mehr bedient werden könnte.

So einen Trumpf hätte der italienische Fußballverband auch gerne gehabt

So einen Trumpf hätte der italienische Fußballverband vermutlich auch gerne gehabt. Das man sportlich ausgeschieden ist, wäre ja unter der alten Fifa-Führung mit Sepp Blatter nicht unbedingt ein Hinderungsgrund gewesen, der eine Teilnahme endgültig verhindert hätte. Bekanntermaßen war die Fifa in der Vergangenheit bei finanziellen Zuwendungen immer Gesprächsbereit. Aber die Fifa hat ihre Vergangenheit, inklusive Sepp Blatter, entsorgt und der viermalige Weltmeister ist nach 60 Jahren definitiv nicht dabei. In wenigen Tagen geht es los, die Fußball Weltmeisterschaft startet in Russland. Wie bei den letzten großen Turnieren können Sie auch bei Portfolio Concept wieder tippen, Ihren Sachverstand unter Beweis stellen und tolle Preise gewinnen. Mehr dazu erfahren Sie in den kommenden Tagen. Aber nicht vergessen, Italien ist raus!