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Am Dienstag letzter Woche passierte es. Der Goldpreis brach um über 40 US-Dollar je Unze ein. Die Geschwindigkeit, mit der das Edelmetall nach unten gezogen wurde, war beachtlich. Die wichtige Unterstützung bei 1.300 Dollar pro Unze wurde geradezu überlaufen und erst bei knapp 1.270 Dollar fand der Ausverkauf sein vorläufiges Ende. Noch schlimmer erwischte es die Aktien der Goldminenfirmen, die vielfach sogar zweistellige Kursverluste hinnehmen mussten. Im Laufe der Woche blieb der Preis unter Druck und schloss am Freitagnachmittag bei 1.255 Dollar pro. Viele Anleger wurden von dem plötzlichen Absturz kalt erwischt. Schließlich handelte es sich um die wohl stärkste Korrektur seit zwei Jahren. Ziemlich unerfreulich für Goldbesitzer. Der Wert der Goldreserven der Bundesbank in einer Größenordnung von 3.378 Tonnen sank in dieser Woche rechnerisch beispielsweise um gut sechs Milliarden Euro.

Gerade die sehr scharfe Korrektur am Dienstag sorgte bei vielen Marktteilnehmern für Ratlosigkeit. Eigentlich hatte sich der Goldpreis in den letzten Monaten toll erholt und viele sahen weiteres Potenzial. Umso überraschender kam der scharfe Einbruch. Auf der Suche nach den Ursachen wurden verschiedenste Gründe genannt. Die Chinesen feierten vom 1. bis 9. Oktober ihren Nationalfeiertag, was zu einer geringeren Nachfrage nach physischem Gold führte. Außerdem wurden relativ robuste US-Wirtschaftsdaten gemeldet. Genau am Dienstag wurde daraufhin in Amerika und Europa über eine Straffung der Geldpolitik diskutiert. In den Vereinigten Staaten hatten Äußerungen von Notenbankern die Erwartungen an den Märkten für eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr verstärkt. In Europa wiederum sorgte ein – allerdings später dementierter – Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg dafür, dass an den Finanzmärkten über ein Auslaufen der Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank spekuliert wurde.

Die derzeitige Niedrigzinspolitik der Notenbanken gibt dem Goldpreis Rückenwind. Ein Wechsel in der Strategie kann ihm also durchaus schaden. Höhere Zinsen in den USA würden schließlich eine zinslose Anlage wie Gold unattraktiver machen. Zudem könnte der Dollar dann stärker werden, was wiederum das Edelmetall in Ländern außerhalb der USA verteuern und damit die Nachfrage bremsen würde. Sollte Europa dann auch noch die Versorgung mit billigen Geld zurückfahren, würde das den negativen Effekt auf den Goldpreis zusätzlich verstärken. Allerdings bemühte sich die EZB nach Verbreitung der Meldung sofort, alle Spekulationen über eine Straffung der Geldpolitik wieder aus der Welt zu schaffen. EZB-Präsident Mario Draghi persönlich hob am Freitag in Washington noch einmal hervor, die EZB werde das „sehr erhebliche Ausmaß der geldpolitischen Unterstützung“ bewahren.

In den letzten Tagen wurde eines deutlich, auch der Goldpreis ist letztlich abhängig von der Zinspolitik und den Entscheidungen der Notenbanken. Dennoch ist das seltene Metall bei Anlegern weltweit positiv besetzt. Dahinter steckt der tief verankerte Glaube, Gold sei die wertstabilste Anlage überhaupt. Wer Gold besitze, überstehe jede Wirtschaftskrise, und sei sie auch noch so groß. Die Frage ist jedoch, inwieweit eine Kapitalanlage in Gold objektiv Sinn macht? Eins sollte klar sein, des Ertrages wegen sollte man kein Gold kaufen. Denn Gold zahlt weder Zinsen noch Dividenden. Die Rendite bemisst sich also allein an der Preisentwicklung. In der Vergangenheit hat die Feinunze im jährlichen Mittel wesentlich weniger an Wert gewonnen als Aktien. Und dies bei deutlich höherer Schwankung. Der Grund ist, dass ausschließlich die Nachfrage den Goldpreis bestimmt, es anders als bei Unternehmen also keine innere Wertschöpfung gibt. Wie bei jeder Handelsware pendelt sich auch der Goldpreis über Angebot und Nachfrage ein. Das Besondere an physischem Gold ist aber, dass das Angebot als natürlicher Rohstoff nicht beliebig ausdehnbar ist. Das Edelmetall ist selten, was es seit je her teuer macht. Seit den Zeiten der Römer und Lyder förderten alle Goldminen der Welt insgesamt lediglich eine Menge zu Tage, die in einen Würfel mit einer Kantenlänge von 20 Metern passt. Das entspricht 25 Gramm pro Erdenbürger. Gold ist knapp, also ist es auch wertbeständig, lautet die Schlussfolgerung. Zieht die Nachfrage an, können Produzenten nur versuchen, das Angebot durch Recycling von Gold kurzfristig zu erhöhen. Reicht dies nicht aus, steigt der Preis. Viel bedeutender für den Goldpreis ist aber der Gold-Futures-Markt. Dieser Terminmarkt hat den dominierenden Einfluss auf das Preisniveau, nicht die tatsächliche physische Nachfrage. Nur eine Handvoll Banken mit engen Kontakten zu Zentralbanken teilen sich diesen Terminmarkt. In umsatzschwachen Randzeiten lassen sich die Preise dort leicht durch Verkäufe nach unten drücken. Wenn dann wichtige Preismarken durchbrochen werden, wirkt das als Signal für andere Händler, auf weiter sinkende Preise zu setzen und eine Abwärtsspirale kommt in Gang. So auch am vergangenen Dienstag. Damit ist der Goldpreis auch ein beliebtes Ziel für Spekulation.

Auf der anderen Seite gilt Gold als klassischer Krisenindikator. Gerade in unsicheren, instabilen Zeiten steigt die Nachfrage. Dies hat jedoch wenig mit rationalem Verhalten zu tun. Viele Menschen brauchen vielmehr einen psychologischen Fixpunkt, etwas Greifbares, das ihnen Sicherheit in der Krise verspricht. Edelmetalle erfüllen diese psychologische Funktion. Im Internet gibt es eine Vielzahl von Blogs und Nachrichtenportalen, die vor der bevorstehenden Finanzkatastrophe warnen. Die Webseiten begnügen sich allerdings nicht damit, das Ende der Tage anzukündigen. Sie zeigen auch, wie man sich darauf vorbereiten kann, etwa durch das Anlegen von Notrationen, den Kauf von Wasserfiltern, Pfefferspray und den Goldbarren unter dem Kopfkissen.

Das Kernproblem von Gold ist, niemand weiß wo der wahre Wert liegt. Für Aktien und Anleihen kann man einen fairen Wert objektiv ermitteln. Dahinter steckt ein echter Ertrag. Für Gold dagegen gibt es kein anerkanntes Preismodell, da stochern alle im Nebel herum. Bis 2010 noch hielten viele die 1.000-Dollarmarke je Feinunze für die Schallmauer. Zwei Jahre später spekulierten sie, ob das Edelmetall bald die 2.000er Marke knacken könnte, doch schon im Lauf des Jahres 2012 stürzte der Preis jäh von 1.800 auf 1.200 Dollar ab. Aktuell liegt die Schallmauer bei 1.300 Dollar.

Was ist also ratsam? Wenn überhaupt, gehört Gold nur als Beimischung ins Depot. Wie viel genau, darüber streiten sich Experten. Die Spanne der Empfehlungen reicht von 5 bis hin zu 25 Prozent des Vermögens. Gerne wird argumentiert, dass Gold und Aktien kaum korreliert sind, der Wert des Edelmetalls sich also oft entgegengesetzt zu Aktien entwickelt und so Wertschwankungen insgesamt ausgleicht.

Von J.P. Morgan, Gründer der gleichnamigen amerikanischen Investmentbank, ist der Spruch überliefert „Gold ist Geld. Alles andere ist Kredit!“. Zu seiner Zeit, dem Beginn des 20 Jahrhunderts, mag dies noch seine Richtigkeit gehabt haben. Zu dieser Zeit galt noch der Goldstandard, der den Zentralbankern Beschränkungen auferlegte, weil sie ihre Währungen stets mit Gold unterlegen mussten. Spätestens seit der Aufhebung der Goldbindung durch den US-Präsidenten Richard Nixon im Jahr 1971 hat Geld mit Gold wenig zu tun. Risikostreuung hin oder her, viel mehr als 5 Prozent im Vermögen sollte das faszinierende Metall bei Privatleuten daher in der Regel nicht ausmachen!

Redakteur: Diplom-Kaufmann Markus Richert, CFP®
Seniorberater Vermögensverwaltung