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Geld ist nichts. Aber viel Geld, das ist etwas anderes“, das wusste schon der britische Dramatiker und Nobelpreisträger George Bernard Shaw. Regelmäßig veröffentlicht das US Magazin Forbes die Liste der reichsten Menschen der Welt. Amazon-Chef Jeff Bezos ist derzeit weltweit die Nummer Eins. Aus der Milliardärs-Rangliste des US-Magazins lässt sich auch ablesen, wer in Deutschland über das größte Vermögen verfügt. Wie fast jedes Jahr wird die deutsche Liste angeführt von den Mitgliedern der Familie Aldi. Beate Heister und Karl Albrecht Jr. (66) sind die Kinder des 2014 verstorbenen Aldi-Mitgründers Karl Albrecht. Ihr Vermögen schätzt Forbes auf 29,8 Mrd. Dollar. Laut Manager Magazin lebten in Deutschland im letzten Jahr 187 Milliardäre. Bei allen Unterschieden hinsichtlich der Quelle der Vermögen haben die meisten doch eine Gemeinsamkeit. Sie überlassen Ihr Kapital nicht einfach einer Bank.

Bei den großen Familienvermögen kümmern sich in der Regel sogenannte Family Offices um die Verwaltung der Vermögen. Bei einer Vermögensgröße bis 25 Millionen Euro sind unabhängige Vermögensverwalter sehr gefragt. Bis zum Jahr 1998 konnte fast jeder eine Vermögensverwaltung betreiben – ein simpler Gewerbeschein genügte. Seit 1998 werden Vermögensverwalter wie Banken durch das Kreditwesengesetz und das Wertpapierhandelsgesetz reguliert. Vor Aufnahme ihrer Tätigkeit müssen sie eine Zulassung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erhalten. Da sich der etwas sperrige offizielle Begriff des „Finanzportfolioverwalters“ nicht durchgesetzt hat, bezeichnen sich die meisten Anbieter nach wie vor als Vermögensverwalter. Durch die Regulierung wurde der Markt der Vermögensverwalter bereinigt. Fast zwei Drittel der Anbieter zogen sich nach 1998 aus dem Geschäft zurück und überließen das Feld anderen. Erst seit dem Jahr 2002 steigen die Zahlen der zugelassenen Institute wieder langsam an und mittlerweile sind über 500 unabhängige Vermögensverwaltungen in Deutschland tätig. Der Verband der unabhängigen Vermögensverwalter Deutschland (VuV) ist die führende Standesorganisation. Mittlerweile ist die meisten Verwalter darüber organisiert.

Spätestens seit der Finanzkrise ab Ende 2008 erkennen immer mehr Anleger die Vorteile, die eine unabhängige Vermögensverwaltung bietet. Allerdings kommt es immer noch häufig zu Missverständnissen über die besonderen Merkmale einer Vermögensverwaltung.  Anleger verwechseln die Dienstleistung beispielsweise mit der eines Anlageberaters. Dabei sind die Unterschiede enorm. Unter dem Begriff der Anlageberatung versteht man vornehmlich die Beratung für eine zu tätigende Investition am Kapitalmarkt, in Immobilien sowie in Aktien oder Fonds. Die Anlageberatung umfasst lediglich das Bereitstellen von Informationen und eine Beurteilung der grundsätzlichen Eignung eines Investments. Die eigentliche Anlageentscheidung trifft hierbei, im Gegensatz zur Vermögensverwaltung, immer der Kunde selbst. Der Anleger selbst orientiert sich meist an den Renditeperspektiven und diese sind häufig sehr ambitioniert.

In der unabhängigen Vermögensverwaltung hingegen ist die primäre Zielsetzung in der Regel der Vermögenserhalt. Renditeziele stehen erst nach Vorgabe des Kunden im Vordergrund. Der unabhängige Vermögensverwalter trifft für den Kunden die Anlageentscheidungen im Rahmen der schriftlich fixierten Anlagerichtlinien und setzt diese eigenständig um. Über eine regelmäßige Berichterstattung wird der Kunde über alle Maßnahmen zeitnah informiert. Er übernimmt also eher die Rolle eines Controllers für sein Vermögen. Der Vermögensverwalter übernimmt dem entsprechend eine große Verantwortung. Das primäre Ziel, das anvertraute Vermögen des Kunden zu erhalten, führt oft dazu, dass Risiken nur sehr behutsam eingegangen werden. Die Qualität eines verwaltenden Depots zeigt sich daher oft erst in Krisenphasen. Bei extremen Marktverwerfungen zeigt sich das investierte Vermögen robust. Vor allem die Finanzkrise 2008 hat bei vielen Anlegern dazu beigetragen, die Dienstleistung der Verwaltung nachzufragen.

Damit diese sehr komfortable Lösung für beide Seiten zufriedenstellend funktioniert, ist neben der unabdingbaren fachlichen Qualifikation des Verwalters, eine klare Abstimmung und Definition über die einzusetzenden Instrumente und das gewünschte Risikoprofil der Anlage notwendig. Neben einem ausführlichen Gespräch über die Erwartungshaltung und die Ziele des Kunden, werden daher in den Anlagerichtlinien alle erlaubten Finanzinstrumente mit ihrer maximalen Gewichtung festgelegt. Diese Festlegung ist Teil der Vermögensverwaltungsvereinbarung und rechtlich bindend. Die festgelegten Grenzwerte dürfen durch den Vermögensverwalter keinesfalls überschritten werden. Oftmals wird auf diese Anlagerichtlinien aufbauend ein Vergleichsindex (Benchmark) festgelegt, der die Leistung des Vermögensverwalters messbar macht.

Unabhängige Vermögensverwaltung war schon immer eine honorarpflichtige Dienstleistung. Hier liegt ein wesentlicher Unterschied zu der Dienstleistung, die in der Bankberatung vorherrschend ist. Wenn Banken selbst Finanzinstrumente produzieren, sind sie selbstverständlich daran interessiert, diese Produkte auf dem Markt zu platzieren. Dabei fällt es nicht immer leicht, den potenziellen Interessenkonflikt zwischen Beratung und Verkauf zur Zufriedenheit aller zu lösen. In der unabhängigen Vermögensverwaltung erhält der Vermögensverwalter sein Honorar ausschließlich vom Kunden. Provisionen und Zuwendungen von 3ter Stelle werden dem Kundendepot zugeschrieben. Der Vermögensverwalter selbst darf keinerlei Zuwendungen annehmen.

Aufgrund der Komplexität lohnt sich eine individuelle Vermögensverwaltung erst ab einem Anlagebetrag in Höhe von etwa 250.000 Euro. Aber auch für kleinere Anlagesummen bieten viele Häuser inzwischen attraktive Lösungen an. Seit einigen Jahren tummeln sich auch vermehrt sogenannte Robo-Adviser auf dem Markt. Ihr Ziel ist es, die Dienstleistungen eines traditionellen Vermögensverwalters zu digitalisieren und zu automatisieren. Die meisten Robo-Advisor stützen Ihre Anlagestrategie auf regelbasierte Modelle zur Bestimmung der Portfoliostruktur, die dementsprechend überwacht und gegebenenfalls angepasst wird. Als Anlageinstrument dienen häufig Indexfonds (ETF’s). Diese sollen eine kostengünstige, schnell umsetzbare Diversifikation ermöglichen. Der vermeintlich günstige Preis ist dann auch bei vielen Anbietern das entscheidende Unterscheidungskriterium.

Mit günstigen Preisen und wenig Service mischten auch die Gebrüder Albrecht in den 60er und 70er Jahren den deutschen Lebensmitteleinzelhandel auf. Aldi wurde der führende Discounter und die Familie Albrecht zu einer der reichsten Familien in Deutschland. Mittlerweile hat sich das Erscheinungsbild einer Aldi-Filiale wieder massiv verändert. Billig alleine ist schon lange kein Erfolgskriterium mehr. Kunden wollen heute wieder zunehmend persönlichen Service und sich wohlfühlen – nicht nur im Lebensmitteleinzelhandel.