Das Ergebnis war eindeutig und wenig überraschend. Quer durch alle Bildungs- und Gesellschaftsschichten wollen die Deutschen im Durchschnitt mit 60,2 Jahren in Rente gehen. Sofern sie es sich finanziell leisten können. So zumindest das Resultat einer repräsentativen GfK-Umfrage aus dem letzten Jahr. Die Realität sieht jedoch mittlerweile ganz anders aus. Schon 2007 hatte der Bundestag beschlossen, das gesetzliche Rentenalter schrittweise anzuheben. Wer ab dem Jahr 1965 geboren ist, kann sich erst im Alter von 67 Jahren abschlagsfrei zur Ruhe setzen. Wenn es allerdings nach den Vorstellungen der Wirtschaftsweisen geht, soll es dabei nicht bleiben. Diese fordern mittlerweile schon das Renteneintrittsalter schrittweise auf 71 Jahre anzuheben. Die Politik dagegen scheut sich noch davor diese harten Wahrheiten umzusetzen und übt sich stattdessen in der Quadratur des Kreises. Das Rentenniveau von derzeit 48,1 Prozent, gemessen am Durchschnittseinkommen nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge, soll stabil bleiben. Gleichzeitig sollen die Rentenversicherungsbeiträge aber auch nicht über 20 Prozent steigen. Trotzdem soll das Geld für Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente und eine erweiterte Mütterrente reichen. Zusätzlich soll auch noch eine Grundrente für langjährige Geringverdiener eingeführt werden. Die Ausgaben sollen also steigen, die Einnahmeseite, dem demographischen Wandel sei Dank, wird dagegen im günstigsten Fall gleichbleiben, vermutlich aber eher sinken. Ungeachtet dieser Realitäten träumen die meisten Deutschen von einem früheren Renteneintritt, nach Möglichkeit ohne irgendwelche Abschläge. Unmöglich ist dieser Wunsch sicherlich nicht, allerdings sollte man sich zeitig mit den Konsequenzen auseinandersetzen.

Bei frühem Rentenbezug sind die Abschläge hoch

Grundsätzlich gilt, ein Rentenbezug aus der gesetzlichen Rentenversicherung ist bereits mit 60 Jahren für die allermeisten Rentenversicherten nicht mehr möglich. Wer 1952 oder später geboren ist, kann frühestens mit 63 Jahren mit Abschlägen vorzeitig in Rente gehen. Ausnahmen existieren lediglich bei Schwerbehinderung. Dabei sinkt für jeden Monat, den ein Arbeitnehmer früher in Rente geht und keine Beiträge mehr zahlt die staatliche Monatsrente um 0,3 Prozent. Wer ein Jahr vor Erreichen der Regelaltersgrenze (67 Jahre) Rente beantragt, muss also damit leben, dass die monatliche Rente um 3,6 Prozent niedriger ausfällt. Dieser Abschlag gilt für das ganze Leben. Wenn man also schon mit 63 Jahren seine Altersrente beantragt, beträgt der dauerhafte Abschlag 14,4 Prozent pro Monat. Die Zeit von 60 Jahren bis zu dem 63 Geburtstag muss sowieso komplett aus Eigenmitteln überbrückt werden.

Jeder Rentner wird bereits mit 4.330 Euro monatlich subventioniert

Grundsätzlich sollte man zwischen 60 und 80 Prozent des regelmäßigen Einkommens auch für den Ruhestand anstreben. Weicht man von dieser Zielquote zu sehr nach unten ab, ist davon auszugehen, dass die gewohnte Lebensqualität merklich leidet. Damit wird aber auch deutlich, dass das Versorgungsniveau das nur mit der gesetzlichen Rente erreicht werden kann, mit ca. 48 Prozent ebenfalls viel zu niedrig ist. Privater Vermögensaufbau ist also zwingend notwendig, auch dann, wenn man erst mit 67 seine gesetzliche Rente beziehen will. Dabei ist die gesetzliche Rentenversicherung schon jetzt auf hohe Staatszuschüsse angewiesen. Die Beitragseinnahmen reichen längst nicht mehr aus, um die hohen Ausgaben zu decken. Laut Mitteilung des Bundesfinanzministeriums betrugen die Leistungen des Bundes an die Rentenversicherung im Jahr 2017 insgesamt 90,95 Milliarden Euro. Damit wurde jeder Rentner bereits mit 4.330 Euro im Jahr durch Steuermittel unterstützt. Dieser Anteil wird zwangsläufig in den nächsten Jahren zunehmen.

Die meisten Haushalte sparen falsch

Dabei ist den meisten Deutschen auch klar, dass sie privat vorsorgen müssen. Die Sparquote liegt im Schnitt bei 9,9 Prozent. Allerdings sparen die meisten Haushalte falsch. In der Regel wird das Kapital zu konservativ und damit zu ertragsschwach angelegt. Die Deutschen horten ihr Geld, trotz Nullzinsen, als Bargeld oder parken es als Sichteinlagen bei Banken, also auf Giro- oder Tagesgeldkonten. Weiterhin beliebt sind auch Versicherungen und Pensionseinrichtungen. Anlagen in Sachwerte wie Aktien sind nach wie vor unterrepräsentiert. Die meisten Haushalte gehen dabei ein immenses Klumpenrisiko ein.

Die gesetzliche Rente ist wie eine deutsche Staatsanleihe

Denn auch die Anwartschaften der gesetzlichen Rentenversicherung sind Geldwerte. Diese klammern allerdings die meisten Anleger aus. Die Durchschnittsrente im Westen betrug im letzten Jahr 1.383 Euro. Durch die steigende Lebenserwartung beträgt die derzeitige durchschnittliche Rentenbezugszeit fast 20 Jahre. Im Jahr 1960 erhielten die Menschen nur durchschnittlich 9,9 Jahre lange ihre gesetzlichen Altersbezüge. Betrachtet man den Barwert der zukünftigen Rentenzahlungen eines Durchschnittsrentners, so kommt man bei einem unterstellten Zins von 1 Prozent pro Jahr auf einen Wert in Höhe von 299.484 Euro. Der Barwert ist der Wert, den zukünftige Zahlungen in der Gegenwart besitzen. Er wird durch Abzinsung der zukünftigen Zahlungen und anschließendes Summieren ermittelt. Die gesetzliche Rente ist allerdings nichts weiteres als eine Verbindlichkeit des Staates und damit vergleichbar mit einer unverkäuflichen deutschen Staatsanleihe. Schätzungen unter Einbeziehung der gesetzlichen Rente gehen davon aus, dass das liquide Vermögen der Deutschen zu 80 Prozent in Geldwerten und nur zu 20 Prozent in Sachwerten investiert ist. Denn auch Versicherungen und Pensionskassen investieren in der Regel zu 90 Prozent in Anleihen.

Es besteht ein dramatisches Ungleichgewicht in der Vermögensbilanz

In der Folge sind Sachwerte, dazu zählen Aktien, Immobilien, Rohstoffe, Gold und Silber, in der Vermögensbilanz dramatisch unterrepräsentiert. Anzustreben wäre ein ausgewogenes Verhältnis von Geld- und Sachwerten. Vor allem im derzeitigen Umfeld, in dem Geldwerte kaum noch Ertrag abwerfen. Grundsätzlich sollten Investitionen nach Abzug der Inflationsrate eine positive Rendite erzielen um das Vermögen zu erhalten. Diesen Anspruch erfüllen derzeit weder Tagesgeld noch deutsche Staatsanleihen. In den letzten Jahren herrschte außerdem eine extrem niedrige Inflationsrate. Von daher fiel der Wertverlust kaum ins Gewicht. Aber seit diesem Jahr zieht die Inflationsrate in Deutschland wieder merklich an. Rentenleistungen sind der Inflation nahezu schutzlos ausgeliefert. Nur mit großer finanzieller Anstrengung ist man derzeit in der Lage, die Kaufkraft aufrechtzuerhalten. Bei einer Inflationsrate jenseits der 4 bis 5 Prozent würden jedoch die Renten massiv leiden. Sachwerte dagegen sind wesentlich besser gegen das Inflationsrisiko geschützt.

100 Prozent Aktienquote – warum nicht?

Bezieht man die Barwerte von gesetzlichen Rentenleistungen in die Vermögensbilanz mit ein, wird sehr schnell ersichtlich, dass die meisten deutschen Haushalte in ihren privaten Vermögensanlagen einen viel höheren Anteil an Aktien und anderen Sachwerten vertragen könnten. Dadurch würde, ein ausreichend langfristiger Anlagezeitraum vorausgesetzt, auch die Durchschnittsrendite der Vermögen signifikant steigen. Ein Blick in andere Länder mit höherer Aktienquote in den privaten Anlagen bestätigt dies eindrucksvoll. Eine ideale Möglichkeit um ein Gefühl für die private Vermögensbilanz zu erhalten, ist ein individueller Finanzplan. In einer Vermögensbilanz werden alle Anlagen entsprechend ihrer Vermögensklasse aufgeführt. Viele Wertpapierdepots könnten eine Aktienquote von 100 Prozent durchaus vertragen. Damit ließe sich das derzeitige Klumpenrisiko in den Geldwerten abbauen. Ziel muss es sein, in der privaten Vermögensbilanz auf eine ausgeglichene Balance zwischen Sach- und Geldwerten zu kommen. Je früher man sich damit beschäftigt, desto eher ist das Ziel erreichbar, ein paar Jahre früher den Ruhestand zu genießen. Im Vermögensaufbau gibt es zwei wichtige Komponenten, das sind die Zeit und die Rendite. Ein privater Finanzplan hilft ihnen dabei, beides optimal zu nutzen. Denn nur wer früh plant, kann langfristig genießen.

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