Am Anfang stand die Krise. Im Jahr 1720 platze in England die Südseeblase, die bedeutendste Spekulationsblase der frühen Neuzeit. In London hatte sich am Anfang des 18. Jahrhunderts eine florierende Wertpapierbörse entwickelt. Die South Sea Company versprach Ihren Anlegern mit dem Südseehandel von exotischen Produkten, Rohstoffen und Sklaven hohe Profite. Es blieb leider bei den Versprechungen, wirklich Geld verdiente die South Sea Company nie und als am 1. August des Jahres 1720 erstmalig eine versprochene Dividende nicht gezahlt werden konnte, platzte die Blase und ruinierte tausende Anleger. Darunter waren auch durchaus prominente Opfer, wie der Physiker Isaac Newton, der alleine 20.000 Pfund verlor. In der Folge brach der gesamte britische Aktienmarkt massiv ein, das Land schlitterte in eine Rezession und der Handel und die Produktion gingen für Jahre in England zurück. Der Aktienhandel steckte für Jahrzehnte in ganz Europa in einer Vertrauenskrise.

In diese Zeit hineingeboren, am 19. April 1744 in Amsterdam, wurde Abraham van Ketwich. Über den holländischen Kaufman ist nicht viel bekannt, aber er gilt mittlerweile als der Erfinder des Investmentfonds. Im Jahr 1774 legte er seinen ersten Investmentfonds mit dem Namen “Eendracht Maakt Magt” (Eintracht macht stark) auf. Das Prinzip der Risikostreuung war dem Niederländer dabei ein besonderes Anliegen. In den Jahrzehnten davor hatten Anleger immer wieder Ihr Vermögen in dubiosen und risikoreichen Anlagen verloren. Van Ketwich erkannte, dass sich solche Pleiten nur mit einer angemessenen Risikostreuung vermeiden ließen. Das Kapital seiner Anleger investierte er daher in eine Vielzahl verschiedener Einzeltitel. Fast ausschließlich in Anleihen, da der europäische Aktienmarkt seit dem Platzen der Südseeblase immer noch am Boden lag. Die Anlage betrug je Anleger 500 Gulden, das entspräche heute rund 10 000 Euro. Die Rechte und die Anlagephilosophie waren schon damals in einem Fondsprospekt klar definiert. Die Kosten für die Anleger waren verglichen mit heute sensationell niedrig. Anleger mussten lediglich einen Ausgabeaufschlag von 0,5 Prozent und eine Managementgebühr von 0,2 Prozent p.a. zahlen. Das Ergebnis des Rentenfonds konnte sich sehen lassen, durchschnittlich erreichte der Fonds während seines Bestehens eine jährliche Rendite von rund vier Prozent. Aufgrund des großen Erfolges legte van Ketwich bereits zwei Jahre später einen zweiten Fonds auf, der sechs Prozent Rendite versprach und eine Laufzeit von 25 Jahren haben sollte. Es gab ihn bis 1893, also 114 Jahre lang. Er trug die Bezeichnung „Voordelig en Vorsigtig“, was ins Deutsche übersetzt „Vorteilhaft und vorsichtig“ bedeutet.

Bis es die Idee des Investmentfonds nach Deutschland schaffen sollte, vergingen dann noch einige Jahrzehnte. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde im Oktober 1950 mit dem „Fondak“, dessen Name eine Mischung aus „Fonds“ und „Aktien“ darstellt, der erste Investmentfonds in Deutschland aufgelegt. Den Fonds gibt es noch heute, unter dem Dach von Allianz Global Investors. Der Fonds war gleich zu Beginn ein voller Erfolg. Alleine zwischen 1950 und 1959 konnte er eine Performance von insgesamt 1.024 Prozent erzielen. In den rund 68 Jahren seines Bestehens erzielte er eine jährliche Durchschnittsperformance von 18,2 Prozent. Nicht ganz so positiv und schnell entwickelte sich jedoch das Angebot an weiteren Fonds in Deutschland. Im Jahr 1979 gab es erst 45 Aktienfonds auf dem hiesigen Markt. Erst ab den Achtzigerjahren verbreitete sich in Deutschland eine bescheidene Aktienkultur aus, die das Fondsangebot im Land nach oben schnellen ließ. Insgesamt kämpfen derzeit mehr als 110.000 Fonds weltweit um die Gunst der Anleger. Rund 22.000 davon sind auch in Deutschland verfügbar. Allerdings erzeugt das Angebot noch keine Nachfrage. Trotz Niedrigzinsen ignorieren die meisten deutschen Sparer erfolgreich den Investmentfonds.

Laut einer aktuellen Umfrage des Verbands der Privaten Bausparkassen liegt das „Sparen auf dem Girokonto“ wieder auf Platz 1 der beliebtesten Geldanlagen der Deutschen. Dicht gefolgt vom Sparbuch auf Platz 2 und den dritten Platz, wen wundert es, teilen sich der Bausparvertrag und die Kapitallebensversicherung. Investmentfonds sind bei nur 21 Prozent der Befragten beliebt und auf dem letzten Platz liegen, mit nur noch 13 Prozent, die Aktien. Die Platzierung der einzelnen Sparformen ist bereits seit Jahren recht konstant. Lediglich der erste und zweite Platz tauschen schon mal die Platzierung.

Das aktuelle Zinsniveau hat an den Vorlieben der deutschen Sparer nichts verändert. Dieser Starrsinn beim Sparen hat Folgen. Im ersten Quartal des Jahres 2018 verlor jeder Deutsche so rechnerisch 86 Euro. Bundesweit betrachtet beträgt der Verlust aus der einseitigen Anlagestrategie der Deutschen rund 7,1 Milliarden Euro im ersten Quartal, auf das Jahr gerechnet kommen so stolze 28,4 Milliarden Euro zusammen. Klassische Sparanlagen, das ist leider keine neue Erkenntnis, lohnen nicht mehr. Der kleine Zinsertrag wird rein rechnerisch von der Inflation gnadenlos aufgefressen. Deutlich anders sieht es hingegen auf dem Aktienmarkt aus. Auch wenn DAX, Dow und Co. derzeit etwas entfernt von ihrem Allzeithoch Ende 2017 liegen, so sind die Renditen doch immer noch sehr ansehnlich.

Für einen Einstieg in den Aktienmarkt ist es dabei nie zu spät. Das Grundprinzip der Risikostreuung, das Abraham van Ketwich vor fast 300 Jahren mit der Auflage seines ersten Investmentfonds entwickelt hat, ist immer noch gültig. Das Jahr 2017 war dabei für Anleger sehr nervenschonend. Es gab kaum Wertschwankungen und der Aktienmarkt kannte scheinbar nur eine Richtung. Das Jahr 2018 wird, das haben die ersten Wochen schon eindrucksvoll gezeigt, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit unruhiger. Profis sprechen von einem Sägezahnmarkt, die Kurse entwickeln sich in Wellenbewegungen auf und ab. Jedem Anstieg folgt eine Korrektur. Die Börsenparty läuft zwar nach wie vor auf Hochtouren, aber die Gäste tanzen mittlerweile näher am Ausgang. Wie lange die Party noch geht, vermag keiner zu sagen. Es ist wie im wahren Leben, die Stimmung erreicht auf einer Party erst kurz vor Schluss ihren Höhepunkt. Es ist wichtig, vor allen Dingen dann dabei zu sein.

Allerdings sollten Anleger nicht der Versuchung erliegen den Markt und ihr Investment zu timen. Den optimalen Einstiegs- und Ausstiegspunkt zu finden, auch das zeigen zahlreiche Untersuchungen, ist Glück. Gerade in dem derzeitigen Sägezahnmarkt bieten sich Sparpläne auf Investmentfonds an. Dabei ist es grundsätzlich egal, ob man sich einen aktiven gemanagten Fonds oder einen Indexfonds als passives Vehikel (ETF) auswählt. Entscheidend ist, dass man mit der Anlage frühzeitig beginnt. Unabhängig ob 50,- Euro oder 5.000,- Euro im Monat investiert werden. Mit einem Sparplan kann man langfristig an den Aktienmärkten wenig falsch machen. Im Gegenteil, die jährliche Durchschnittsperformance des Fondak in Höhe von 18,2 Prozent ist nur ein Beispiel von vielen. Am 19. April, dem Geburtstag von Abraham van Ketwich, feiert die Branche seit 2012 den Weltfondstag. “Eintracht macht stark” war sein Grundgedanke. Durch Fonds sollten auch kleine Sparer, nicht nur die Superreichen, die Möglichkeit haben, das Risiko ihrer Kapitalanlage zu mindern, indem das Geld auf viele verschiedene Aktien verteilt wird. Im Jahr 2018 ist diese Idee aktueller denn je.

 

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