Griffige Abkürzungen helfen Wertpapierberatern an der Wall-Street immer, Aktien und Fondsanteile zu verkaufen. Bis vor wenigen Monaten waren Investitionen in Aktien und Fonds der BRIC-Staaten der große Renner. BRIC steht für die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China. Nachdem aber die brasilianische Wirtschaft in die Rezession abgeglitten war, Russland unter Sanktionen und niedrigen Ölpreisen litt und auch die chinesische Volkswirtschaft nicht mehr zweistellig pro Jahr wächst, hat die Performance dieser Wertpapiere merklich an Charme verloren und die Produkte sind zu Ladenhütern avanciert. Eine neue Vertriebsidee musste her, seitdem sind FAANG Aktien das neue „heiße“ Ding am Verkaufsschalter der Bank ihres Vertrauens. Das Akronym FAANG steht für die Aktien der Unternehmen Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google. Auch die Namensänderung von Google zu Alphabet änderte nichts an dem populären Begriff. Das „G“ für Google blieb. Mitunter sieht man auch  das Kürzel FAANG+M, da rechnet man dann auch Microsoft hinzu, was durchaus sinnvoll ist.

Die glorreichen Fünf haben eine eindrucksvolle Bilanz hingelegt

Die glorreichen Fünf (Sechs) haben in den letzten Jahren eine eindrucksvolle Bilanz hingelegt. Gegenwärtig sind sie die bedeutendsten “Influencer” des Aktienmarktes. Sowohl ihre Gewinne als auch ihre Verluste tangieren den Gesamtmarkt in einem überproportionalen Ausmaß. Angesichts der Marktkapitalisierung dieser Tech-Größen kann schon eine schlechte Woche dieser Werte den kompletten Markt nach unten treiben. Beobachter kritisieren schon seit einiger Zeit die Marktmacht der Werte. Exemplarisch steht dafür der 18. März dieses Jahres, als die undurchsichtigen Machenschaften zwischen Facebook und Cambridge Analytica bekannt wurden. In der Folge gab der Kurs der Facebook Aktie innerhalb einer Woche um rund 13,5 Prozent nach. Bis zum Handelsschluss am Freitag, den 23. März, verlor Facebook somit mehr als 70 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung. Diese Entwicklung blieb nicht ohne Auswirkungen auf die anderen Tech-Werte. Ohne triftigen Grund fielen innerhalb dieser Schicksalswoche auch die Papiere von Alphabet um 10,5 Prozent, Apple um 7,3 Prozent, Netflix um 5,5 Prozent und Amazon um 4,7 Prozent. Auch der Gesamtmarkt konnte sich vom heraufbeschworenen Facebook-Datenskandal nicht retten. Der NASDAQ Composite büßte rund 6,4 Prozent ein, der S&P 500 verlor 6 Prozent und selbst der Dow Jones fiel um 5,7 Prozent. Auch wenn sich die Werte in der Folge wieder schnell erholten, fühlen sich die Kritiker an die Dotcom-Blase der Jahrtausendwende erinnert.

Der Marktwert der Unternehmen ist beeindruckend

Der Marktwert der einzelnen Unternehmen ist dabei in der Tat beeindruckend. Einige der Unternehmen sind inzwischen größer als ganze Volkswirtschaften. Allein die Apple-Marktkapitalisierung ist mit 830 Milliarden größer als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Niederlande, der Schweiz, Schwedens oder Belgiens. Gleiches können Amazon mit 815 Milliarden Dollar, Alphabet mit 796 Milliarden Dollar und Microsoft mit 784 Milliarden behaupten. Selbst die größte europäische Volkswirtschaft Deutschland kann da nicht mithalten. Die fünf Giganten bringen zusammen gut 3,8 Billionen Dollar auf die Waage, 100 Milliarden Dollar mehr, als in der deutschen Volkswirtschaft in einem Jahr an Gütern und Dienstleistungen produziert werden. Auch sonst sind die Zahlen der einzelnen Unternehmen durchaus beeindruckend. Google beispielsweile, der mittlerweile in Alphabet umfirmierte IT-Riese, verfügt über rund 70 Mrd. Dollar in bar. Pro Woche kommen rund 308 Mio. Dollar Gewinn obendrauf. Das Unternehmen ist längst seiner einstigen Rolle als größte Internet-Suchmaschine der Welt entwachsen, bei welcher übrigens jede Sekunde 40.000 User eine Suchanfrage starten. Das macht rund 3,5 Mrd. Anfragen pro Tag. Der Konzern von Larry Page investiert eifrig in selbstfahrende Autos, Haustechnik, Roboter, Künstliche Intelligenz und diverse andere Zukunftstechnologien. Viele Analysten sehen für das Unternehmen nach wie vor ein grenzenloses Wachstumspotenzial. Bislang steckt der Internetgigant alle Attacken der Wettbewerber gut weg. Eine Wettbewerbsstrafe der EU in Höhe von 2,4 Milliarden Euro konnte Alphabet im zweiten Quartal 2017 komplett bezahlen und trotzdem noch 3,5 Milliarden Dollar Gewinn ausweisen. Auch das 2019’er KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) ist mit 19,8 für einen globalen Marktführer eher moderat bewertet.

Teilweise sind die Börsenbewertungen höchst ambitioniert

Amazon dagegen ist der größte Internethändler der Welt. Allein in Deutschland hat das amerikanische Unternehmen eine Reichweite von unglaublichen 46 Prozent. Damit kauft rund die Hälfte der Deutschen bei Amazon ein. Zwar ist die Liste der Kritikpunkte lang – drohende Verödung der Innenstädte, Proteste gegen die Arbeitsbedingungen – aber Amazon macht das Leben einfacher. Die Bequemlichkeit der Menschen gilt als stabiler Wachstumstreiber für das Unternehmen. Der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt aber besonders profitabel für das Unternehmen ist das Cloud-Geschäft. Dabei vermietet Amazon Software und Speicherkapazitäten an andere Unternehmen, die ihre Produkte übers Internet verkaufen wollen. Diese Sparte trug mit einem operativen Ergebnis von 1,4 Milliarden US-Dollar mehr als 70 Prozent zum Konzerngewinn bei. Mit einem 2019’er KGV von 58,3 ist die Aktie jedoch ambitioniert bewertet. Trotzdem sehen Beobachter noch ausreichend Potential. Mit einem horrenden 2019’er KGV in Höhe von 74,9 wird derzeit der Streamingdienst Netflix am Markt taxiert. Zwar nutzen mittlerweile weltweit 130 Millionen Menschen die Online-Videoplattform. Jeder Einzelne wird jedoch derzeit an der Börse mit mehr als 1000 Euro bezahlt. Das entspricht den Abokosten von zehn Jahren, wobei niemand weiß, wie Netflix anno 2028 dastehen wird. Der Wettbewerb schläft nicht, mögliche Konkurrenten bringen sich in Position. Das Unternehmen wandelt sich zudem derzeit vom reinen Streamingdienst zum Film- und Serienproduzenten. Es muss also in Vorleistung gehen, um weiterhin Wachstum ernten zu können. Ähnlich spannend werden die nächsten Jahre für Facebook. Bei den Nutzern zeichnet sich ein Wandel ab, immer weniger jüngere Nutzer zieht es zu Facebook und auch der Datenskandal vom März hat dazu geführt, dass Unternehmen der Plattform den Rücken zukehren.  Nach wie vor nutzen jedoch weltweit mehr als 2 Milliarden Menschen die Plattform. Mit einem 2019er KGV von 18,8 ist die Aktie aber vergleichsweise moderat bewertet.

Wird Apple schon bald die erste “Trillion Dollar Company“

Eine besondere Position nimmt Apple ein. Mit einem Börsenwert von 830 Milliarden Dollar wird es höher bewertet als die acht wertvollsten Unternehmen Deutschlands gemeinsam. Inzwischen laufen an der Wall-Street Wetten, ob Apple schon bald die erste “Trillion Dollar Company” wird, eine Firma mit mehr als einer Billion Dollar Börsenwert. Dabei wird das Unternehmen mit einem aktuellen KGV von 13,88 mit gerade einmal 14 Jahresgewinnen bewertet. Zieht man die 153 Milliarden Dollar Nettoliquidität vom Börsenwert ab, schrumpft das Kurs-Gewinn-Verhältnis sogar auf knapp 13. Für Investor Warren Buffett sicher auch ein Grund, warum er sein Engagement sukzessive ausgebaut hat. Auch wenn das Unternehmen im Umsatz zu 55 Prozent vom I-Phone Umsatz abhängt. Für viele Analysten haben die FAANG Unternehmen die besten Geschäftsmodelle der Welt. Im Juli präsentieren die meisten Unternehmen ihre Zahlen für das zweite Quartal. Dann wird sich zeigen wie stabil der Wachstumstrend wirklich ist und welche Aktie im Depot ein guter Fang ist. Mit Portfolio Concept hat zumindest Facebook einen neuen Nutzer gewonnen. Seit Anfang des Monats sind wir auch dort vertreten. Daneben sind wir auch neu bei Twitter, zwar keine Aktie der großen Fünf, aber trotzdem eine Möglichkeit der schnellen Kommunikation. Unsere größte Stärke ist jedoch das persönliche Gespräch. Gerne „face to face“ in unserem Büro oder per Telefon unter 0221-9486 50. Wir freuen uns auf Sie.

Empfehlen Sie unseren Artikel Ihren Freunden