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Drum prüfe, wer sich ewig bindet…“, so beginnt die Zeile der achten Strophe von Friedrich Schillers Gedicht „Das Lied von der Glocke“. Selbst in der heutigen Zeit, in der das Auswendiglernen nicht zum unbedingten Pflichtprogram an deutschen Schulen gehört, ist zumindest diese Zeile den meisten bekannt. Nicht nur Heiratswillige, sondern auch Kapitalanleger sollten sich diese Zeilen zu Herzen nehmen. Denn Fehlentscheidungen können in beiden Fällen kostspielig werden. Seit Jahren leiden vor allem konservative Kapitalanleger unter der Niedrigzinsphase. Die Zeiten, in denen man über ein reines Anleihen Portfolio auskömmliche Renditen erzielen konnte, sind schon lange vorbei. Ohne die Bereitschaft ein gewisses Maß an Risiko einzugehen, ist ein realer Kapitalerhalt nicht mehr möglich. Vor allem seitdem in den letzten Monaten die Inflation leicht angezogen hat, sind viele konservative Anleger auf dem besten Weg, sich arm zu sparen.

Vor einer ganz besonderen Herausforderung stehen Kunden, deren Lebens- oder Rentenversicherung in den nächsten Monaten fällig wird. Über Jahrzehnte hat man jeden Monat seinen „Spargroschen“ den Versicherungen anvertraut. Rückblickend wird sich das auch für die meisten gelohnt haben. Wer in den „guten Jahren“ mit einem solchen Sparvertrag begonnen hat, kann sich jetzt oft über eine steuerfreie oder stark steuerlich privilegierte Auszahlung freuen. Auch nach den nicht unerheblichen Kosten, sind jährlich erzielte Renditen von mehr als vier Prozent pro Jahr bei auslaufenden Altverträgen keine Ausnahme. Doch jetzt stellt sich für viele Anleger die Frage: „Wohin mit meinem Geld?“. Soll man dem Versicherer weiterhin treu bleiben und sich das Kapital durch eine lebenslange Rente auszahlen lassen? Auf den ersten Blick erscheinen die versprochenen lebenslangen Renten oft nicht unattraktiv. Auf der anderen Seite ist die Verfügbarkeit über das Kapital oft eingeschränkt und bei einem frühen Ableben landet das Geld auch häufig im Versicherungskollektiv und nicht bei den Hinterbliebenen. Auch wenn die lebenslange Rente der eigenen Versicherung bequem und verlockend erscheint, sollten Sparer sich die Mühe machen, das Angebot zumindest mit anderen Sofortrenten oder alternativen Konzepten zu vergleichen. Schließlich stellt sich die Frage, ob der Versicherer auch in Zukunft in der Lage sein wird, die guten Renditen der vergangenen Jahrzehnte zu erzielen. Aktuell liegt der gesetzliche Garantiezins bei nur noch 0,9 Prozent.

Denn aufgrund der demographischen Entwicklung droht den Lebensversicherungen jetzt auch noch, unabhängig vom Niedrigzinsumfeld, ein massiver Beitragsschwund. Nach aktuellen Berechnungen der Wirtschaftsprüfer von KPMG könnten bis zum Jahr 2030 fast 6 Milliarden Euro an Prämienvolumen wegbrechen. Um das jetzige Beitragsniveau zu halten, müsste das Neugeschäft mehr als verdoppelt werden. Auslöser für diese Entwicklung, die Hauptzielgruppe für die private Altersvorsorge schrumpft rapide. Die Gesellschaft altert und das bedeutet nicht nur ein Problem für die Sozialversicherung, sondern auch für die privaten Versicherer. Anders ausgedrückt, den Versicherern werden nicht genug Kunden nachgeboren. Zusätzlich belasten die hohen Garantien für Altvertrage die Versicherer. Rund ein Drittel der deutschen Lebensversicherer schafft die Erträge nicht mehr, um garantierte Zinsen und nötige Reserven zu decken. Folglich ziehen sich immer mehr Lebensversicherer vom Markt zurück und verkaufen ihre alten Bestände. Für Kunden ist ein solcher Verkauf leider nicht immer vorteilhaft. Noch sind die Garantien gesichert, aber im schlimmsten Fall kann die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) als Aufsichtsbehörde auch die Garantien von Altverträgen kürzen. Einige Beobachter möchten ein solches Szenario für die Zukunft nicht mehr ausschließen.

Ein Blick auf die Aufteilung des Geldvermögens der Deutschen lässt in diesem Zusammenhang nichts Gutes erwarten. Das Geldvermögen der privaten Haushalte belief sich zum Ende des dritten Quartals 2017 nach Zahlen von Statista auf knapp 5.779 Milliarden Euro. Spannend wird es, wenn man sich die Verteilung anschaut. Der größte Teil liegt, trotzt jahrelanger Niedrig- und sogar Negativzinsen, mit 39 Prozent im Bargeld. 38 Prozent ihres Geldvermögens haben die Deutschen bei Versicherungen und Pensionseinrichtungen angelegt. Lediglich 23 Prozent des Geldvermögens sind in Aktien, festverzinslichen Wertpapieren und Investmentfondsanteilen platziert. Auch wenn das Geldvermögen pro Einwohner kontinuierlich steigt, fallen die Deutschen im direkten Vergleich zu anderen Industrienationen immer weiter zurück. Dies hängt im Wesentlichen mit der unglücklichen Aufteilung auf die falschen Sparformen zusammen. Vergleichbare Industrienationen sparen einen weitaus höheren Prozentsatz in Wertpapieren. Die Deutschen sparen sich auch im internationalen Vergleich arm.

Gefangen in der Nominalwertillusion fiel das in den letzten Jahren nicht weiter negativ auf. Ein Blick auf das Sparbuch oder Festgeldkonto sorgte für Beruhigung. Die Zinserträge waren zwar nicht üppig, aber man hatte auch nominal kein Geld verloren. Seit einiger Zeit jedoch, nimmt die Inflation langsam aber sicher an Fahrt auf. Viele Experten rechnen mit einem weiteren Anstieg in den nächsten Jahren. Dabei ist, auch von dieser Illusion sollten sich die Sparer lösen, mit einer grundsätzlichen Zinswende in naher Zukunft nicht zu rechnen. Die Schuldenstände der europäischen Staaten sind dafür einfach zu hoch. Die finanzielle Repression, die Entschuldung über Inflation und Niedrigzins, steht gerade erst am Anfang.

Dabei sollten sich die konservativen Sparer immer bewusstmachen, das Schulden immer die Guthaben der Vermögenden sind. Die meisten Menschen glauben, Geld entsteht durch ihre Arbeit. Doch aus Arbeit kann kein Geld entstehen. Es entsteht ausschließlich aus Kredit. Denn jeder Schuldner hat einen Gläubiger, jede Schuld hat eine Entsprechung in Geldvermögen. Dies ist eine mathematische Notwendigkeit unseres Geldsystems. Die finanzielle Repression wird dieses, vermeintlich konservativ und sicher, angelegte Geldvermögen in den nächsten Jahren schleichend aufzehren. Wenn der Staat sich über die finanzielle Repression entschuldet, läuft es zwangsläufig über das Bargeldvermögen seiner Bürger. Anleger dagegen, die ihr Geld in Wertpapiervermögen der Realwirtschaft angelegt haben, werden durch inflationsgeriebene Wertsteigerungen von Wertpapieren zusätzlich profitieren.

Um als Anleger einen Überblick zu erhalten, wieviel Vermögen derzeit nutzlos in Bargeld und auf Festgeldkonten liegt, empfiehlt sich ein individueller Finanzplan. Wenn nur die Hälfte des derzeit brachliegenden Kapitals in inflationsgeschützte Anlagen übertragen wird, ist schon ein erster Schritt in die richtige Richtung getan. Zeitgleich können die bestehenden Versicherungsverträge überprüft und optimiert werden. Nicht jede Absicherung, die in jungen Jahren notwendig und wichtig war, ist Jahrzehnte später noch sinnvoll. Mitunter ist eine Beitragsfreistellung oder Kündigung von einem bestehen Vertrag auch ertragreicher, als ein Einfaches weiter so. Ein qualifizierter Finanzplaner kann dabei wertvolle Unterstützung leisten. Grundsätzlich gilt jedoch, für zukünftige Ehepaare oder Kapitalanleger gleichermaßen, die von Goethe inspirierte Volksweisheit „Drum prüfe wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Besseres findet“.