Ein Mann geht auf der Straße spazieren. Er hat einen Hund dabei. Und wie sich Hunde verhalten, läuft er vor und kommt wieder zu seinem Herrchen zurück. Dann läuft er wieder vor und sieht, dass er zu weit gelaufen ist, und kommt wieder zurück. So geht es die ganze Zeit. Am Ende kommen sie beide am gleichen Ziel an. Doch während der Mann schön langsam einen Kilometer zurückgelegt hat, ist der Hund herumgerast und hat vier Kilometer zurückgelegt. Der Mann ist die Wirtschaft und der Hund ist die Börse.” Mit dieser kleinen Geschichte beschrieb der Börsenaltmeister Andre Kostolany sehr anschaulich und verständlich das Verhältnis der Börsenkurse zur Wirtschaft.

Es gibt kein logisches Gesetz, nach dem sich die Kurse entwickeln

Beide entwickeln sich selten im Gleichschritt, ganz im Gegenteil. An den Märkten gibt es kein logisches Gesetz, nach dem sich die Kurse entwickeln müssen. Manchmal scheint die Börse verrückt zu spielen. Mitunter werden schwache Quartalszahlen eines Unternehmens einfach ignoriert. Anstatt dass der Aktienkurs sinkt, greifen die Börsianer munter zu und der Aktienkurs und damit der Wert des Unternehmens steigen. Dem Verlust in der Bilanz zum Trotz. Auch das Gegenteil ist nicht selten. Der Aktienkurs von erfolgreichen Firmen mit soliden Bilanzen kommt nicht vom Fleck und führt ein Schattendasein an der Börse.

An der Börse wird die Zukunft gehandelt

Denn an der Börse wird ausschließlich die Zukunft gehandelt, die Gegenwart interessiert kaum und die Vergangenheit ist schon lange vergessen. Prognosen sind häufig mehr wert als bereits Erreichtes. Umso erstaunlicher ist es, dass die meisten Börsenregeln sich gerne und fast ausschließlich auf die Vergangenheit beziehen. Denn „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“, stellte schon der Kabarettist Karl Valentin sehr treffend fest. Vor allem die Charttechniker werden nicht müde, über die ausufernde Analyse von vergangenen Kurscharts die Zukunft der Kursverläufe zu prognostizieren. Viele Anleger und Analysten schwören darauf. Gerade zum Jahreswechsel werden auch gerne besondere Strategien propagiert, mit denen man im neuen Börsenjahr auf jeden Fall erfolgreich sein wird. Beliebt ist dabei vor allem die „Dogs of the Dow“-Strategie. Auf den ersten Blick ist diese Strategie einfach zu verstehen, sehr plausibel und einfach in der Umsetzung.

Die „Dogs of the Dow“-Strategie

Die „Dogs of the Dow“-Strategie basiert auf der Betrachtung der Dividendenrenditen von Aktien. Entwickelt wurde sie bereits in den 1930er-Jahren vom legendären Value-Investor Benjamin Graham. Richtig populär wurde sie erst knapp 60 Jahre später durch das Buch „Beating the Dow“ von Michael O’Higgins. Dieser hatte berechnet, dass sich eine bestimmte Zusammenstellung dividendenstarker Aktien aus dem US-Leitindex Dow Jones Industrial Average in der Vergangenheit besonders gut entwickelt hatte. Es waren die zehn Aktien des insgesamt 30 Substanzwerte umfassenden Index, die am Anfang eines jeden Jahres die höchste Dividendenrendite auswiesen. Die Umsetzung ist auch für Privatanleger einfach möglich. Die Schlusskurse der einzelnen Unternehmen werden jeweils zum 31. Dezember eines Jahres mit den für das kommende Jahr erwarteten Dividendenzahlungen verglichen. Die zehn Werte mit der höchsten Dividendenrendite werden gekauft beziehungsweise im Depot gehalten, alle anderen Werte verkauft. Diese Prozedur wiederholt sich Jahr für Jahr und ist dabei völlig unabhängig vom allgemeinen Marktgeschehen.

Man setzt auf die Verlierer der Vergangenheit

Als „Dogs“ bezeichnet man im Englischen umgangssprachlich minderwertige Sachen. Im Falle von Aktien sind damit die Titel gemeint, die im vergangenen Jahr am schlechtesten abgeschnitten haben. Denn oft zieht die Dividendenrendite einer Aktie an, weil der Kurs gesunken ist und nicht weil die Dividende gestiegen ist. O’Higgins hatte beobachtet, dass sich gerade die Kurse dieser Verlierer im darauffolgenden Jahr durchschnittlich besser entwickelten als die der anderen 20 Papiere im Dow Jones. Im Prinzip setzt man bei dieser Strategie einfach auf die Verlierer der Vergangenheit. Über längere Zeiträume zeigte diese Vorgehensweise eine bessere Entwicklung als der Dow Jones. Allerdings gab es auch immer wieder Phasen, in denen diese Methode nicht aufging.

Viele Strategien beruhen auf den „Dogs of the Dow“-Ansatz

In den letzten Jahren entwickelten sich eine ganze Reihe weiterer Regeln, die alle auf den grundsätzlichen Überlegungen der „Dogs-of-the Dow“-Strategie beruhen. Sehr verbreitet ist dabei auch die „Foolish Four“-Dividendenstrategie. Dabei werden aus den 10 Werten mit der höchsten Dividendenrendite nur die 5 mit dem niedrigsten Aktienkurs ausgewählt. Die Aktie mit dem niedrigsten Aktienkurs von allen wird allerdings gestrichen und dafür die mit dem zweit niedrigsten Aktienkurs doppelt gewichtet. Es gab durchaus Marktphasen, in denen diese Strategie etwas besser abgeschnitten hat. Allerdings besteht das Depot nur aus 4 Aktien. Kritiker bemängeln dadurch eine unzureichende Diversifikation. Etwas komplexer ist die „Dobermann-Strategie“. Dabei wird zusätzlich die Eigenkapitalrendite und der freie Cash-Flow der auszuwählenden Unternehmen berücksichtigt. Allen Strategien ist gemein, dass sie über längere Marktphasen ein besseres Ergebnis als der Index erzielen konnten, allerdings gab es auch gegenläufige Entwicklungen. Den wissenschaftlichen Beweis sind alle Strategien bis jetzt schuldig geblieben. Der größte Vorteil solcher Strategien ist, dass der Investor eine gewisse Disziplin mitbringen muss und immer zu 100 Prozent durch alle Marktphasen investiert ist. Emotionen werden bei der Anlageentscheidung völlig ausgeklammert.

Aber wann ist der richtige Einstiegszeitpunkt?

Solche Strategien helfen zwar bei der Auswahl der Aktien, lösen aber nicht das Problem den richtigen Einstiegszeitpunkt zu finden. Viele Anleger hadern mit der derzeitigen Entwicklung. Sie wissen nicht wo sich der „Hund“ aus Kostolany`s Geschichte gerade befindet. Ist er zu weit nach vorne gelaufen oder trabt er gerade brav neben seinem Besitzer her? Aus Angst, den falschen Zeitpunkt zu erwischen, bleiben sie an der Seitenlinie vom Markt stehen und sehen zu, wie ihr Vermögen auf den Tagesgeldkonten an Kaufkraft verliert und so langsam wegschmilzt. Dabei gibt es dafür mittlerweile bei fast allen Depotbanken eine einfache Lösung. Mit einem Kombi- oder Überlaufplan braucht man sich keine Gedanken über den richtigen Einstiegszeitpunkt zu machen.

Wichtig ist, dass der Anleger investiert ist

Der Kunde zahlt zu Beginn die gewünschte Anlagesumme in einen Fonds ein. Als Quellfonds bieten sich dabei eher defensive Mischfonds oder je nach Marktlage auch geldmarktnahe Produkte an. Im Anschluss wird anhand regelmäßiger Sparraten aus diesem Fonds in bis zu zehn ausgewählte Zielfonds umgeschichtet. Das erfolgt so lange, bis die Anlagesumme vollständig investiert ist. Der Investor profitiert dabei von dem Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt) und kann gewährleisten das sein Kapital immer vollständig investiert ist. Denn es ist letztlich egal wie weit der Hund hinter oder vor seinem Herrchen herläuft. Am Ende erreichen beide das gleiche Ziel.

Empfehlen Sie unseren Artikel Ihren Freunden