Alte Macht gegen neue Macht – eine klassische Konflikt-Konstellation. Die gab es schon im antiken Griechenland. Das damals alleinherrschende Athen traf auf seinen Herausforderer Sparta. Es kam zum Peloponnesischen Krieg, den der griechische Geschichtsschreiber und Admiral Thukydides dokumentierte. Seitdem beschreibt der Ausdruck Thukydides-Falle die Wahrscheinlichkeit von Konflikten zwischen einer aufsteigenden sowie einer aktuell dominierenden Macht. Vor wenigen Jahren hat der Harvard-Politologe Graham Allison in seinem Bestseller „Destined for War“ (Zum Kriege bestimmt) den Begriff zur Charakterisierung der Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten verwendet. Allison hat alle Fälle in den vergangenen 500 Jahren untersucht, bei denen es zu diesem Duell zwischen Herausforderer und Titelverteidiger gekommen ist. Sein ernüchterndes Ergebnis: In 12 von 16 Fällen kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Neue Brisanz erhielt das Thema in den letzten Monaten durch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seinen von ihm ausgelösten Handelskonflikt mit China.

Donald Trump fordert China heraus

Denn mit seinen neuen Strafzöllen und seiner “America first” Doktrin fordert er China heraus. Vor allem sein Lieblingsthema, die chinesischen Handelsüberschüsse, sind ihm ein Dorn im Auge. Seit Monaten überziehen sich die USA und China mit gegenseitigen Drohungen und Strafzöllen in Milliardenhöhe. Trump wirft China unter anderem unfaire Handelspraktiken und Diebstahl geistigen Eigentums vor. Seit Monaten wird über eine Einigung verhandelt, die eigentlich Ende März verkündet werden sollte. Der Termin wurde aber nach hinten geschoben. In den letzten Tagen deutete sich allerdings eine erste Lösung an. US-Präsident Donald Trump sieht die USA und China auf gutem Weg zu einem möglichen Handelsabkommen. Die Gespräche beider Seiten kämen sehr gut voran, sagte Trump am Donnerstag in Washington. Entsprechend positiv entwickelte sich die Märkte. Denn der Konflikt zwischen den beiden Weltmächten hängt wie ein Damokles Schwert über der Weltwirtschaft.

Made in China 2025

Alles im Leben ist planbar, so denken die Machthaber in Peking. Dabei macht die Volksrepublik kein Geheimnis aus ihren Plänen. China plant langfristig und stellt heute die Weichen für den Wettbewerb der fernen Zukunft. Es will zu den stärksten Wirtschaftsmächten der Welt aufschließen. Spätestens im Jahr 2049, wenn die Volksrepublik China hundert Jahre alt wird, soll das Land den Zustand als Schwellenland hinter sich gelassen und ein voll entwickeltes Industrieland sein. Als Zwischenschritt wurde 2015 das Programm „Made in China 2025“ aufgelegt. Dahinter verbirgt sich ein Fahrplan für die Modernisierung der chinesischen Industrie. Im Fokus der Strategie stehen zehn Schwerpunktindustrien, unter anderem die Luft- und Raumfahrt, Hochgeschwindigkeitszüge, Elektromobilität und der Ausbau der Stromnetze. Hier will China seine Produktionsanlagen modernisieren und ausländische Technologieimporte durch eigene Innovationen ersetzen. Denn noch ist China die Werkbank der Welt. Allerdings machen ein schwächeres Wirtschaftswachstum und steigende Löhne in China das alte Modell der billigen Massenproduktion immer schwieriger. China ist bekannt für überraschende und dynamische Entwicklungen. Die chinesischen Telekommunikationsanbieter Huawei und ZTE gehören mittlerweile bereits zu den innovativsten Unternehmen der Welt.

China ist keine Demokratie

Dabei kommt China auch zugute, dass es keine Demokratie nach westlichem Vorbild ist. Die Regierung hat weit umfassendere Möglichkeiten ihre Ziele durchzusetzen. Vor allem im Umweltschutz, gerade hier hat die starke Industrialisierung in den letzten Jahrzehnten ihre Spuren hinterlassen, sind die Ziele beeindruckend. In den 10 Jahren von 2015 bis 2025 will China seine CO2-Emissionen um 40 Prozent reduzieren. Zum Vergleich: Deutschlands Ziel war es, seine Emissionen in den 30 Jahren von 1990 bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren – und es wird dieses Ziel aller Voraussicht nach verfehlen.

Beeindruckende Innovationskraft

In vielen Bereichen entwickelt China eine beeindruckende Innovationskraft. Vor allem in der digitalen Welt ist China mittlerweile dem Rest der Welt überlegen. Der vom Internet-Riesen Tencent stammende Kommunikationsdienst Wechat lässt das westliche Pendant Whatsapp wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten erscheinen. Neben den normalen Instant Messaging Diensten können Nutzer damit Flüge oder Arzttermine buchen, Stromrechnungen bezahlen oder sogar ein Visa für die USA beantragen. Allerdings gibt der Anbieter auch alle Daten an die chinesischen Behörden weiter. Die Datenschutzgrundverordnung gilt in China nicht. Seit 2017 kann mit Wechat Pay auch mobil bezahlt werden. Aktuell bezahlen in China bereits 73,5 Prozent der Smartphone-Nutzer mobil. Die Chinesen haben die Kreditkarte einfach übersprungen und mobiles Bezahlen ist längst fester Bestandteil des Alltags. In den USA sind es zum Vergleich lediglich 21 Prozent. Deutschland ist in diesem Segment mittlerweile weit abgeschlagen, sowohl im europäischen als auch im internationalen Vergleich. Lediglich 11 Prozent der Nutzer zahlen regelmäßig mit ihrem Smartphone.

Die Initiative “Neue Seidenstraße”

Die Welt von heute ist global vernetzt. Ein weiteres Projekt der chinesischen Regierung trägt diesem Umstand eindrucksvoll Rechnung. In die Initiative “Neue Seidenstraße” investiert China derzeit mindestens 900 Milliarden Dollar. Damit baut China Straßen, Bahngleise, Pipelines, Kraftwerke, Telekommunikationsnetze, Häfen und Flughäfen von Asien bis nach Europa und Afrika. Damit positioniert sich China eindrucksvoll für das 21 Jahrhundert. Der Konflikt zwischen den beiden Großmächten USA und China wird die nächsten Jahrzehnte mit Sicherheit bestimmen. So mancher Historiker spricht sogar schon vom „chinesischen Jahrhundert“. Allerdings bedeutet das nicht, das ein solcher Konflikt unvermeidlich zu einem Krieg führen muss. In einer immer komplexer werdenden, globalisierten Welt sind beide Schwergewichte zunehmend voneinander abhängig und wirtschaftlich eng verflochten. Thukydides lebte im 5. Jahrhundert vor Beginn unserer Zeitrechnung in Athen. Damals war die Welt noch einfach strukturiert. Da konnte die Falle, der unvermeidbare Konflikt zwischen zwei Großmächten, noch zuschnappen.  Übrigens, der Peloponnesische Krieg zwischen dem von Athen geführten Attischen Seebund und dem Peloponnesischen Bund unter seiner Führungsmacht Sparta dauerte, unterbrochen von einigen Waffenstillständen, von 431 v. Chr. bis 404 v. Chr. und endete mit dem Sieg der Spartaner.

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