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Hatte das mit der Jahresendrally 2017 nicht so richtig funktioniert, legte die deutsche Börse in den ersten vier Wochen 2018 einen starken Jahresauftakt hin. Die Märkte nahmen wieder ihren Aufwärtstrend auf und kannten in den ersten Wochen scheinbar nur eine Richtung. Die Kauflaune entwickelt sich zu einer richtigen Januar-Rally. Ende Januar erreicht der Dax sein Rekordhoch bei 13.597 Punkten. So mancher Experte blies schon zur Attacke auf die 14.000 Punkte. Von dieser Euphorie ist derzeit jedoch nicht mehr viel übriggeblieben. Dunkle Wolken zogen gleich aus mehreren Richtungen auf.

Paradoxerweise wurde der Stimmungswandel ausgelöst von einer positiven Nachricht vom US Arbeitsmarkt. Den dieser hat sich zuletzt deutlich besser entwickelt als erwartet. Die Arbeitslosenrate markierte mit 4,1 Prozent den niedrigsten Stand seit mehr als 17 Jahren. Vor allem das Plus bei den Löhnen überraschte. Mit 2,9 Prozent sind diese so stark gestiegen wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Diese Entwicklung verstärkt bei Börsianern die Inflationssorgen. Denn war man bis jetzt von drei Zinserhöhungen der Fed für das Jahr 2018 ausgegangen, hatten viele Marktteilnehmer die Sorgen, dass es bis zu vier Zinserhöhungen kommen könnte. Die heutige Zinsanhebung um 0,25 Prozent gilt als eingepreist. Die Märkte werden genau auf die Worte des neuen Fed-Chefs Jerome Powell achten, inwieweit diese Signale über die Anzahl der weiteren Anpassungen in diesem Jahr enthalten.

Bislang ging man davon aus, dass der Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes in kleinen, planbaren Schritten vonstattengeht. Sollte jedoch die Inflation plötzlich stärker anziehen, kann es sein, dass die Notenbank gezwungen ist, die Zinsen in schnelleren Schritten zu erhöhen. Zu hohe Zinsen sind jedoch Gift für den Aktienmarkt. Mitte Februar verkündete Donald Trump dann auch noch seine Absicht Strafzölle auf Stahl und Aluminium einzuführen. Ein drohender, globaler Handelskonflikt ist sicherlich das, was die Märkte derzeit am wenigsten brauchen. Während sich die amerikanischen Börsen bereits wieder erholen und einen Großteil der Kursverluste aufgeholt haben, ist der deutsche Aktienindex noch weit von dem ursprünglichen Niveau entfernt.

Der deutsche Privatanleger ist empfänglich für negative Nachrichten. Bei der Geldanlage bevorzugen die Deutschen vermeintlich sichere Anlagen. Dafür sind sie auch bereit, auf einen Großteil des sich ihnen bietenden Renditepotentials zu verzichten. Um starke Kursschwankungen zu vermeiden, nehmen Anleger sogar planbare, reale Verluste in Kauf. Viele hatten dem Boom der vergangenen Jahre eh nicht vertraut und es sich in der Nominalwertillusion der Tages- und Festgeldanlagen bequem eingerichtet. Kaufkraftverluste sind aber leider, im Gegensatz zu temporären Kurswertverlusten, endgültig und vernichten schleichend und scheinbar unsichtbar das Geldvermögen.

Bei der Bewertung der Aktienmärkte ist für viele Privatanleger in Deutschland der Dax das Maß aller Dinge. Jeden Tag, kurz vor der Tagesschau, wird man kurz über die aktuelle Marktentwicklung informiert. Dabei weist der Dax, im Vergleich zu weitaus größeren globalen Indizes, eine recht hohe Schwankungsbreite (Volatilität) aus. Genau das, was deutsche Anleger eigentlich nicht wollen. Vielleicht hängt die Aktienphobie der deutschen Anleger auch mit ihrem „Lieblingsindex“ zusammen. Die 30 deutschen Unternehmen aus denen der Index zusammengesetzt sind, hängen insgesamt sehr stark von der globalen Konjunktur ab. Der Index ist damit sehr zyklisch ausgerichtet und eigentlich als Gradmesser für den persönlichen langfristigen Anlageerfolg eher ungeeignet.

Bei genauerem Hinsehen stellt sich die Lage an den globalen Märkten weit weniger bedrohlich dar. Aus fundamentaler Sicht sind die Stimmungseintrübung und die massiven Kursverluste nicht gerechtfertigt. An den nahezu durchweg positiven Rahmenbedingungen für Aktien hat sich praktisch nichts verändert. Die Konjunktur ist nach wie vor weltweit robust und die Unternehmensgewinne steigen. Die Angst vieler Markteilnehmer vor steigenden Zinsen scheint auch völlig überzogen. Erhöhungen im moderaten Maße sind zwar derzeit realistisch aber das es zu einer richtigen Zinswende, mit Zinsen auf dem Vorkrisenniveau von vier Prozent oder mehr kommen wird, halten viele Beobachter für ausgeschlossen. Denn die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Schulden der Staaten wären damit kaum finanzierbar.

Die Auswirkungen höherer Zinsen lassen sich einfach an dem Beispiel von Japan aufzeigen. 1990 lag die Staatsverschuldung in Japan bei 66 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen notierten zur gleichen Zeit bei knapp sieben Prozent. Der japanische Staat zahlte in diesem Jahr mehr als 20 Billionen Yen für die Zinsen. Das ist viel mehr als heute. Im vergangenen Jahr wurden nur gut 12 Billionen Zinsen fällig. Und das, obwohl die Schuldenlast auf 240 Prozent des Bruttoinlandsproduktes explodierte.

Dabei stehen nicht nur die Staaten in der Kreide. Auch viele Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren reichlich mit günstigen Krediten eingedeckt. Nach einer Studie der Auskunftei Creditreform würde jedes fünfte deutsche Unternehmen in die Insolvenz gehen, wenn die Zinsen um 1,5 Prozent steigen und die Gewinne um 20 Prozent einbrechen. Es ist kein Geheimnis das solche „Zombie-Unternehmen“ nur wirtschaftlich überleben, weil ihre Kredite günstig gehalten werden.

Unter diesen Rahmenbedingungen sollten Anleger die Gunst der Stunde nutzen und ihre Aktienquote weiter selektiv ausbauen. Das Basisszenario bestehend aus niedrigen Zinsen und mittelfristig steigenden Inflationsraten besteht nach wie vor. Die Weltwirtschaft ist in einer positiven Grundverfassung. An den Wachstumsperspektiven in vielen Regionen hat sich nichts verändert. Für langfristig orientierte Investoren ist die derzeitige Korrektur ein guter Einstiegszeitpunkt. Die massiven Kursschwankungen der letzten Wochen, werden uns allerdings voraussichtlich noch sehr lange begleiten. Hier ist von allen Investoren Ruhe und Weitblick verlangt.

Die Finanzkrise war in ihren Auswirkungen wahrscheinlich bis jetzt einzigartig. Die Notenbanken versuchen dieser Krise mit sehr unkonventionellen Methoden zu begegnen. Ob die Politik des billigen Geldes langfristig erfolgreich sein wird, vermag zu dieser Zeit vermutlich niemand mit Sicherheit zu sagen. Allerdings zeigt diese Politik erste Erfolge. Auf eine kurze Formel gebracht heißt das derzeit aber immer noch: Die Lage ist besser als die Stimmung.