Seit dem Jahr 2000 ist Såfa in Schweden der absolute Renner. Fast 90 Prozent der schwedischen Arbeitnehmer nutzen ihn. Wer jetzt im ersten Augenblick an ein Möbelstück aus einem auch in Deutschland sehr beliebten schwedischen Möbelhaus denkt, liegt jedoch falsch. Såfa ist die Abkürzung von Statens årskullsförvaltningsalternativ (staatliche Jahrgangsverwaltungsalternative). Dahinter verbirgt der der Siebte Allgemeine Pensionsfonds AP7, Schwedens Antwort auf den demographischen Wandel.

Die gesetzliche Rente dominiert die Altersvorsorge

Die Altersvorsorge in Schweden ist ganz ähnlich aufgebaut wie in Deutschland. Auch dort fließt der Großteil der Beiträge in die umlagefinanzierte staatliche Rente. Ähnlich wie in Deutschland hat jedoch der demographische Wandel auch in Schweden dazu geführt, dass die Leistungen der gesetzlichen Rente immer weiter abgesenkt werden mussten. Allerdings ist der schwedische Lösungsansatz weitaus pragmatischer und auch wesentlich erfolgreicher, als der deutsche Versuch die Altersvorsorge auf ein stabiles Fundament zu setzen.

Die Lobbyisten haben ganze Arbeit geleistet

In Deutschland versucht man bereits seit Jahrzehnten gegenzusteuern. Die Lobbyisten der Versicherer, Banken und Fondgesellschaften haben dabei ganze Arbeit geleistet. Es gibt Riester, Rürup sowie gleich fünf Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge. Überall winken entweder staatliche Zuschüsse, Steuervergünstigungen oder gleich beides zusammen. Gemein ist allen Methoden jedoch auch ein hoher bürokratischer Aufwand, viele Formulare und im Zweifel vergleichsweise hohe Kosten. Natürlich darf auch die in Deutschland unabdingbare Garantie nicht fehlen. Liest sich gut, treibt allerdings die Kosten nach oben oder die erzielte Rendite nach unten. Viele Sparer geben früher oder später auf, kapitulieren und verzichten ganz auf die private Altersvorsorge. Mit dramatischen Folgen für das Alter.

100 Prozent Aktienquote sind verpflichtend

Die Schweden dagegen zahlen 16 Prozent des Bruttogehalts in die umlagefinanzierte Rente ein und 2,5 Prozent müssen sie in die kapitalgedeckte Altersvorsorge investieren. Dabei können sie entweder aus mehr als 800 Fonds selbst auswählen oder zahlen in den staatlich verwalteten Fonds AP7 ein. Im Gegensatz zu Deutschland ist die kapitalgedeckte Altersvorsorge verpflichtend. Die Rendite kann sich allerdings sehen lassen. Seit Auflage liegt diese bei durchschnittlich 6 Prozent pro Jahr. Denn der Fonds legt bis zum 55 Lebensjahr zu 100 Prozent in Aktien an. Darüber hinaus darf der Fonds auch in Derivate investieren, um die Rendite zu erhöhen. Bei solchen Aktienquoten bekommt der deutsche Vorsorgesparer jedoch Herzrasen. Allerdings, das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Aktieninstitutes, führt an Aktien in der Altersvorsorge kein Weg mehr vorbei.

Rentensysteme mit hohen Aktienquoten verzeichnen hohe Erträge

Das Ergebnis der breit angelegten Studie ist eindeutig. Es zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen dem Umfang der Leistungsgarantien, der Höhe der Aktienquote und der damit zu erzielenden Erträgen. Vor allem der Verzicht auf ertragsmindernde Kapitalgarantien kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Rentensysteme, die vermehrt auf Aktien setzen, haben im Durchschnitt auf jährliche Erträge von mindestens fünf Prozent. Teilweise sind die Erträge sogar zweistellig. Die durchschnittlichen Erträge zeigen die langfristige Attraktivität einer aktienorientierten Altersvorsorge. Durch die Möglichkeit, per Entnahmeplan, auch in der Auszahlungsphase in Aktien investiert zu bleiben, kann eine negative Marktentwicklung „ausgesessen“ werden. Denn, bei allen positiven Durchschnittswerten, darf nicht vergessen werden, dass in manchen Jahren auch heftige Kursverluste drohen. Auch der schwedische Fonds hat zwischenzeitlich auch enorme Verluste eingefahren, 2002 waren es beispielsweise 27 Prozent. Allerdings lässt sich feststellen, dass die bisherigen Finanzmarktkrisen keine Beeinträchtigung für das Ansparverfahren bedeutet haben. Ausfälle oder gar Zusammenbrüche gab es nicht. Vorübergehende Rückgänge des im Ansparverfahren angelegten Vermögens – so bedrohlich sie auf den ersten Blick erscheinen mögen – schlagen wegen der langen Anlagefrist und des dadurch zwischen den Jahren stattfindenden Ausgleichs nicht auf die zu zahlenden Renten durch.

Der Mut für eine große Reform fehlt in Deutschland

Selbstverständlich beobachtet man auch in Deutschland die Entwicklung in Schweden und anderen Ländern mit vergleichbaren Ansätzen. Vor einigen Monaten brachte Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) die so genannte Deutschland-Rente ins Spiel. Demnach solle auch Deutschland einen Staatsfonds schaffen, und jeder Arbeitnehmer, der nicht explizit widerspricht, würde einen Teil seines Lohns darin einzahlen. Verwaltet würde der Fonds von der Deutschen Rentenversicherung, zum Selbstkostenpreis ohne Gewinnabsichten, wodurch die Kosten gering wären. Zusätzlich würde der Staat für die Auszahlung bürgen. Aber der Mut vor einem großen Wurf in der Altersvorsorge fehlt in Deutschland. Lieber setzt man auf bewährtes und möchte die Riester-Rente weiterentwickeln und verbessern. So verschwand auch dieser Vorschlag schnell in den Schubladen der Bürokratie.

Schwankende Kurse sind ein normales wirtschaftliches Phänomen

Leider werden Aktien im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung auf die teilweise starken kurzfristigen Kursschwankungen am Aktienmarkt reduziert und diese negativ bewertet. Dass Börsenkurse kurzfristig schwanken, ist jedoch ein normales wirtschaftliches Phänomen und kein Grund zur Beunruhigung. An der Börse werden Erwartungen gehandelt, die sich abhängig von der Nachrichtenlage von heute auf morgen ändern können. Langfristig spiegelt die Kursentwicklung jedoch den volkswirtschaftlichen Wachstumspfad wider, der seit Jahrzehnten mit stabilen Erträgen verbunden ist. Allein dies ist für die Altersvorsorge relevant. Eigentlich sollten die Ergebnisse auch jeden Skeptiker überzeugen.

Der Durchschnittskosteneffekt führt zu attraktiven Einstandskursen

Die Erträge eines 20 Jahre laufenden Sparplans auf den Deutschen Aktienindex betrug zwischen den Jahren 1969 und 2018 im besten Fall 16,1 Prozent p.a.. Selbst der ungünstigste 20-jährige Sparplan innerhalb dieses Zeitraums lag mit jährlich 4,7 Prozent immer noch deutlich im positiven Bereich. Im Durchschnitt erbrachten alle 20-jährigen Sparpläne zwischen 1969 und 2018 einen Ertrag von neun Prozent im Jahr. Bei einer Anspardauer von 30 Jahren betrugen die jährlichen Erträge 13,2 Prozent im besten und 6,3 Prozent im schlechtesten Fall. Der Durchschnittsertrag lag bei 8,9 Prozent p.a.. Anlagehorizonte von 20 oder besser 30 Jahren und mehr sind für die Altersvorsorge typisch. Wer mittels einem Sparplan Monat für Monat sein Aktienvermögen vergrößert, braucht außerdem keine Angst davor zu haben, dass sich die Kaufkurse im Nachhinein als zu hoch herausstellen. Vielmehr bewirkt der Durchschnittskosteneffekt („Cost-Average-Effekt“), dass bei schwankenden Kursen regelmäßige, gleich hohe Einzahlungen zu attraktiven durchschnittlichen Einstandskursen führen.

2,5 Prozent vom Bruttogehalt sind dabei eine solide Vorgabe

Anleger sollten nicht darauf warten, bis der deutsche Staat aktiv wird. Jeder kann selbst in der heutigen Zeit die Initiative ergreifen. Die 2,5 Prozent vom Bruttogehalt sind dabei für einen Aktiensparplan eine solide Vorgabe. Aber auch ein bestehendes Depot sollte der Realität angepasst werden. Wenn der Anlagehorizont noch lange genug ist, wirkt eine höhere Aktienquote wie ein Turbo. Wir beraten sie gerne, dass für sie optimale Mischungsverhältnis zu finden. Die deutschen Wohnzimmer haben die Schweden mit dem Billy-Bücherregal, dem Klippan-Sofa oder dem Poäng-Schwingsessel bereits erobert. Jetzt wird es Zeit für etwas mehr Såfa in der Altersvorsorge.

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