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Sie sind der Schrecken jedes Horrorfilms und jeder Halloweenparty.  Zombies, lebende Tote, die mit halb verwesten Gesichtern willenlos über die Erde wandeln. Bereits aus der Frühgeschichte gibt es Hinweise darauf, dass die Menschen glaubten und fürchteten, die Toten könnten zurückkehren und möglicherweise den Lebenden Leid antun. Noch bis ins 18. Jahrhundert herrschte unter der Bevölkerung große Angst vor der Wiederkehr Verstorbener. So war es eine Aufgabe der Totenwache, einen vermeintlichen Verstorbenen zu erschlagen, falls er sich etwa vom Totenbett erheben sollte. Dies konnte durchaus vorkommen, da die Methoden um den Tod festzustellen unzuverlässiger waren als heute. In den letzten Jahrzehnten spielten Zombies vor allem auf der Leinwand und in TV-Serien eine erfolgreiche Rolle. „The Walking Dead“ (die wandelnden Toten) ist aktuell eine sehr erfolgreiche US-amerikanische Fernsehsendung, die auch in Deutschland ihre Anhänger hat und mittlerweile in der 8. Staffel die Zuschauer in Angst und Schrecken versetzt. In der letzten Woche alarmierte die OECD die Öffentlichkeit mit einer neuen Studie zu Zombie-Unternehmen in Europa.

Als Folge der langanhaltenden Niedrigzinsen bleiben in Europa derzeit viele Unternehmen am Markt, die es nach den Gesetzen der Ökonomie gar nicht geben dürfte. Sie stecken tief in Schulden und sind teilweise auch nicht in der Lage, die von ihnen verkauften Produkte oder Dienstleistungen rentabel zu produzieren. Normalerweise müssten diese Unternehmen schon lange Insolvenz angemeldet haben. Im Gegensatz zu den Untoten aus Hollywood, werden die Unternehmen jedoch durch das billige Geld der Banken künstlich am Leben gehalten. Dabei sind viele der kreditgebenden Banken ebenfalls schon lange mit dem Zombievirus infiziert. Unsolide finanziert scheuen sie davor zurück, die Kredite fällig zu stellen und damit den betreffenden Firmen den Todesstoß zu versetzen. Die Gefahr selber mit in den Abgrund gerissen zu werden, erscheint wohl einigen Banken zu groß. Es ist wesentlich einfacher, sie mit weitere Krediten am Leben zu erhalten, die derzeit dank der Niedrigzinspolitik der EZB billig zu bekommen sind. Damit wird ein unheilvoller Teufelskreis in Gang gesetzt. Je schlechter es den Banken geht, desto stärker die Zombiefizierung einer Volkswirtschaft insgesamt.

Mittlerweile, so die OECD Studie, handelt es sich dabei nicht mehr nur um Einzelfälle, sondern um ein immer größer werdendes Problem. Nicht nur für die Banken, sondern zunehmend auch für die gesamte Volkswirtschaft. Denn die Zombie-Unternehmen bremsen den allgemeinen Aufschwung, weil diese die Ressourcen an verfügbaren Krediten reduzieren. Das für die Zombie-Unternehmen investierte Geld fehlt dann, wenn erfolgversprechende Unternehmen Kredite brauchen. Zombiefirmen halten die Produktivität zurück, weil sie Kredite, Investitionen und Fachkräfte binden, die in anderen Unternehmen besser und produktiver eingesetzt werden könnten. Das Wachstumspotenzial sei nicht zuletzt aus diesem Grund seit der Jahrtausendwende stetig gefallen, bemerken die Autoren der Studie.

Auffällig ist, dass in Ländern mit vielen Zombie Firmen die Zahl der Start-ups als auch der Insolvenzen wesentlich geringer ist. Die OECD wertet das als Hinweis darauf, dass zu viele unproduktive Firmen künstlich am Leben gehalten werden. Davon betroffen sind insbesondere die Volkswirtschaften in Südeuropa. Allein in Italien ist der Anteil des Kapitals, das in solchen Firmen gebunden ist, zwischen 2007 und 2013 von 7 auf 19 Prozent gestiegen. In Spanien hat sich der Anteil auf etwa 16 Prozent verdoppelt, auch in Portugal ist er deutlich gestiegen. Den mit Abstand größten Anteil (28 Prozent) von in eigentlich toten Unternehmen gebundenem Kapital gibt es, diese Ergebnis wird keinen ernsthaft überraschen, in Griechenland. Selbst in Deutschland liegt der Anteil der Untoten-Unternehmen laut der Studie mittlerweile bei 12 Prozent.

Dabei ist das Phänomen der Zombiefirmen nicht neu. Vor zwanzig Jahren war Japan stark betroffen. Fast jedes dritte japanische Unternehmen galt ab Mitte der 90er-Jahre als solch ein Zombie. Welche Folgen die „Zombie Firmen“ für den Rest der Wirtschaft hatten, analysierte die Forschung damals zunächst abstrakt in einem theoretischen Modell. Dort, so stellen sie fest, verzerren Zombies in einer Wirtschaftskrise den Wettbewerb zwischen Unternehmen. Das verlängerte die Krise unnötig. Weil unproduktive Firmen nicht aus dem Markt ausschieden und diese gleichzeitig andere Unternehmen vom Markteintritt abschreckten, war das Produktivitätswachstum in der Modellwirtschaft geringer. Genau dieses Muster beobachteten die Wissenschaftler auch im Japan der 90er-Jahre. In den Branchen, in denen besonders viele Untote Firmen herumirrten, entstanden und verschwanden deutlich weniger Jobs als in weniger stark betroffenen Sektoren. Auch das Produktivitätswachstum in Zombie-verseuchten Branchen war deutlich schlechter. Gesunde Unternehmen, die mit Untoten konkurrieren mussten, investierten erheblich weniger – je nach Branche fielen die Investitionen der Unternehmen laut Studie um 20 bis 40 Prozent geringer aus. Manche Kritiker der derzeitigen EZB Politik spannen den Bogen jedoch noch wesentlich weiter und beschränken ihn nicht nur auf Unternehmen. So mancher Staat ist in ihren Augen auch schon hoffnungslos zombiefiziert und wird nur durch das niedrige Zinsniveau der Zentralbank künstlich am Leben gehalten.

Als Lösungsansatz empfehlen die Ökonomen der OECD eine entschlossene Bereinigung der Volkswirtschaften von Untoten-Unternehmen. Schonungslos und radikal müssen Zombie-Firmen stillgelegt werden. Ein nicht einfaches Unterfangen, gerade in Hinblick auf die fragile Situation vieler Banken in Südeuropa. Alleine in den Bilanzen von Italiens Banken türmen sich Kredite in Höhe von rund 360 Milliarden Euro, bei denen Kunden Probleme mit der Rückzahlung haben. Das entspricht einem Drittel der gesamten faulen Darlehen in der Eurozone. Eine einzelne unkontrollierte Insolvenz einer Bank, kann dort eine ganze Lawine an Bankenpleiten lostreten. Keine guten Aussichten für die Stabilität der Europäischen Banken.

Noch schlimmer für die Menschheit würde es allerdings ausschauen, wenn ein Zombie-Virus Wirklichkeit wird. Studenten der University of Leicester simulierten den hypothetischen Ausbruch eines Zombie-Virus mithilfe des SIR-Modells (Susceptible Infected Recovered), mit dem man die Ausbreitung einer Krankheit in Bevölkerungsgruppen prognostizieren kann. Die angehenden Physiker und Astronomen errechneten in ihrer Studie, dass in einer dichtbesiedelten Gegend schon ein infizierter Mensch ausreichen würde, um nach nur 20 Tagen eine Epidemie auszulösen. Dann würde es aber rasant gehen. Eine Pandemie, also eine kontinentübergreifende Ansteckungswelle, würde wenige Tage später wüten. Nach 100 Tagen würde es weltweit nur noch wenige Überlebende geben, insbesondere auf abgelegenen Inseln. Rund 190 Millionen hungrige Untote würden sie jagen. Die anderen Zombies wären schon gestorben, haben sie doch nur eine Lebenserwartung von etwa 20 Tagen, bis sie verhungern. Es besteht aber Anlass zur Hoffnung, dass die Quote für südeuropäische Banken besser ausfällt.

Redakteur: Diplom-Kaufmann Markus Richert, CFP®
Seniorberater Vermögensverwaltung