Finanzkolumne

Klimawandel auf den Märkten?

Der amerikanische Präsident Donald Trump ist bekannt dafür, dass er schneller twittert als denkt. Auch zum Thema Klimawandel hat er in der Vergangenheit wenig Substanzielles beigetragen. Klimaschutz nimmt auf seiner politischen Agenda keinen Spitzenplatz ein. Er schließt ihn nicht völlig aus, lässt sich aber vom wissenschaftlichen Konsens zum menschengemachten Klimawandel nicht irritieren. Letztlich wurde die Erderwärmung nach Meinung von Donald Trump „von und für Chinesen geschaffen, um die amerikanische Produktion wettbewerbsunfähig zu machen.“ In den letzten Wochen sorgten die Wirbelstürmen „Harvey" und „Irma" an Texas und Floridas Küsten für einigen Wirbel. Vermutlich nicht die letzten Hurrikans in dieser Saison. Aber auch losgelöst von den klimatischen Extremen, ist im September einiges los. Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un lässt Anfang des Monats eine Bombe platzen, eine Wasserstoffbombe zu Testzwecken, um genau zu sein. Auch das war kein Beitrag zur Beruhigung der seit Monaten schwelenden Korea-Krise. 

Eigentlich alles keine guten Vorzeichen für den sowieso schon historisch schwachen Börsenmonat September.  Aber erstens kommt es in diesen Tagen anders und zweitens als man denkt. Denn bislang hat der Monat September für die Aktienmärkte überraschend gut begonnen. Allen Umwelt- und geopolitischen Krisen zum Trotz ist der Dax auf den höchsten Stand seit sieben Wochen gestiegen. Selbst der überraschend starke Euro konnte die positive Entwicklung nicht bremsen. Überraschenderweise gehören die Rückversicherer zu den großen Gewinnern der Katastrophe in den USA. Noch ist das ganze Ausmaß der Schäden nicht klar, aber einiges deutet darauf hin, dass sie weit unter den ersten Befürchtungen bleiben. Die Versicherer hoffen jetzt auf steigende Prämien, und ihre Aktien klettern rasant. Die Hoffnung auf eine nachhaltige Preiswende in der Branche stützt diese Entwicklung. Die Branche litt in den letzten Jahren unter einer Preiserosion. Zum einen drängte neue Konkurrenz in den Markt. Hedgefonds und andere finanzkräftige Kapitalgeber, die sich im Niedrigzinsumfeld mit geringeren Renditen zufriedengeben als die auf ihr Risiko bedachten Rückversicherer. Und die niedrigen Zinsen sorgten für sinkende Einnahmen bei der Kapitalanlage.

Aber nicht nur für Rückversicherer läuft es derzeit gut. Der Zukunftsoptimismus der Anleger ganz allgemein, das zeigen aktuelle Umfragen, notiert weiterhin auf Rekordhöhen. Derzeit besteht ein großes Kaufinteresse und das dürfte auch bei steigenden Kursen dafür sorgen, dass immer weitere Käufer an den Markt strömen und die positive Entwicklung weiter anheizen. 

In gut zwei Wochen steht dann ein weiterer wichtiger Termin an. Die Deutschen wählen einen neuen Bundestag. Derzeit allerdings nach Ansicht einiger Ökonomen ein „Non-Event“. Für die meisten Beobachter ist die Wahl schon gelaufen. Bundeskanzlerin Merkel wird erneut das Rennen machen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg der Kanzlerin liegt laut dem Wettportal Oddschecker bei 90 Prozent. Auch die Schweizer Bank UBS sieht die Chancen für eine Fortsetzung der Merkel-Ära bei 75 Prozent. Aus diesem Grund sorgt der mögliche Wahlausgang nicht für schlaflose Nächte bei den Investoren. Dass die CDU die künftige Regierung bilden wird, daran zweifelt kaum einer. Nur die Farben-Mischung der künftigen Koalition ist noch unklar. 

Das bevorzugte Szenario für die Börse ist eine Fortsetzung der Großen Koalition. Schließlich verspricht eine Große Koalition Stabilität in der deutschen Politik. Das schlimmste Szenario für die Börsen wäre eine rot-rot-grüne Koalition. Angelsächsische Anleger würden dann wohl kurzfristig ihr Geld aus Deutschland abziehen, mutmaßen Experten. Allerdings ist eine solche Konstellation derzeit nicht nur rechnerisch unwahrscheinlich, sondern auch politisch. Eine theoretisch mögliche schwarz-gelbe oder eine schwarz-grüne Koalition würde beides keine Freudensprünge bei den Börsianern auslösen, würde die Märkte aber auch nicht nachhaltig beeinträchtigen. 

Im Falle einer Neuauflage der Großen Koalition oder einer Schwarz-gelben Koalition könnte allerdings ein Thema auf die Agenda rutschen, das schon seit einiger Zeit im politische Berlin diskutiert wird. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble plant schon lange eine Reform der Aktienbesteuerung. Viele Beobachter befürchten dabei die Abschaffung der Abgeltungssteuer. Ob dann eine Spekulationsfrist wiedereingeführt wird, nach deren Ablauf etwa Aktiengewinne steuerfrei vereinnahmt werden können, ob Dividenden geringer besteuert werden, ob neue Freibeträge für Kapitalerträge festgelegt werden - all das ist offen. Die Änderung der Besteuerung von Investmentfonds ist ja bereits beschlossen und tritt zum Jahreswechsel mit dem Investmentsteuerreformgesetz in Kraft. Vor diesem Hintergrund sollten sich Kapitalanleger in den letzten Wochen des Jahres ihre Depots noch einmal genauer anschauen. Das letzte Quartal eines Jahres ist grundsätzlich immer ein guter Zeitpunkt, die Struktur und aktuelle Entwicklung eines Depots zu überprüfen. 

Doch trotz des scheinbaren „Non-Event“ Bundestagswahl, können Anleger den 24. September nicht völlig ignorieren. Es macht an der Börse schon etwas aus, wer in Deutschland die Regierung führt. Ähnlich wie in den USA der "Präsidentenzyklus" gibt es auch in Deutschland einen "Kanzlerzyklus". Demnach ist eine CDU-geführte Regierung historisch gesehen deutlich besser für den Dax als eine SPD-dominierte Regierung. Laut der Investmentgesellschaft Fidelity schnellte der Dax unter der christdemokratisch-liberalen Union unter Helmut Kohl von 1982 bis 1998 um jährlich 14,4 Prozent nach oben. Auch in den vier Jahren der schwarz-gelben Koalition unter Angela Merkel (2009-2013) ging es mit dem Dax pro Jahr um 12,2 Prozent aufwärts. Selbst bei der Großen Koalition unter Merkel in den letzten vier Jahren gewann der Dax 8,7 Prozent. Dagegen sah die Bilanz bei SPD-geführten Regierungen wesentlich dürftiger aus. In der sozialliberalen Koalition unter Willy Brandt (1969 bis 1974) büßte der Dax jährlich acht Prozent ein. Bei der rot-grünen Koalition unter Gerhard Schröder (1998 bis 2005) schaffte der Dax gerade mal ein Plus von 1,75 Prozent. Schröder hatte das Pech, dass in seiner Regierungszeit die Neue Markt-Blase platzte und die Terroranschläge in New York einen Crash an den Börsen auslösten. Laut einer früheren Analyse der Schweizer Bank UBS hat sich der Aktienmarkt seit 1950 nach einem Wahlsieg von CDU/CSU stets besser entwickelt als nach einem Erfolg der Sozialdemokraten. So legten die Kurse am deutschen Aktienmarkt in den ersten drei Monaten nach einem Wahlsieg der "Schwarzen" um 2,1 Prozent zu. Bei einem SPD-Erfolg kam es dagegen nur zu einem Kurs-Plus von 0,8 Prozent. Die deutschen Aktienmärkte haben also eine klare Vorliebe für CDU-geführte Regierungen. 

Statistisch hat der September 2017 für den Dax das Potential positiv aufzufallen. Grundsätzlich gehört das letzte Quartal an den Börsen zu den stärkeren Phasen. Derzeit sind die Rahmenbedingungen außerordentlich gut. Anleger die noch nicht investiert sind, sollten nicht mehr zu lange mit dem Einstieg warten. Meteorologisch sind wir schon im Herbst, an den Märkten dagegen scheint nach wie vor die Sonne.

 

Redakteur (V.i.S.d.P.): Diplom-Kaufmann Markus Richert, CFP®
Seniorberater Vermögensverwaltung

 

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