Finanzkolumne

Das Jahr des Feuer-Hahns

Das Jahr 2017 ist in Deutschland jetzt schon einige Tage alt. Während in der westlichen Welt auch die letzte Neujahrsfeier abgeschlossen ist, stehen die Chinesen noch in den Startlöchern. Das chinesische Neujahr (Chinesisches Frühlingsfest) richtet sich nach dem chinesischen traditionellen Bauernkalender und liegt zwischen dem 20. Januar und dem 21. Februar eines Jahres. Es beginnt mit dem neuen Mond des ersten Monats des neuen Jahres. Obwohl in China inzwischen offiziell auch der gregorianische Kalender gilt, wird das Neujahrsfest immer noch nach dem Mondkalender als traditionelles chinesisches Fest gefeiert. Offiziell gibt es drei freie Tage für die Bevölkerung, die Feierlichkeiten dauern bis zum 15. Tag des neuen Jahres und enden mit dem Laternenfest. Millionen von Chinesen reisen für die Festtage zurück in ihre Heimatdörfer zu ihren Familien und Verwandten. Es ist jährlich weltweit die größte Völkerwanderung. Keine Feier weltweit lähmt ein Land dermaßen wie die chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten. Die Menschenmassenmassen (und nicht nur die über 200 Millionen Wanderarbeiter) ziehen von den wirtschaftlichen Metropolen an der Ostküste zurück in die Provinzen. Mit den privaten und öffentlichen Transportmitteln, vor allem den Zügen, werden über 1,5 Milliarden Einzelreisen während der Festtage registriert. 

Die chinesischen Tierkreiszeichen unterscheiden sich in ihrer Entstehung und Berechnung ganz Wesentlich von unserem westlichen System. Im Gegensatz zu unserer Systematik, in welcher jedem Monat ein anderes Sternzeichen zugeordnet wird, wird beim chinesischen Kalender jedem Mondjahr ein bestimmtes Tier gewidmet, d.h. dass die Tierkreiszeichen nach dem Jahr, indem man geboren wurde, berechnet werden und nicht nach dem Monat. Der Sage nach lud Buddha einst am Neujahrstag alle Tiere an seine Tafel zur großen Feier - aber nur zwölf von ihnen kamen tatsächlich. Buddha zeigte sich erfreut und belohnte ihre Treue, indem er jedem von ihnen die Herrschaft für ein Jahr übertrug, und zwar genau in der Reihenfolge, in der sie in seiner Halle erschienen waren. 

Am 27. Januar endet in wenigen Tagen das Jahr des Feuer-Affen. Der Feuer-Affe ist vital und erfinderisch, gilt als der ungestümteste aller Affen, als eigensinnig und streitsüchtig. Die Vorhersagen haben sich wohl bewahrheitet. Unerwartete politische Entscheidungen, darunter das britische Brexit-Votum und der Ausgang der US-Präsidentenwahl, prasselten auf die Kapitalmärkte nieder. Auch das Jahr 2017 wird spannend. Gut nur, dass das am 28. Januar beginnende chinesische Kalenderjahr unter dem Zeichen des Feuer-Hahns steht. Die charakterstarken Hähne bewahren auch in unerwarteten Situationen einen kühlen Kopf. Hahn-Menschen handeln sehr rational und logisch, haben aber auch einen Hang zur Extravaganz und zum Melodramatischen. Mit diesen Eigenschaften können sie präzise und auf höchstem Niveau arbeiten. 

Soweit ein Exkurs in das chinesische Tierkreiszeichen. Die positiven Eigenschaften des Hahns scheinen zu überwiegen. Von daher sind die Aussichten für den chinesischen Markt im Jahr 2017 gar nicht mal so schlecht. Erste Zahlen lassen auch aufhorchen. Vieles deutet darauf hin, dass das chinesische Börsenjahr wesentlich besser startet als das Jahr 2016. Der Produzentenpreisindex im Reich der Mitte zog schon im Berichtsmonat Dezember mit 5,5 Prozent so stark an wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Er hat damit die Schätzungen der meisten Analysten übertroffen, die darin ein Anzeichen für eine stabile Volkswirtschaft sehen. Gerade für den deutschen Leitindex Dax ist der chinesische Markt von Bedeutung. Für viele Experten ist der Dax, aufgrund der hohen Exportabhängigkeit der darin vertretenen Unternehmen, eigentlich mehr ein chinesischer Aktienindex. Zumindest im abgelaufenen Jahr war die Abhängigkeit auffallend. 

Wichtige politische Ereignisse stehen auch 2017 an. Die Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und nicht zuletzt in Deutschland sorgen bei vielen Anlegern derzeit für Unruhe. Allerdings sollte man den Effekt nicht überbewerten. Bereits das letzte Jahr hat eindrucksvoll bewiesen, dass politische Börsen sehr kurze Beine haben. Hat der Brexit im Sommer die Märkte noch fast ganze drei Tage lang beschäftigt, war die US-Präsidentenwahl bereits nach drei Stunden an den Börsen verdaut. Die Marktreaktion auf das gescheite italienische Votum war dann kaum noch messbar. Entscheidender sind glücklicherweise die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – und die sprechen unter dem Strich dafür, dass auch 2017 wahrscheinlich ein ganz gutes Aktienjahr werden kann. 

Der schwache Euro stützt die Exporte. Heute notiert der Euro gegenüber dem US-Dollar fast ein Viertel niedriger als vor drei Jahren. Damit besteht für europäische Unternehmen ausreichend Spielraum, die Preise zu senken und so Marktanteile zu gewinnen. Der nach wie vor immer noch vergleichsweise niedrige Ölpreis sorgt für geringe Energiekosten bei Unternehmen und privaten Verbrauchern. Das stützt weiterhin die Inlandsnachfrage. Die EZB lässt derzeit keinen Änderungswillen in Bezug auf Ihre Geldpolitik erkennen. Das bedeutet das kurzfristige Zinsniveau wird auch 2017 niedrig bleiben. Für die Unternehmen bedeutet dies geringere Investitionskosten, wovon die Gewinne profitieren sollten. Der designierte amerikanische Präsident Trump will milliardenschwere Investitionen in die amerikanische Infrastruktur initiieren und die Steuern massiv senken. Dieser Trump-Effekt jagt bereits seit seiner Wahl die amerikanischen Börsen nach oben. Auch wenn niemand weiß, wie lange dieser Sondereffekt anhält, stabilisiert er derzeit die weltweite Konjunktur. Der entscheidende Grund ist aber das auch 2017 die Alternativen zu Aktienanlagen fehlen. Die kurzfristigen Zinsen bei Anleihen und Bankeinlagen bewegen sich weiterhin nahe der Null-Linie. Dies wird sich auch bis auf weiteres nicht ändern. Gold dient als Risikoschutz für mögliche unerwartete Ereignisse. 

Leider sind die meisten deutschen Anleger jedoch immer noch in ihren Bargeldpositionen gefangen. Manche Anleger verharren dort schon seit der Finanzkrise 2008 und warten auf den idealen Einstiegszeitpunkt. Dabei ist derzeit Bargeld und Tagesgeld die denkbar schlechteste aller Anlagealternativen. Spätestens seit dem Anstieg der Inflation auf 1,7 Prozent im Dezember drohen reale Vermögensverluste. Langfristinvestoren sollten nach Möglichkeit investiert bleiben und kurzfristige Marktturbulenzen aussitzen. Immer wieder zeigen einschlägige Statistiken, dass die Bilanz eines Aktieninvestors, der in den letzten Jahrzehnten die 10 besten Tage an den Aktienmärkten verpasst hat, am Ende um 50 Prozent ärmer als ein Buy-und-Hold-Investor war. 

Immerhin, die überwiegende Mehrheit der Experten und Analysten erwartet ein maximal verhalten positives Jahr für Aktien. Bei einer Umfrage der FAZ bei rund 20 Banken, reichten die Prognosen für den DAX von 10.400 bis 12.300 Punkte bis zum Jahresende. Der Durchschnitt der Prognosen liegt bei 11.713 Punkten, was im Vergleich zum aktuellen Niveau gerade einmal einem Plus von mickrigen 1,4 Prozent entspricht. Solche Prognosen sind jedoch immer mit Vorsicht zu genießen. Zur Einschätzung hilft im Jahr des Feuer-Hahns vielleicht eine deutsche Bauernregel. „Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder bleibt wie's ist.

 
Redakteur (V.i.S.d.P.): Diplom-Kaufmann Markus Richert, CFP®
Seniorberater Vermögensverwaltung

 

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