Quartalsbericht

Quartalsbericht 4. Quartal 2016

Im Jahr 2016 ähnelten die Kapitalmärkte einer rasanten Achterbahnfahrt

Selten hat ein Jahr an den Kapitalmärkten derart turbulent begonnen wie 2016. In zwei Schwüngen ging es an den internationalen Aktienmärkten abwärts, in der Spitze bis zu 20%. Hinzu kam ein crash-artiger Einbruch beim Rohöl. Ein Barrel der Sorte Brent notierte im Januar kurzzeitig unter 30 US-Dollar, 29% niedriger als noch Ende 2015. Auch im Anleihenmarkt kam es zu stärkeren Ausschlägen. Als Lichtblick wirkte Gold, das seinem Ruf als sicherer Hafen Ehre machte und einen rasanten Wertanstieg erfuhr (vgl. Grafik). Fundamentale Erklärungen, wie die Sorgen um das Wachstum in China oder das weltweite Überangebot an Rohstoffen, gab es für den Kursrückgang genug. Im Nachhinein wurde jedoch ein plötzlich aufkommender starker Pessimismus der Kapitalanleger als Hauptursache für die rasante Talfahrt ausgemacht.

 

Grafik: Die Marktentwicklung 2016 glich einer turbulenten Achterbahnfahrt mit glücklichem Ausgang

So schnell wie die extrem negative Stimmung gekommen war, verflog sie Mitte Februar wieder als EZB-Chef Mario Draghi nochmals weitere Zinssenkungen sowie eine Ausweitung der Anleihekäufe im Euroraum in Aussicht stellte.

Politische Unsicherheit hielt die Finanzmärkte im weiteren Jahresverlauf in Atem

Mit dem überraschenden Ausgang des britischen Referendums für einen Ausstieg aus der EU (Brexit) folgte Ende Juni bereits der nächste Schock. Er wirbelte die Aktien-, Währungs- und Zinsmärkte diesmal nur kurzzeitig durch einander. Lediglich das britische Pfund setzte seither eine kontinuierliche Talfahrt fort und verlor bis Jahresende über 20% an Wert. Der politischen Überraschungen nicht genug, schüttelte die Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten die Märkte Anfang November abermals kräftig durcheinander. Während ein rapider Anstieg der Renditen von Anleihen die Kurse festverzinslicher Wertpapiere in den Keller schickte, goutierten insbesondere Bankaktien und zyklische Wachstumswerte den unvorhergesehenen Wahlausgang mit einem regelrechten Kursfeuerwerk. Mit dem Sieg der Republikaner verband man Hoffnungen auf spürbare Steuersenkungen und Investitionen in die Infrastruktur Amerikas sowie die Rückkehr zu mehr Freiheiten für Investmentbanken.

Nationalistische Strömungen sind im politischen Herzen der westlichen Welt angekommen

Die dadurch ausgelöste Branchenrotation führte beispielsweise zu einer Kursverdopplung von Aktien der Deutschen Bank, während Unternehmen mit substanzieller Qualität und nachhaltig erfolgreichen Geschäftsmodellen, wie Johnson & Johnson, Nestlé und Henkel, in dieser Phase zurück blieben. Allerdings währte diese Euphorie nur rund vier Wochen. Wieder nüchtern, scheint dem Kapitalmarkt bewusst geworden zu sein, dass mit dem bevorstehenden Brexit in Großbritannien und mit Trump in den USA neue nationalistische Strömungen im politischen Herzen der westlichen Welt angekommen sind, die Wohlstand und friedliches Zusammenleben eher gefährden als beflügeln werden. Man darf gespannt und skeptisch sein, ob Trump die angestrebte Ankurbelung des Wachstums in den USA nachhaltig gelingen wird.

Gold und Rohöl wurden zu den überraschenden Performancesiegern 2016

Unterm Strich hat das Jahr 2016, neben einer Achterbahnfahrt an den Märkten, neue politische Risiken gebracht. Gold und einigen Rohstoffen gelang der überraschende Turnaround. Mit über 10% bzw. 54% Wertzuwachs schlossen sie am erfolgreichsten ab. Aktien retteten sich nach heftigem Auf und Ab dank Trump-Effekt noch kurz vor Jahresende ins Plus. Für den Dax bedeutete dies einen Wertzuwachs von etwa 7%, der globale Aktienindex MSCI brachte es, mit Unterstützung des im Wert gestiegenen US-Dollars, auf 8%. Deutsche Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit fielen infolge der EZB-Anleihenkäufe und der Entscheidung für den Brexit Mitte des Jahres auf ein neues Allzeit-Renditetief von -0,2%. Zum Jahresende lag ihr Ertrag bei 0,19%, knapp ein halbes Prozent unter dem Vorjahreswert. 

Ausblick 2017

Zweifellos haben die globalen politischen Risiken durch die Wahl eines unerfahrenen und schwer einzuschätzenden US-Präsidenten sowie durch den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zugenommen. Weitere politische Ereignisse, die die Kapitalmärkte belasten könnten, werden in 2017 mit den Parlamentswahlen in den Niederlanden im März, der französischen Präsidentschaftswahl im Mai sowie mit der Wahl zum deutschen Bundestag im September folgen.

Wir erwarten nur moderate Wachstumsimpulse aus den Industrieländern bei einem weiterhin stabilen konjunkturellen Umfeld

Die Konjunktur sollten die politischen Ereignisse nicht maßgeblich schwächen. Bei der Eingrenzung des Schuldenaufbaus und der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit ist seit der Finanzkrise weltweit einiges erreicht worden. Dies hat in Verbindung mit historisch niedrigen Zinsen die Stimmung der Verbraucher beflügelt und für zusätzlichen Konsum und Steuereinnahmen gesorgt. Insbesondere dank des starken US-Konsums dürfte das Wachstum der Weltwirtschaft in 2017 weiterhin Unterstützung erfahren.

Was den Industrieländern allerdings perspektivisch fehlt ist nachhaltiges Wachstumspotenzial. Nach einem Jahrzehnt der Ausgabenkürzungen stehen immer mehr Regierungen unter dem Druck, fiskalpolitische Maßnahmen einleiten zu müssen, um die Bevölkerung zufriedenzustellen. Da die zur Verfügung stehende Weltwirtschaftsleistung nicht mehr wesentlich wächst, greifen die Staaten verstärkt auf Mittel wie den Protektionismus zurück. Die Welthandelsorganisation (WTO) hat kürzlich festgestellt, dass sich die importbeschränkenden Maßnahmen in den G20-Ländern seit der Finanzkrise bereits fast vervierfacht haben. Mittelfristig stellt dieser Trend ein Risiko dar. Kurzfristig sollten die positiven Effekte von Steuersenkungen und öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur auf Kosten einer höheren Verschuldung zu einem weiterhin stabilen konjunkturellen Umfeld führen.

Volatile Marktphasen könnten im Jahresverlauf Einstiegsgelegenheiten bieten

Liegen wir mit unserem zuversichtlichen Ausblick richtig, dann werden insbesondere leistungsstarke, global agierende Unternehmen von dem Anlageumfeld profitieren und ihre Gewinne in 2017 wieder steigern können. Temporäre Kursrückgänge im Zusammenhang mit den wichtigen Wahlen in Europa könnten uns dabei zu günstigen Einstiegsgelegenheiten verhelfen. Um auch längerfristige Perspektiven und politische Risiken bei der Portfoliostrukturierung angemessen zu berücksichtigen, behalten wir unsere Fokussierung auf qualitativ hochwertige Aktien von Unternehmen mit einer starken Bilanz, planbarer Dividendenpolitik und zukunftsträchtigen Geschäftsmodellen bei.

Zudem hat sich die Lage in den rohstoffexportierenden Schwellenländern Brasilien und Russland durch die moderat gestiegenen Rohstoffpreise und infolge der Eindämmung von Kreditwachstum und Schuldenaufbau nach jahrelanger Rezession entschärft. China, das den größten Beitrag zum Wachstum der Weltwirtschaft liefert, hat durch Kapitalverkehrskontrollen und fiskalpolitische Impulse das Wachstum auf dem Niveau von 6,5% stabilisiert. Ein Turnaround dieser Volkswirtschaften wird damit wahrscheinlicher. Nach langen Jahren kann eine Wachstumsbelebung für die Weltwirtschaft in 2017 auch wieder vermehrt aus den Schwellenländern kommen. Anhaltende Kapitalabflüsse in China gilt es in dem Kontext weiter kritisch zu beobachten.

Zinsen für Staatsanleihen verharren real bei null - Unternehmensanleihen bleiben für uns bei der Anlage die erste Wahl

Trotz des Anstiegs der nominalen Renditen von globalen Staatsanleihen im 4. Quartal 2016 ist es unserer Einschätzung nach für ein Investment zu früh. Denn die Fed dürfte die US-Zinssätze in diesem Jahr noch zwei- bis dreimal anheben und damit tendenziell steigende Zinsen begünstigen. Für Besitzer von Anleihen führt das zu Kursverlusten. Zudem liegen die Realzinsen (nach Abzug von Inflation) in den Industrieländern, trotz des Zinsanstieges weiterhin im Bereich von null oder darunter. Unternehmensanleihen mit mittlerer Bonität bleiben für uns daher die erste Wahl. Aktuell liegt ihr Renditeaufschlag zu Staatsanleihen je nach Laufzeit zwischen 1 und 1,5%. Zur Steigerung der Rendite halten wir eine Beimischung von ausgesuchten Hochzinsanleihen für interessant.

In politisch unsicheren Zeiten halten wir an Gold fest und werden alternative Investments als zusätzliche Absicherungen eines möglichen Krisenfalls prüfen 

Da über allen wirtschaftlichen Trends 2017 die politischen Entwicklungen stehen und mit Sicherheit phasenweise für turbulente Märkte sorgen werden, ist davon auszugehen, dass Gold als sicherer Hafen gefragt bleiben wird. Deshalb halten wir an den Positionen fest. Alternative Investments tun sich erfahrungsgemäß in volatilen, seitwärts orientierten Märkten schwer. Zur Diversifikation und Absicherung des Krisenfalls erhalten sie in robusten Portfolios dennoch einen wachsenden Stellenwert.

verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Ing. Alexander H. Stütz

Stand: 01.02.2017

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