Quartalsbericht

Quartalsbericht 3. Quartal 2016

Wirtschaftliche Orientierungslosigkeit hat sich im dritten Quartal weltweit breitgemacht 

Während die Unsicherheit über den Ausgang des britischen Referendums Ende Juni im Vorfeld zu deutlichen Kursrückgängen an den Aktienmärkten geführt hatte, kam es nach der Entscheidung für den Brexit zu einem überraschenden Aufschwung. Aktienindizes wie der deutsche DAX, die zu Jahresbeginn besonders hart getroffen worden waren, profitierten zu Beginn des dritten Quartals am stärksten von der erlangten Gewissheit über den Scheideweg Großbritanniens. Die dreißig größten deutschen Unternehmen verteuerten sich bis Ende Juli im Schnitt um gut 8 Prozent. Das europäische Sonderthema konnte allerdings nur kurz darüber hinwegtäuschen, dass Anleger derzeit rund um den Globus auf der Suche nach neuen Fixpunkten sind. Ab August machte sich weltweit wieder  Orientierungslosigkeit breit. Für den US-amerikanischen Aktienindex S&P 500 endete das Quartal fern ab von Europa mit nur einem leichten Plus von 2 Prozent. 

Im Fokus stehen die US-Präsidentschaftswahlen und weiterhin die Politik der Notenbanken 

Geht den hochentwickelten, aber überalternden und überschuldeten Industrieländern das Wachstumspotenzial aus, oder handelt es sich nur um eine besonders zähe vorübergehende Schwächephase? Können die führenden bevölkerungsreichen Entwicklungsländer China, Brasilien und Russland wirtschaftlich Schritt halten bzw. wieder Schritt fassen, oder droht ihnen nach einer jahrelangen Boomphase eine schwere Rezession? Marktteilnehmer jeder Couleur sind auf der Suche nach Anhaltspunkten für eine Antwort auf diese entscheidenden Fragen. 

Aktuell blicken sie vor allem gespannt auf den Ausgang der Präsidentschaftswahlen in der größten Volkswirtschaft der Erde, den USA. Erst nach dem 8. November werden wir Gewissheit haben, welche neuen politischen Schwerpunkte von dort aus gesetzt werden. Wesentlich wichtiger, aber unbemerkter von der Öffentlichkeit, bewertet man derzeit die Politik der mächtigen Notenbanken. Sie sind es, die in den vergangenen Jahren mehr und mehr das Zepter des Handelns in die Hand genommen haben. Mit ihren gewaltigen monetären Programmen zur Stimulation der Weltwirtschaft kaufen Sie seither die horrenden Staatsschulden der Industrienationen selbst auf, überfluten die Märkte mit Geld und haben so den Zins quasi abgeschafft. In ihrem Bestreben verschuldete Staaten und Kommunen zu entlasten sowie Anreize für mehr Investitionen zu schaffen, setzen sie alles daran, die schwächelnde Konjunktur nicht abbröckeln zu lassen. Unter dem Namen Quantitative Easing haben sie sich seither immer neue geldpolitische Maßnahmen einfallen lassen. 

„Yield Curve Control“ als neu erfundenes Instrument zur Steuerung der 10-jährigen Zinsen 

Mit der „Yield Curve Control“ hat die Zentralbank Bank of Japan (BoJ) im abgelaufenen Quartal gerade wieder ein neues Instrument erfunden. Während bisher von den Notenbanken lediglich direkter Einfluss auf die kurzfristigen Zinssätze genommen wurde, will man für Japan künftig zudem gewährleisten, dass dort auch die Zinsen für Anlagen mit 10-jähriger Laufzeit bei null bleiben. 700 Milliarden Euro sind zunächst veranschlagt, um der Ankündigung Taten folgen zu lassen. Diese Gewissheit soll japanischen Investoren auch die letzte Illusion rauben, langfristige Geldanlagen könnten irgendwann in überschaubarer Zukunft wieder attraktive Zinsen abwerfen. 

Der globale Rentenindex Global Broad Market Index, in dem rund 18.000 Staats- und Unternehmensanleihen mit einem Rating im Bereich Investmentgrade (AAA bis BBB-) zusammengefasst sind, schloss das dritte Quartal mit -0,5 Prozent ab. Nur der europäische Anleiheindex iboxx Overall konnte nochmals um 0,9 Prozent zulegen. Der Grund: Nullzinsen hinterlassen hierzulande in den Staatshaushalten inzwischen positive Spuren, da der Schuldendienst deutlich geringer ausfällt. Schafft Portugal demnächst den Sprung im Rating von BB+ auf BBB- wären wieder alle Euroländer bis auf Griechenland aus dem Ramschniveau heraus. Dem entsprechend sind die Papiere der Aufsteigerländer im iboxx Overall aktuell noch gefragt, bieten sie doch wenigstens eine geringe positive Rendite. Für 10-jährige spanische Anleihen erhält der Investor aktuell 1 Prozent jährlich. Uns erscheint es fraglich, ob die tatsächlichen Risiken damit gedeckt sind. Aber wer davon ausgeht, dass die EZB künftig sämtliche Staatsanleihen jedweder Qualität aufkauft, kann den mageren Zinsertrag einsammeln. Dies tun auf dem europäischen Markt zunehmend auch die Japaner.    

 Herbstgutachten 2016: „Konsumgetriebenes Wachstum - Investitionen und Exporte bleiben schwach“ – „Die Politik bleibt gefordert veränderte Rahmenbedingungen zu schaffen“ 

Um dem Kapitalmarkt neue Orientierung zu geben und den Aktienkursen frischen Wind einzuhauchen, braucht es mehr als das bisher geschehene. Was die Wirtschaftsweisen in Ihrem Herbstgutachten 2016 zusammenfassen, gilt weit über Deutschland hinaus: Das wirtschaftliche Umfeld verbessert sich selbst unter günstigsten Finanzierungsbedingungen nur langsam. Politik darf sich nicht länger auf Umverteilung fokussieren, sondern muss durch Investitionen, Abgabenentlastung und längere Lebensarbeitszeiten in den Industrieländern Wachstumsimpulse setzen.

 Die Möglichkeiten der Geldpolitik erscheinen, trotz des Erfindungsreichtums der Notenbanken, weitestgehend erschöpft. Jüngst in China beschlossene Fiskalmaßnahmen stimulieren zwar die Produktion, ohne höhere Nachfrage führt dies aber eher zu sinkender Ertragskraft und dem Aufbau einer hohen Verschuldung als zu neuem Wachstum. In Brasilien und Russland könnte es da vergeblich sein, nur auf steigende Rohstoffpreise zu warten, solange die Weltwirtschaft nicht mehr als die prognostizierten 2 bis 3 Prozent jährlich wächst und China „auf Halde“ produziert. Hier wie dort sind vielmehr neuer politischer Mut und Überzeugungskraft gefragt, um zukunftsweisende Rahmenbedingungen zu schaffen. 

Fehlende Zinsperspektiven weisen Investitionen in Aktien eine herausragende Bedeutung zu 

Die allgemeine Verunsicherung spiegelt sich selbst innerhalb der mächtigen US-amerikanischen Notenbank Fed wider. Den Protokollen über die Offenmarktausschusssitzungen zufolge wächst auch dort die Uneinigkeit über die Frage einer Zinsanhebung ja oder nein. Schon wird offen über den Verlust an Glaubwürdigkeit diskutiert. Ein Zinsschritt im Dezember wird zwar noch erwartet, die Leitzins-Projektionen der FOMC-Mitglieder fallen aber von Sitzung zu Sitzung vorsichtiger aus.

Verhaltene positive wirtschaftliche Perspektiven und latente Abwärtsrisiken halten sich also vorerst weiter die Waage. Globale Aktienmärkte bieten da zwar kein herausragendes Aufwärtspotenzial, mit durchschnittlichen Gewinnrenditen der Unternehmen von 5,6 Prozent lässt sich auch eine anhaltende Phase von Orientierungslosigkeit in der Welt aber überbrücken. Die Investition in Aktien erhält so in diesen Zeiten eine neue, herausragende Bedeutung. 

Wir behalten daher unseren Fokus auf den Kauf von substanzstarken Titeln mit hohen laufenden Erträgen bei und mischen nur bei Gelegenheiten Anleihen mit solider Bonität für das Erzielen notwendiger Deckungsbeiträge bei. Als zusätzliche Risikovorsorge halten wir weiterhin Gold für geeignet, solange Inflation sowie Zinsen nicht substanziell steigen. Erst mit einem deutlich höheren Ertrag werden Festverzinsliche dem ertragslosen Edelmetall seinen Platz wieder streitig machen.

 

verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Ing. Alexander H. Stütz

Stand: 25.10.2016

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